Ein Elch in Mecklenburg-Vorpommern hat eine Polizeiwarnung ausgelöst. Nahe dem Ort Saatel südöstlich der Kleinstadt Barth ist das Tier gesichtet worden, wie die Polizeiinspektion Stralsund mitteilte.
Weil ein so großes Wildtier in der Region die Ausnahme ist, bat die Polizei Verkehrsteilnehmer um erhöhte Aufmerksamkeit. „Ein so großes Tier ist ungewöhnlich, deswegen haben wir die Warnmeldung herausgegeben“, sagte Polizeisprecherin Juliane Boutalha.
Wo der Elch bei Barth zuletzt unterwegs war
Nach Angaben der Polizei ist das Tier vermutlich schon wenige Tage zuvor bei Greifswald aufgetaucht und von dort weiter nach Westen gezogen.
Bei der jüngsten Begegnung sei es offenbar nach Nordosten gewandert – in Richtung des Barther Boddens. Wohin der Elch als Nächstes zieht, lässt sich kaum verlässlich sagen.
Als heimisch gelten Elche in Mecklenburg-Vorpommern seit rund 1000 Jahren nicht mehr. Im Mittelalter wurde die große Hirschart in West- und Mitteleuropa ausgerottet. Heute lebt sie in Europa vor allem in Skandinavien, im Baltikum und in Russland. Kleinere, aber rasch wachsende Bestände gibt es zudem in Belarus und Polen.
Dass einzelne Jungtiere aus Polen nach Mecklenburg-Vorpommern wandern, komme immer wieder vor, sagte Jochen Elberskirch, Leiter des Naturparks Am Stettiner Haff der Deutschen Presse-Agentur.
Oder-Delta: 20 bis 30 Elche auf polnischer Seite
Im östlichsten Teil des Oder-Deltas, auf polnischer Seite, leben nach Angaben von Peter Torkler rund 20 bis 30 Elche in freier Wildbahn. Torkler ist Geschäftsführer des Naturschutzvereins „Rewilding Oder Delta“.
Die Tiere seien aus dem Osten Polens zugewandert. Sobald eine etwas größere Population entstehe, suchten sich die jungen Elche neue Reviere, erklärt er.
„Nach Mecklenburg-Vorpommern kommen die Elche über Wolin und Usedom“, sagt Torkler. Dabei schwimmen sie auch längere Strecken – selbst die Oder ist für sie kein Hindernis.
Warum die Elche jetzt wieder häufiger kommen
Zwischenzeitlich war es zwei Jahre lang ruhiger: Der Bau einer Schnellstraße in Polen habe die Tiere vermutlich gestört, so Torkler. Seit die Arbeiten abgeschlossen sind, tauchten sie wieder häufiger auf.
Die meisten Tiere wandern demnach nach Brandenburg. Im Norden bremst die polnische Großstadt Stettin ihre weitere Ausbreitung. Fachleute vermuten, dass in Brandenburg bereits erste Elche dauerhaft sesshaft geworden sind.
Wie weit wandern Elche? Bis zu 150 Kilometer am Tag
Elche sind ausdauernde Wanderer. Sender, die in Polen an den Tieren angebracht wurden, zeigten, dass sie bis zu 150 Kilometer an einem einzigen Tag zurücklegen können.
Wie weit ihre Streifzüge reichen, hängt vor allem vom Nahrungsangebot ab. Bei den Elchen, die von Polen aus nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen, handelt es sich meist um junge Bullen. Tot aufgefundene Tiere in Deutschland waren überwiegend ein bis zwei Jahre alt.
Wie gefährlich ist die Begegnung mit einem Elch?
Nach Einschätzung von Umweltexperten könnten Elche in Deutschland künftig häufiger vorkommen – und sich immer weiter westlich der Grenze zeigen.
Harmlos ist eine Begegnung aber nicht, schon wegen der Größe der Tiere. Ein ausgewachsener Bulle wiegt zwischen 300 und 600 Kilogramm und erreicht eine Schulterhöhe von 175 bis 190 Zentimetern.
Abstand ist deshalb ratsam, besonders in der Brunftzeit. Im Straßenverkehr sind bei einem Zusammenstoß schwere Schäden am Fahrzeug kaum zu vermeiden. Geschossen werden darf der Elch übrigens weder in Deutschland noch in Polen.
Elch „Bert“ in Brandenburg – ein bekanntes Beispiel
Wie eng einzelne Elche mit einer Region verbunden sein können, zeigt der Fall von „Bert“ in Brandenburg. Der Elchbulle lebte seit Februar 2018 im Land und trug ein GPS-Halsband, wie die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde mitteilte.
Seit 2019 verfolgten Wissenschaftler sein Verhalten durchgehend. „Fast neun Jahre lang wussten wir praktisch jeden Tag, wo er sich aufhielt“, sagte Wildtierexperte Frank-Uwe Michler.
Seine Heimat fand Bert im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Inzwischen ist das Tier gestorben – die Todesursache blieb laut Michler auch nach einer Sektion unklar. Mit Bert lebten zuletzt fünf wilde Elche in Brandenburg, nun seien es nur noch vier.
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