Ende ohne Schrecken

Jörg Sundermeier
2 Min

Der Aufbau Verlag hat einen neuen Eigentümer. Der 64-jährige Unternehmer Matthias Koch hat ihn erworben. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Bis zuletzt hielten sich Befürchtungen, dass der Traditionsverlag von einem Buchkonzern absorbiert werden könnte. Jetzt aber ist es wie zuvor ein wagemutiger Privatmann, der das Unternehmen lenken wird. Das ist eine gute Lösung.Wie es ja auch zuvor eine gute Lösung war, dass ein einzelner Unternehmer den Verlag geleitet hat. Bernd Lunkewitz, der viel in den Verlag investiert hat, war es allerdings auch, der den Verlag im Mai in die Insolvenz geführt hat. Dies war Teil seiner Strategie im Kampf gegen das Bundesfinanzministerium. Dieses nämlich ist dafür verantwortlich, dass Lunkewitz von der Treuhand ein Verlag verkauft wurde, der dieser gar nicht gehörte. Der Rechtstreit um die Eigentumsverhältnisse wurde erst Anfang dieses Jahres letztinstanzlich entschieden wurde. Lunkewitz jubelte schon, doch die Bundesregierung scherte sich einfach nicht um das Urteil des Bundesgerichtshofes. In seiner Wut griff Lunkewitz, der sich schon öfter als gewieft erwiesen hatte, zu einem weiteren Trick, der Insolvenz nämlich. Er erhoffte sich, dass nun alle mit dem Finger auf die Regierung zeigen, und schnelles Einlenken und Erstattung der Kosten von ihrer Seite verlangten. Aber Lunkewitz hatte die Rechnung ohne den Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus und ohne die Presse gemacht.Ersterer hielt sich an das Insolvenzrecht und versuchte, Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten, letztere sah vor allem im rabaukigen Multimillionär Lunkewitz den Buhmann, und ließ die Bundesregierung weitgehend ungeschmäht davonkommen. In der Folge kam es zu Beschimpfungen und bizarren Statements von allen Beteiligten. Egal, nun hat die Vernunft gesiegt. Erst einigten sich Voigt-Salus und Lunkewitz darauf, gemeinsam einen neuen Verleger zu finden, der einen Verlag ohne Rechtsunsicherheiten bekommen würde.Nun ist ein Privatier gefunden, kein Konzern, der diesen traditionsreichen Verlag vielleicht nur ausgeweidet hätte. Koch glaubt fest an die Zukunft des Verlages, der auch weiterhin "für Humanismus und kritische Auseinandersetzung" stehen solle, wie er auf einer Pressekonferenz am Dienstag betonte. Er will mit dem einst bedeutendsten DDR-Verlag bis 2010 vom Hackeschen Markt an den Kreuzberger Moritzplatz ziehen und ihn mit 51 Mitarbeitern (zur Zeit 60) als unabhängigen Literaturverlag weiterführen.Und Lunkewitz kann sich nun wieder mit voller Kraft seinem Kampf gegen die Bundesregierung widmen. Sie wird nun einiges an Prozessen vor sich haben.

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