Durchfallquote

„Fickt euch!“: Schülerin beschimpft Lehrer bei Abi-Feier in Hagenow

Abi-Rede in Mecklenburg-Vorpommern eskaliert. Ungewöhnlich hohe Durchfallquote im aktuellen Jahrgang sorgt für Wutrede gegen Lehrer.

3 Min
In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Abi-Rede eskaliert.

In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Abi-Rede eskaliert.

© Sina Schuldt/dpa

Am Robert-Stock-Gymnasium im mecklenburgischen Hagenow ist die offizielle Abiturfeier zum Schauplatz einer beispiellosen verbalen Attacke gegen die Lehrerschaft geworden. Eine Schülerin nutzte ihre Festrede laut einem Bericht des Nordkurier für eine rund fünfminütige Abrechnung mit den Pädagogen und rief in Richtung derjenigen, die dem Jahrgang die Durchfallquote gönnten: „Fickt euch einfach nur alle!“

Hintergrund der Wutrede ist die auffällig hohe Zahl gescheiterter Prüflinge. Nach Angaben der Rednerin haben 17 von 52 Schülern den Abschluss nicht bestanden, eine Person sei erst gar nicht zur Prüfung zugelassen worden. Das entspricht einer Quote von 34 Prozent. Im Landesdurchschnitt der vergangenen Jahre lag der Anteil der durchgefallenen Abiturienten in Mecklenburg-Vorpommern bei etwa sieben Prozent.

Die Schülerin, die selbst zu den Durchgefallenen zählt, stellte die Frage in den Raum, ob wirklich alle Betroffenen „zu blöd“ gewesen seien oder nicht gelernt hätten. Sie verwies darauf, dass ein Großteil der Betroffenen zuvor „immer stabile Noten hatte“.

Vorwürfe gegen den Unterricht

In ihrer Rede führte die Abiturientin mehrere Kritikpunkte an. So habe es ständige Lehrerwechsel gegeben, zwei Jahre lang sei kein geregelter Mathematikunterricht zustande gekommen. Ironisch bemerkte sie, für das Ergebnis des Mathematikunterrichts seien die Schüler natürlich „ganz alleine verantwortlich“. Zudem sei die ohnehin knappe Vorbereitungszeit auf die Prüfungen weiter gekürzt worden.

Direkt an die Lehrkräfte gerichtet warf die Rednerin einzelnen Pädagogen fachliche Unzulänglichkeit vor. Viele würden seit Jahren identische Unterrichtsinhalte vermitteln und dieselben Arbeitsblätter austeilen, obwohl sich sowohl die Welt als auch der Prüfungsstoff veränderten. Teile des Publikums reagierten mit Applaus und Zurufen, insbesondere beim Höhepunkt der Beschimpfung.

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Schule äußert sich nicht

Das Robert-Stock-Gymnasium wird nach eigenen Angaben von rund 400 Schülern besucht. Auf der Internetseite verweist die Schule auf ihr Programm, das zur „Übernahme von Verantwortung“ erziehen wolle und gegenseitige Anerkennung als wesentlichen Bestandteil des Schulalltags nennt. Kooperative Lernformen gelten demnach als wesentliche Unterrichtsmethode.

Der Auftritt der Schülerin verbreitet sich derzeit in internen Chats. Die Reaktionen fallen laut Nordkurier gemischt aus: Einige würdigen den Mut, andere halten die Wortwahl für eine Abiturrede für unangemessen. Warum die Durchfallquote in diesem Jahrgang so deutlich über dem Landesschnitt liegt, ist bislang unklar.

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