Dem Vize-Landtagspräsidenten Hans-Thomas Tillschneider (AfD) ist offenbar der Zugang zum Gedenken an das antisemitische Attentat vom 9. Oktober 2019 auf die Synagoge in Halle verwehrt worden. Demonstranten stehen vor der Synagoge und blockieren den Eingang.
Bei den Demonstranten handelt es sich um Mitglieder der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), berichtet die Jüdische Allgemeine. Tillschneider gab demnach an, eingeladen worden zu sein.
Nach erfolglosen Vermittlungsversuchen der Polizei entschied der Politiker, nicht am Gedenken teilzunehmen. An der Synagoge in der Humboldtstraße fand ein stilles Gedenken statt, an dem auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) teilnahm.
Gedenken an antisemitischen Anschlag in Halle
In Halle finden am Freitag mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Der Attentäter Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 versucht, sich an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, Zugang zur Synagoge zu verschaffen. Er scheiterte an der Tür und erschoss vor dem Gotteshaus die 40-jährige Jana S. An einem Dönerimbiss erschoss der Täter zudem den 20-jährigen Kevin S. Weitere Menschen wurden verletzt.
Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen erklärte Naomi Tamir vom Vorstand der JSUD: „Ein gesichert rechtsextremer Parteivorsitzender hat bei unserem Gedenken keinen Platz. Wir lassen dieses Gedenken nicht vereinnahmen. Es geht hier an erster Stelle um die Opfer.“ Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, gab an, dass Tillschneider an der Veranstaltung hätte teilnehmen können. Er habe zwar keine persönliche Einladung bekommen, ein Hausverbot sei ihm aber auch nicht erteilt worden.
Tillschneider ist seit Dienstag Vize-Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt. Sein Parteikollege Tobias Rausch wurde zuvor als erster AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt.
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