Der Tunnel an der Ernst-Reuter-Allee am Magdeburger Hauptbahnhof wird für die Landeshauptstadt erneut teurer. Laut einer Vorlage der Stadtverwaltung sollen die im städtischen Haushalt veranschlagten Investitionsausgaben für das Projekt um 3,55 Millionen Euro auf 162 Millionen Euro steigen. Über die zusätzlichen Mittel soll der Stadtrat Anfang November entscheiden, zuvor berät der Finanz- und Grundstücksausschuss.
Wie die Volksstimme berichtet, wächst der investive Eigenanteil der Stadt damit auf rund 84,6 Millionen Euro. Als Gründe nenne die Verwaltung unter anderem zusätzliche Bauleistungen, höheren Planungsaufwand, Kosten für Anwälte und Gutachter sowie gestiegene Baupreise und die längere Bauzeit. Der Großteil des Geldes solle 2027 fließen.
Kostenrahmen von 200 Millionen Euro für das Gesamtprojekt
Mit den 162 Millionen Euro sind nicht die Kosten des gesamten Bauvorhabens gemeint, sondern der Teil, den die Stadt über ihren Haushalt abwickelt. Für den Gesamtkomplex mit den Anteilen von Stadt, Deutscher Bahn und weiteren Beteiligten hatte der Stadtrat 2020 einen Kostenrahmen von rund 200 Millionen Euro beschlossen. Davon sollte die Stadt damals rund 79 Millionen Euro selbst tragen, die Deutsche Bahn rund 72 Millionen Euro der kreuzungsbedingten Kosten. Zum Baubeginn 2015 war noch von rund 100 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede gewesen.
Anlass für das Projekt war der Ersatz maroder Eisenbahnbrücken der Deutschen Bahn. Der Autoverkehr fließt seitdem durch den rund 320 Meter langen Tunnel, an der Oberfläche fahren Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger. Der Bau war von Planungsfehlern, Verzögerungen und Streitigkeiten mit der Baufirma begleitet. Eröffnet wurde der Tunnel am 31. März 2023, seit dem 1. April 2023 rollt der Verkehr. Eine Schlussabrechnung liegt weiterhin nicht vor.
Chronik: Wie die Kosten für den City-Tunnel stiegen
Erste Planungen für den Tunnel an der Ernst-Reuter-Allee gab es 2006, damals wurden die Kosten auf rund 37 Millionen Euro geschätzt. Der Planfeststellungsbeschluss lag am 10. April 2012 vor. Nach der Ausschreibung 2014 stiegen die erwarteten Kosten auf rund 90 Millionen Euro, zum symbolischen Spatenstich im Juni 2015 waren es rund 100 Millionen Euro. Im April 2017 wurde der Straßenbahnverkehr über die Baustelle eingestellt.
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Wegen fehlerhaft dimensionierter Betonpfähle und daraus folgender Neuplanungen gab der Stadtrat Ende 2017 eine Kostensteigerung auf 139 Millionen Euro frei, der städtische Anteil lag damit bei 67 Millionen Euro. 2020 beschloss der Stadtrat einen Kostenrahmen von rund 200 Millionen Euro mit einem Eigenanteil der Stadt von rund 79 Millionen Euro. Am 27. August 2020 fuhren wieder Straßenbahnen über die Tunneldecke, im Juni 2022 waren beide Tunnelröhren baulich fertiggestellt. Am 31. März 2023 wurde der Tunnel eröffnet und am 1. April für den Autoverkehr freigegeben.
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