Die britische Polizei hat ihre Ermittlungen gegen Andrew Mountbatten-Windsor deutlich ausgeweitet und ruft nun öffentlich mögliche Opfer und Zeugen auf, sich zu melden. Die Ermittlungen gehen inzwischen weit über den Vorwurf weitergegebener Geheimdokumente hinaus. Laut BBC und Guardian stehen nun auch mögliches sexuelles Fehlverhalten, Korruption und Machtmissbrauch im Fokus der Ermittler.
Die Thames Valley Police untersucht den früheren Prinzen wegen des Verdachts des „misconduct in public office“ (Fehlverhalten im öffentlichen Amt), eines weit gefassten Straftatbestands im britischen Recht. Darunter können unter anderem Korruption, Amtsmissbrauch, sexuelle Verfehlungen oder persönliche Bereicherung fallen.
Andrew Mountbatten-Windsor war im Februar festgenommen und später wieder freigelassen worden. Hintergrund sind Unterlagen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. Daraus soll hervorgehen, dass er während seiner Zeit als britischer Sondergesandter für Handel vertrauliche Informationen an den toten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben haben könnte. Mountbatten-Windsor weist sämtliche Vorwürfe zurück.
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Polizei warnt vor falschem Eindruck
Die Ermittler befürchten laut BBC, dass potenzielle Zeugen oder Betroffene denken könnten, die Untersuchung beschränke sich ausschließlich auf den Vorwurf der Weitergabe vertraulicher Handelsinformationen. „Es gibt eine Reihe möglicher Aspekte mutmaßlichen Fehlverhaltens, die untersucht werden“, sagte Assistant Chief Constable Oliver Wright laut BBC. Der Straftatbestand könne „viele unterschiedliche Formen“ annehmen.
Auch der Guardian berichtet, die Polizei wolle ausdrücklich deutlich machen, dass es nicht nur um mögliche Verstöße gegenüber dem Staat gehe, sondern auch um mögliche Straftaten gegen Personen.
Ermittler prüfen Hinweise auf sexuelles Fehlverhalten
Nach Angaben der Polizei wurde bereits Kontakt zur Anwältin einer Frau aus den USA aufgenommen. Sie soll laut BBC behaupten, Epstein habe sie 2010 zu einem sexuellen Treffen mit Mountbatten-Windsor nach Großbritannien geschickt. Eine formelle Anzeige liegt bislang jedoch nicht vor.
Die Polizei erklärte laut BBC, man werde mögliche Aussagen „mit Sorgfalt, Sensibilität und Respekt für die Privatsphäre“ behandeln. Ermittler betonten zugleich, man wolle potenzielle Betroffene nicht durch die enorme öffentliche Aufmerksamkeit abschrecken.
Dem Guardian zufolge gehören inzwischen auch Spezialisten für Sexualdelikte zum Ermittlerteam.
Kontakte zu US-Behörden
Die Thames Valley Police arbeitet nach eigenen Angaben mit dem US-Justizministerium zusammen und versucht über die britische National Crime Agency Zugang zu weiteren Unterlagen aus den Epstein Files zu erhalten. Bislang stützen sich die Ermittler vor allem auf öffentlich zugängliche Dokumente.
Zudem stehen die Ermittler laut BBC bereits in Kontakt mit der Crown Prosecution Service, also der britischen Anklagebehörde. Eine Entscheidung über mögliche Anklagen gilt aber als fern. Laut Guardian rechnen Ermittler nicht vor 2027 mit einer möglichen gerichtlichen Aufarbeitung.
Jeffrey Epstein war 2008 wegen der Vermittlung Minderjähriger zur Prostitution verurteilt worden. Am 10. August 2019 wurde er tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan gefunden. Die offizielle Todesursache lautet Suizid. Der Fall löste jedoch weltweit Spekulationen und Zweifel aus – auch wegen zahlreicher Pannen und Widersprüche rund um die Überwachung des Gefängnisses.
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