Tech-Milliardär Elon Musk erhebt schwere Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine. Ein Teil der US-Steuergelder werde über verschleierte Finanzkanäle zurück in die Vereinigten Staaten geschleust, um dort politische Wahlkämpfe zu finanzieren, behauptet der Unternehmer. Damit unterstellt er amerikanischen Politikern, aus finanziellen Eigeninteressen die Ukraine stärker zu unterstützen als das eigene Land.
Die Anschuldigungen verbreitete Musk am Freitag in zwei Beiträgen auf seiner Plattform X. Er nannte weder konkrete Politiker oder Parteien noch Unternehmen, Geldbeträge oder einzelne Transaktionen. Belege für den behaupteten Geldkreislauf legte er nicht vor.
Die Aussagen erfolgen nur elf Tage vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November, bei denen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress neu bestimmt werden.
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Elon Musk wirft ukrainischen Eliten Bereicherung durch Kriegshilfen vor
In seinem ersten X-Beitrag behauptete Musk, zwischen den ukrainischen Eliten und der Bevölkerung bestehe ein gewaltiger Interessengegensatz.
Die Eliten seien durch die Hunderte Milliarden, die in die Ukraine flössen, sehr reich geworden, während die Kinder der einfachen Bevölkerung zum Militärdienst eingezogen würden, um in den Schützengräben zu sterben, schrieb der Unternehmer.
Wen er mit den ukrainischen Eliten konkret meinte, erläuterte Musk nicht. Ebenso wenig legte er Belege für die behauptete persönliche Bereicherung vor.
In einem weiteren Beitrag verschärfte er seine Anschuldigungen und stellte einen direkten Zusammenhang zwischen amerikanischer Ukraine-Hilfe und der Finanzierung von US-Wahlkämpfen her.
„Und ein Teil dieser US-Steuergelder kommt über mehrere Geldwaschmaschinen zurück, um politische Wahlkämpfe in Amerika zu finanzieren“, schrieb Musk in einer sinngemäßen Übersetzung seines englischen Beitrags.
Dies sei auch der Grund, weshalb sich manche Politiker mehr um die Ukraine als um Amerika kümmerten, behauptete er.
Das amerikanische Wirtschaftsportal Benzinga berichtete über die Aussagen und die Unterstützung, die Musk von der ehemaligen republikanischen Kongressabgeordneten Marjorie Taylor Greene erhielt. Sie kritisierte insbesondere die Ausgaben für die Ukraine und bemängelte, dass die von ihr geforderten Prüfungen der Hilfsgelder nicht in der gewünschten Form erfolgt seien. Eine Bestätigung für Musks Geldwäschevorwurf lieferte auch sie nicht.
Fast 200 Milliarden US-Dollar: Wohin flossen die Ukraine-Hilfen?
Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 haben die Vereinigten Staaten umfangreiche Mittel für die Ukraine und damit zusammenhängende militärische Operationen bereitgestellt.
Nach einem Bericht der zuständigen amerikanischen Kontrollbehörden vom August 2026 beliefen sich die dafür bewilligten Mittel bis Ende Juni auf insgesamt 196,43 Milliarden US-Dollar.
Davon entfielen rund 142,82 Milliarden US-Dollar auf militärische Unterstützung, 45,69 Milliarden auf Regierungsführung und Entwicklungshilfe sowie weitere Mittel auf humanitäre Programme und die Verwaltung der amerikanischen Operationen.
Die Gesamtsumme bedeutet allerdings nicht, dass das Geld vollständig an die ukrainische Regierung überwiesen wurde.
Nach einer am 23. Oktober aktualisierten Analyse des Council on Foreign Relations kommt der Ukraine unmittelbar Unterstützung im Umfang von etwa 127 Milliarden US-Dollar zugute. Ein erheblicher Teil der übrigen Ausgaben finanziert beispielsweise amerikanische Militäraktivitäten in Europa.
Zudem wird ein beträchtlicher Teil der Hilfsgelder innerhalb der Vereinigten Staaten ausgegeben. Dazu gehören Aufträge an amerikanische Rüstungsunternehmen und die Wiederauffüllung von Waffenbeständen, aus denen die Ukraine zuvor beliefert wurde.
Bis Ende Juni 2026 waren nach Angaben der Kontrollbehörden etwa 62 Prozent der insgesamt bereitgestellten Mittel tatsächlich ausgezahlt worden.
US-Prüfbericht deckt Mängel bei Kontrolle der Ukraine-Hilfen auf
Bei der Kontrolle einzelner Hilfsprogramme haben amerikanische Behörden tatsächlich erhebliche Defizite festgestellt.
