BERLIN. Es grünt so grün auf der 63. Internationalen Automobilausstellung IAA, dass Spötter ihr schon den Beinamen Grüne Woche verpasst haben. Morgen wird die Autoschau in Frankfurt am Main eröffnet, Journalisten dürfen sich seit gestern in den Messehallen umsehen. Auffallend ist: Fast alle Hersteller mit Rang und Namen bieten einen Mix zukunftsweisender und umweltfreundlicher Antriebstechniken.Lautlos dahin rollende Autos, keine Abgase - so stellen sich viele die automobile Zukunft vor. Doch ehe das Normalität wird, werden wohl noch Jahre vergehen. Noch sind die Batterien zu teuer, ist die Ladezeit zu lang und fehlt es an einem Netz von Ladestationen. Deshalb werden zunächst vor allem sparsame Benzinmotoren, Gasautos und Hybridmodelle dominieren. Ein Zurück aber gibt es nicht mehr. Das Rennen um die Vorherrschaft beim E-Mobil ist in vollem Gange. Und die Deutschen wollen dieses Mal ganz vorne dabei sein, nachdem sie den Trend zum Hybrid-Antrieb verschlafen hatten.100 WeltpremierenAuf der IAA gehen 55 von 100 Weltpremieren allein auf das Konto der deutschen Hersteller. Sie sind mit einer ganzen Flotte von Elektro- und Hybridmodellen vertreten, auch wenn viele noch keine Serienreife haben. Audi zeigt seinen ersten Elektro-Sportwagen e-tron, BMW den 7er Active Hybrid und den batteriebetriebenen Mini, der derzeit in mehreren Großstädten getestet wird. Opel stellt das Elektroauto Ampera vor, Mercedes den Flügeltüren-Sportwagen SLS AMG - auch mit Elektroantrieb. Noch in diesem Jahr geht der Elektro-Smart in Produktion, und 2010 wird der erste Mercedes mit Batterieantrieb an den Start gehen. VW zeigt die Studie des Elektroautos "e-up". Zudem präsentieren die Wolfsburger ein Ein-Liter-Auto. 2013 will VW die ersten Elektroautos anbieten.Doch die Konkurrenz schläft nicht. Renault etwa stellt in Frankfurt gleich eine ganze Palette von Elektro-Modellen vor, die 2011 und 2012 auf den Markt kommen sollen. Der Preis soll vergleichbar oder sogar niedriger sein als der von Benzinautos. Das ist eine Kampfansage an die Konkurrenz, denn Elektroautos sind wegen der hohen Batteriekosten noch deutlich teurer als herkömmliche.Mit rund 500 Millionen Euro will der Bund den deutschen Herstellern bei der Entwicklung von elektrischen Antrieben unterstützen. Eine Million Elektroautos sollen mit dieser Hilfe bis 2020 auf deutschen Straßen fahren. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erwartet einen gnadenlosen Wettbewerb auf diesem Markt. Vor allem in Japan und China werden seit längerem erhebliche Summen in neue Antriebstechnologien investiert. Asien, mit seinen bevölkerungsreichen Großstädten, ist einer der gefragtesten Märkte. Siemens-Forschungschef Dieter Achatz glaubt, dass sich das E-Auto viel schneller als erwartet durchsetzen wird: "Bereits in drei Jahren könnte das Elektroauto in einer Breite kommen, die viele überraschen dürfte."Zusätzlicher Druck kommt aus Brüssel. Die EU fordert, dass der Kohlendioxid-Ausstoß der Hersteller bis 2020 auf durchschnittlich 98 Gramm CO2 pro Kilometer sinkt. Derzeit liegen die Deutschen bei 163 Gramm. Die geforderte Minimierung würde in der Autobranche nach einer McKinsey-Studie bis zu 100 Milliarden Euro zusätzliche Produktions- und Entwicklungskosten verschlingen. Da sei es besser, gleich konsequent auf das Elektroauto zu setzen.------------------------------Foto: Ein Smart electric drive hängt an einer Säule auf dem Messegelände der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main - quasi als Symbol für die Zukunft der Branche.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]