KUWAIT/BERLIN/NEW YORK, 19. März. Unmittelbar vor Ablauf des Irak-Ultimatums haben amerikanische und britische Truppen am Mittwoch ihre Kampfpositionen eingenommen. Die US-Streitkräfte gaben für 20 000 Soldaten und tausende Panzer den Befehl, sich an der Grenze zwischen Kuwait und Irak in Stellung zu bringen. Einige Truppenteile rückten in die entmilitarisierte Zone an der Grenze zu Irak ein. US-Kampfjets verstärkten ihre Angriffe auf Luftabwehrstellungen im Südirak.Insgesamt wartete eine Viertelmillion amerikanische und britische Soldaten in Kuwait und anderen Golfstaaten sowie auf Flugzeugträgern und Truppentransportern auf den Einsatzbefehl aus Washington. US-Präsident George W. Bush hatte vom irakischen Präsidenten Saddam Hussein verlangt, bis Donnerstag 02.00 Uhr MEZ das Land zu verlassen. Die Abgeordneten des irakischen Nationalrats kündigten nach einer Sondersitzung in Bagdad heftige Gegenwehr bei einem Angriff an. Das Weiße Haus bereitete die Öffentlichkeit Amerikas auf den Tod von US-Soldaten vor. "Amerikaner müssen auf den Verlust von Menschenleben vorbereitet sein", sagte Bushs Sprecher Ari Fleischer. Die türkische Regierung will der US-Luftwaffe trotz starken Drucks aus Washington für einen Irak-Krieg lediglich Überflugrechte gewähren, den Zugang zu türkischen Luftwaffen-Stützpunkten jedoch verweigern. Dies teilte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mit. Ankara will auch dem Drängen nach einer Stationierung von US-Truppen auf türkischem Boden vorerst nicht nachkommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder sicherte den USA am Mittwoch noch einmal ausdrücklich Überflug- und Transitrechte auch nach Beginn des Irak-Krieges zu. Darüber hinaus werde den Amerikanern "vor dem Hintergrund unserer Bündnisverpflichtungen" in Deutschland die Nutzung ihrer Militärbasen und der Schutz ihrer Stützpunkte gewährt, betonte Schröder im Bundestag. Der Kanzler lehnte die Forderung der Opposition nach einem weiteren Bundestags-Beschluss für den Einsatz deutscher Soldaten in den Awacs-Überwachungsflugzeugen und in den "Fuchs"-Spürpanzern in Kuwait ab. Das in Kuwait stationierte Bundeswehr-Kontingent soll in den nächsten Tagen von jetzt 100 Soldaten auf bis zu 250 erhöht werden.Bundespräsident Johannes Rau warnte angesichts des bevorstehenden Krieges vor Antiamerikanismus und vor antimuslimischen Tendenzen in Deutschland. Nach einem Treffen mit den Partei- und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien sowie der PDS forderte Rau, es müsse ein "Klima der Toleranz, der Weltoffenheit und des Dialogs in Deutschland erhalten bleiben". In Deutschland lebende Amerikaner und Muslime dürften nicht Ziel politisch motivierter Anfeindungen werden, sagte Rau. Europäer und Amerikaner seien aufeinander angewiesen, und die transatlantische Partnerschaft bleibe Grundpfeiler der deutschen Außenpolitik.In einem vermutlich letzten Appell im Sicherheitsrat erteilte Bundesaußenminister Joschka Fischer einem "Abrüstungskrieg" erneut eine entschiedene Absage. In einer leidenschaftlichen Rede verwies Fischer in New York auf die UN-Charta, die keine Rechtsgrundlage für einen Regimewechsel durch Militärintervention biete. Die Außenminister Frankreichs und Russlands unterstützten Fischers Haltung."Niemand von uns hier in Deutschland hat diesen Krieg gewollt. " Bundespräsident Johannes Rau.REUTERS/RUSSELL BOYCE Ein britischer Jet wird in Kuwait kampfbereit gemacht: Mit dem Einsatz tausender Bomben und Raketen gleich zu Beginn des Krieges wollen Amerikaner und Briten die irakischen Streitkräfte zur raschen Aufgabe zwingen.
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