Elon Musk soll persönlich angeordnet haben, den militärischen Satellitendienst Starshield für die Ukraine einzuschränken. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf amerikanische Regierungsvertreter und weitere mit der Entscheidung vertraute Personen. Der US-Sender CBS News bestätigte die Darstellung mit eigenen Informanten. Die Einschränkungen beeinträchtigen ukrainische Drohneneinsätze im Krieg gegen Russland.
Besonders brisant: Musk hatte die Verantwortung zuvor dem US-Militär und letztlich Präsident Donald Trump zugeschrieben. Dieser bestritt jedoch, die Drosselung angeordnet zu haben. Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, das Pentagon habe keine entsprechende Anweisung erteilt.
Nach Informationen des Wall Street Journal löste Musks Entscheidung nicht nur bei der ukrainischen Militärführung Überraschung aus. Auch innerhalb der Trump-Regierung habe sie für Verwirrung gesorgt. Eine unabhängige Bestätigung der persönlichen Verantwortung Musks liegt bislang nicht vor.
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Starlink-Drosselung: Ukrainische Drohnen verlieren bei 160 km/h die Verbindung
Die Einschränkungen traten Mitte vergangener Woche auf. Ukrainische Militäreinheiten meldeten plötzlich Verbindungsabbrüche bei Fluggeräten, die auf das Satellitennetz des amerikanischen Unternehmens SpaceX angewiesen sind.
Nach Angaben ukrainischer Militärvertreter wurde für Starshield eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt. Bewegten sich Satellitenterminals schneller als rund 160 Kilometer pro Stunde, brach die Verbindung ab. Einige Einheiten berichteten CBS sogar von Problemen bei niedrigeren Geschwindigkeiten.
Betroffen waren vor allem Angriffsdrohnen und Abfangdrohnen, mit denen die ukrainische Armee russische Flugkörper bekämpft.
Starshield ist die für militärische Anwendungen entwickelte Variante von Starlink. Beide Systeme stammen von SpaceX, der Dienst Starshield wird für amerikanische Regierungsstellen und Partnerstaaten angeboten.
Der ukrainische Präsidentenberater Serhij Beskrestnow erklärte der Nachrichtenagentur AP, dass anfängliche Verbindungsstörungen zwar behoben worden seien, die Geschwindigkeitsgrenze aber bestehen bleibe.
Besonders betroffen sei die Abwehr schneller russischer Shahed-Drohnen. Einige Modelle erreichen mehr als 400 Kilometer pro Stunde. Ukrainische Abfangdrohnen müssen entsprechend schnell fliegen können, verlieren unter den neuen Beschränkungen jedoch ihre Satellitenverbindung.
Musk verwies auf Trump – der Präsident bestreitet jede Verantwortung
Das Wall Street Journal schreibt die Entscheidung nun Musk persönlich zu. Wie die Anweisung technisch umgesetzt wurde, konnten die Informanten von CBS allerdings nicht klären.
Musk hatte die Zuständigkeiten zuvor anders dargestellt.
„Über Beschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung entscheiden das US-Militär und letztlich der Präsident“, schrieb er am 14. Oktober auf der Plattform X.
Trump erklärte dagegen am Montag auf die Frage, wer die Einschränkungen angeordnet habe: „Ich weiß nicht, wer es war, aber ich würde es gerne herausfinden.“
Auch Verteidigungsminister Hegseth bestritt am Dienstag eine entsprechende Anweisung.
„Wir haben nichts zurückgenommen“, sagte er laut CBS News. Für die Nutzung des Dienstes gebe es Vertragsbedingungen, die eingehalten werden müssten. SpaceX könne auf dieser Grundlage selbst Entscheidungen treffen.
Musk beantwortete eine Anfrage von CBS zu den neuen Vorwürfen zunächst nicht. Auch SpaceX und das Weiße Haus reagierten nicht auf entsprechende Anfragen von Reuters. Die Nachrichtenagentur erklärte, sie habe die Recherchen des Wall Street Journal nicht unabhängig bestätigen können.
Wer wusste von der Entscheidung? Unterschiedliche Berichte aus Washington
Ungeklärt ist insbesondere, wie eng Musk seine Entscheidung mit der amerikanischen Regierung abstimmte.
Nach Informationen von CBS führte er vor der Einschränkung mehrere Gespräche mit Regierungsvertretern. Er habe wissen wollen, welche Haltung Trump zu einer Begrenzung des Satellitendienstes einnehme.
Das Wall Street Journal berichtet zudem, Musk und Trump hätten kurz nach Bekanntwerden der Drosselung miteinander telefoniert. Einer der Informanten erklärte, beide hätten bereits zuvor über die Angelegenheit gesprochen.
Eine weitere Darstellung stammt von Reuters. Die Agentur hatte bereits am 15. Oktober berichtet, nach Angaben von zwei amerikanischen Regierungsvertretern und einem westlichen Informanten sei die Anweisung aus dem Weißen Haus gekommen.
Wer sie dort erteilt oder anschließend umgesetzt hatte, konnten die Quellen nicht sagen. Ein ranghoher amerikanischer Regierungsvertreter versicherte damals, Trump selbst habe keine solche Anweisung gegeben.
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Selenskyj spricht mit Rubio über Starshield – Streit um russische Raffinerien
Für die Ukraine sind die Einschränkungen auch politisch brisant. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Washington vor, die militärische Unterstützung seines Landes zu behindern.
Am Dienstag telefonierte er mit US-Außenminister Marco Rubio. Nach Angaben des ukrainischen Präsidialamtes ging es neben fehlenden Patriot-Abfangraketen und der Frühwarnung vor russischen Raketenangriffen ausdrücklich um Starlink und Starshield. Die Funktionsfähigkeit müsse wiederhergestellt werden, erklärte Selenskyj.
Die Drosselung erfolgte vor dem Hintergrund eines Streits über ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien. Trump hatte die Ukraine wiederholt aufgefordert, diese Attacken einzustellen. Er macht sie für steigende Dieselpreise mitverantwortlich.
Nach Informationen des Wall Street Journal waren sowohl Trump als auch Musk über die ukrainischen Angriffe verärgert. Ob dies ausschlaggebend für Musks mutmaßliche Entscheidung war, ist jedoch nicht belegt.
Beskrestnow betonte gegenüber AP, dass Starshield auf russischem Staatsgebiet nicht verfügbar sei und deshalb nicht zur Steuerung ukrainischer Drohnen bei Angriffen auf russische Raffinerien eingesetzt werde.
In Washington verlangen inzwischen Politiker beider Parteien Aufklärung. Eine Gruppe von US-Senatoren forderte die interne Kontrollbehörde des Verteidigungsministeriums auf, die Einschränkungen zu untersuchen.
Der republikanische Kongressabgeordnete Mike Turner erklärte gegenüber CBS: „Wir brauchen eine Untersuchung. Wir müssen herausfinden, wer diese Leute sind, denn Menschenleben stehen auf dem Spiel.“
Während die Ukraine über eine vollständige Wiederherstellung des Dienstes verhandelt, richten die neuen Enthüllungen den Blick auf Musk. Seine persönliche Verantwortung für die Drosselung wird nun von zwei US-Medien berichtet. Offiziell geklärt ist die Entscheidung bislang nicht.
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