Vatikan

„Einfach keine Zeit“: KI-Koordinator des Papstes gibt zu, keine KI zu nutzen

Kardinal Michael Czerny soll die Arbeit mehrerer Vatikanbehörden zu künstlicher Intelligenz koordinieren. Ihm selbst fehlt bislang Erfahrung mit der Technik.

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Papst Leo XIV. mit Kardinal Michael Czerny, dessen Behörde die KI-Kommission des Vatikans koordiniert, bei einer Messe in Castel Gandolfo

Papst Leo XIV. mit Kardinal Michael Czerny, dessen Behörde die KI-Kommission des Vatikans koordiniert, bei einer Messe in Castel Gandolfo

© Christian Gennari/Vatican Pool/imago

Kardinal Michael Czerny, dessen Behörde die KI-Kommission des Vatikans koordiniert, hat nach eigenen Angaben bislang selbst keine künstliche Intelligenz genutzt. „Nein, noch nicht. Ich hatte einfach keine Zeit“, sagte er im Podcast-Interview mit Politico auf die Frage, ob er KI bei seiner Arbeit verwende.

Grundsätzliche Vorbehalte habe er nicht. Er sei bereit, den Umgang damit zu lernen, und halte es sogar für seine moralische Pflicht, eigene Erfahrungen zu sammeln. Er hoffe, dass ihm die Technik bei seiner Arbeit helfe.

Der aus Tschechien stammende kanadische Kardinal äußerte sich am Rande eines KI-Gipfels in Berlin. Dort forderte er laut Politico, dass europäische Politiker und Bischöfe deutlicher auf Warnungen vor den Risiken besonders leistungsfähiger KI-Systeme reagieren. Zwischen Kirchenvertretern und Regierungen müsse darüber ein Dialog entstehen. Andernfalls könne man eines Tages feststellen, eine Gefahr erkannt zu haben, ohne etwas dagegen unternommen zu haben.

Sieben Vatikaninstitutionen beteiligt

Papst Leo XIV. billigte die Einrichtung der behördenübergreifenden KI-Kommission im Mai. Czerny leitet das vatikanische Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Dieses ist im ersten Jahr für die Koordination der Kommission zuständig. Das Gremium vereint Vertreter von sieben Vatikanbehörden und päpstlichen Akademien. Sie sollen Informationen über ihre KI-Projekte austauschen und sich auch mit Regeln für den Einsatz der Technik innerhalb des Heiligen Stuhls befassen.

Bei ihrem ersten Treffen im Juni berieten die Mitglieder nach Angaben von Vatican News über gemeinsame Prioritäten. Der Vatikan will die Folgen von KI für die Menschenwürde und das Gemeinwohl untersuchen. Czernys Aussage über seine eigene Nutzung fällt damit in eine Phase, in der die Kommission ihre Arbeit noch aufbaut.

Papst warnt vor Machtkonzentration

Leo XIV. hat künstliche Intelligenz zu einem wichtigen Thema seines Pontifikats gemacht. In seiner im Mai veröffentlichten Enzyklika Magnifica humanitas fordert er, die Technik am Wohl der Menschen auszurichten. Er warnt unter anderem davor, dass wenige Akteure große Macht über KI-Systeme erlangen. Auch die Folgen für Arbeit, persönliche Daten und den Einsatz von KI im Krieg behandelt er.

Papst Leo XIV. ist am Freitagmorgen zu einem viertägigen Besuch nach Frankreich aufgebrochen. In Paris will er sich heute mit staatlichen Vertretern treffen und den Sitz der UN-Kulturorganisation Unesco besuchen. Nach Angaben des Vatikans könnte bei der Reise auch das Verhältnis von Gesellschaft, technologischem Fortschritt und künstlicher Intelligenz zur Sprache kommen.

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