Der 1936 ausgestorbene Beutelwolf sah einem Wolf zwar zum Verwechseln ähnlich – seine Art zuzubeißen findet unter heute lebenden Säugetieren jedoch kein Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt ein australisches Forschungsteam in einer Studie, die am Montag im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde.
Der auch Tasmanischer Tiger genannte Beutelwolf war kein Tiger, sondern ein fleischfressendes Beuteltier. Seinen Namen verdankte er den dunklen Streifen auf Rücken und Hinterteil. Einst lebte die Art auch auf dem australischen Festland, zuletzt nur noch auf Tasmanien.
Die Gruppe um die Biologin Vera Weisbecker von der australischen Flinders University untersuchte die Schädel von 60 fleischfressenden Säugetierarten mit dreidimensionalen Vermessungsverfahren. Der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) habe eine bislang unbekannte Art des Zubeißens entwickelt, die sich deutlich von der heutiger Raubtiere unterscheide, teilten die Forschenden mit.
Kein Vergleichstier unter heute lebenden Arten
Der Schädel des Beutelwolfs vereine Merkmale, die bei keinem heute lebenden Säugetier gemeinsam vorkämen, heißt es in der Studie. Einzelne Bereiche ähnelten zwar denen kleiner Fuchs- und Schakalarten.
Auffällig sei aber, dass der Schädel im Verhältnis zum Körpergewicht ungewöhnlich groß gewesen sei. Ein rund 17 Kilogramm schweres Tier habe einen Schädel besessen, wie ihn sonst nur Raubtiere mit einem Gewicht zwischen 24 und 67 Kilogramm haben.
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Die Schnauze sei zugleich lang, schmal und hoch gewesen und habe sich an der Spitze im Bereich der Eckzähne verbreitert. Diese Kombination spreche für schnelle, kraftvolle Schnappbisse, mit denen der Beutelwolf kleinere, flinke Beutetiere gefangen habe, so die Forschenden. Der große Schädel habe die beim Zubiss auftretenden Kräfte über ein größeres Knochenvolumen verteilen können.
Hinweise auf empfindliche Schnauze
Auffällig sei zudem eine ungewöhnlich große Öffnung im Schädel unterhalb der Augenhöhle, durch die Nerven zur Gesichtshaut verlaufen. Das deute auf eine besonders empfindliche Schnauze hin, die dem Tier geholfen haben könnte, seine Eckzähne beim Beutefang genau zu platzieren, schreiben die Forschenden. Ähnliches sei bei ausgestorbenen südamerikanischen fleischfressenden Beuteltieren nachgewiesen worden.
Ähnlichkeit mit dem Wolf muss neu bewertet werden
Die häufig als Musterbeispiel für die unabhängige Entwicklung ähnlicher Merkmale angeführte Ähnlichkeit zwischen Beutelwolf und Grauwolf beruhe damit vermutlich nicht auf einer vergleichbaren Funktion des Schädels, folgern die Autoren.
Übereinstimmungen im Erbgut und in der Entwicklung beider Arten müssten daher in einem anderen Zusammenhang neu betrachtet werden. Die Studie liefere Anhaltspunkte, um mithilfe des inzwischen entschlüsselten Erbguts des Beutelwolfs die Entstehung dieser besonderen Schädelform künftig genauer zu erforschen.
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