Ein Prüfbericht der US-Entwicklungsbehörde USAID vom 3. März 2026 dokumentiert Probleme bei der Überwachung direkter Budgethilfen für die ukrainische Regierung. Dabei ging es um Gelder, die überwiegend über einen Fonds der Weltbank ausgezahlt wurden.
Dem Bericht zufolge übermittelte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte nahezu ein Drittel der vorgeschriebenen Kontrollunterlagen verspätet. Eine weitere beauftragte Gesellschaft, KPMG, legte sechs erforderliche Prüfberichte nicht fristgerecht vor.
Außerdem fanden die Kontrolleure bei der Unterstützung ukrainischer Binnenvertriebener einzelne Doppelzahlungen und Leistungen an Personen, die sich bereits im Ausland aufhielten.
Die ukrainische Regierung ergriff nach Angaben der Prüfer Maßnahmen, um solche Fehler künftig zu verhindern. Das vollständige Ausmaß möglicherweise unberechtigter Zahlungen war zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht festgestellt.
Diese Ergebnisse belegen Schwächen bei der Kontrolle amerikanischer Hilfsgelder. Einen Nachweis dafür, dass Gelder über die Ukraine in politische Wahlkämpfe der Vereinigten Staaten zurückgeflossen sind, enthält der Bericht jedoch nicht.
Musk selbst finanziert US-Wahlkämpfe mit mehr als 445 Millionen Dollar
Musks Vorwürfe erhalten zusätzliche politische Brisanz durch seine eigene Rolle als einer der größten Geldgeber amerikanischer Wahlkämpfe.
Nach Recherchen von Bloomberg hat der Unternehmer im laufenden Wahlzyklus bereits mehr als 445 Millionen US-Dollar an Organisationen zur Unterstützung republikanischer Kandidaten gespendet.
Allein in den ersten beiden Oktoberwochen überwies er demnach rund 77 Millionen US-Dollar an sein politisches Aktionskomitee America PAC.
Die Organisation unterstützt republikanische Kandidaten durch Wahlwerbung und Kampagnen zur Mobilisierung von Wählern. Besonders viel Geld fließt in den Senatswahlkampf in Texas, wo Musk den Republikaner Ken Paxton gegen den Demokraten James Talarico unterstützt.
Nach einer Auswertung des Magazins WIRED vom 23. Oktober hat Musk damit mehr Geld in den aktuellen Wahlzyklus eingebracht als jeder andere bekannte Einzelspender.
Die Zahlungen sind in Unterlagen der amerikanischen Wahlbehörde Federal Election Commission dokumentiert. Ein Zusammenhang zwischen diesen Spenden und den von Musk behaupteten Geldtransfers aus der Ukraine ist nicht belegt.
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Die neuen Korruptionsvorwürfe kommen kurz nach einem Konflikt über die Satellitenkommunikation für die ukrainischen Streitkräfte.
Seit Mitte Oktober hatten technische Beschränkungen beim Satelliteninternetdienst Starlink und dessen militärischer Variante Starshield die ukrainische Armee erheblich beeinträchtigt. Nach Angaben ukrainischer Regierungsvertreter verloren insbesondere Drohnen bei Geschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern pro Stunde die Verbindung. Das erschwerte die Abwehr russischer Angriffsdrohnen und führte zur Unterbrechung militärischer Einsätze.
Am Samstag meldete die ukrainische Regierung nun eine deutliche Verbesserung. „Die Überwachungssysteme des Verteidigungsministeriums registrieren eine Wiederherstellung der Geschwindigkeit von Starlink und Starshield. Wir messen Geschwindigkeiten von mehr als 400 Kilometern pro Stunde. Die Verbindung ist stabil“, erklärte Verteidigungsminister Jewhenij Chmara nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Gemeint ist die Geschwindigkeit der mit den Satellitensystemen verbundenen Fluggeräte.
Chmara führte die Verbesserung auf direkte Gespräche und die entschlossene Haltung von Präsident Wolodymyr Selenskyj zurück. Die Wiederherstellung sei vor allem für die Front, den Einsatz von Drohnen sowie die militärische Logistik und Kommunikation entscheidend. Ob sämtliche Beschränkungen aufgehoben wurden, teilte das Verteidigungsministerium zunächst nicht mit.
Nach Recherchen von Reuters soll die Anordnung zur Drosselung von Starshield aus dem Weißen Haus gekommen sein. Weder Elon Musk noch die US-Regierung haben bislang die Verantwortung dafür übernommen.
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