Krise

„Er hat das Lächeln verloren“: Matthäus bitteres Urteil über VfB-Kapitän Deniz Undav

Deniz Undav ohne Bundesliga-Tor, VfB Stuttgart auf Platz 15: Lothar Matthäus vermutet bei Sky90, die Kapitänsbinde belaste den Stürmer zu sehr.

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Kopf zurück, Augen zu: Deniz Undav hadert in dieser Bundesliga-Saison mit sich und seiner Chancenverwertung.

Kopf zurück, Augen zu: Deniz Undav hadert in dieser Bundesliga-Saison mit sich und seiner Chancenverwertung.

© Imago/Ralf Brueck

Lothar Matthäus hat am Sonntagabend bei „Sky90“ einen Satz über Deniz Undav gesagt, der mehr wehtut als jede Note 5: „Er hat das Lächeln verloren.“

Ausgerechnet Undav. Im Sommer kam er bei der WM von der Bank und traf, als hätte ihm jemand das Tor persönlich hingeschoben. Beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste erzielte er beide Treffer, den zweiten in der Nachspielzeit.

Vier Monate später sucht der Kapitän des VfB Stuttgart in der Bundesliga noch immer nach seinem ersten Scorerpunkt.

Undav nach sieben Spieltagen ohne Tor und Vorlage

Gegen Borussia Mönchengladbach durfte Undav am Freitag zunächst zuschauen. Hoeneß schonte ihn nach den intensiven Wochen, wie der Liveticker von t-online vermerkt. Nach 55 Minuten kam er rein, beim Stand von 1:2.

Am Ende stand ein 2:3 gegen eine Mannschaft, die punktlos und ersatzgeschwächt angereist war. Die Gladbacher holten ihre ersten drei Punkte der Saison ausgerechnet in Stuttgart.

Der kicker bewertete Undavs Auftritt mit der Note 5 – seine dritte in dieser Spielzeit. Der VfB steht mit sechs Punkten auf Platz 15 der Bundesliga-Tabelle, nur die Tordifferenz trennt ihn vom Relegationsplatz.

Matthäus: Die Kapitänsbinde lenkt Undav ab

Die Binde trägt Undav erst seit dieser Saison. Hoeneß hatte ihn kurz vor dem Bundesliga-Start zum Nachfolger von Atakan Karazor ernannt. Die Fans feierten ihn damals als „Commander“.

Genau hier setzt Matthäus an. Wegnehmen müsse man Undav das Amt nicht, sagte der Rekordnationalspieler. Laut Heilbronner Stimme fügte er an: „Vielleicht hat man ihm damit gar keinen Gefallen gemacht.“

Undav sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt, ihm fehle die Leichtigkeit. Ein Kapitän trage Verantwortung für die Mannschaft, und genau das könne ihn von dem ablenken, was er jahrelang gut gemacht habe.

Matthäus weiß, wovon er redet. Wer 1990 in Rom als Kapitän den WM-Pokal in den Himmel stemmte, kennt das Gewicht eines Stoffstreifens am Oberarm.

Schon im September: „viel für seinen Kopf“

Neu ist der Verdacht nicht. Schon Mitte September hatte Matthäus bei Sky und RTL ein Kopfproblem vermutet. Erst das monatelange Hin und Her mit Julian Nagelsmann vor der WM, dann der Hype nach den Toren.

Dazu kam der Vertrag bis 2029, den Undav im Sommer unterschrieb. Matthäus nannte ihn den besten Vertrag, der je in Stuttgart unterschrieben wurde. Da lasse man vielleicht mal ein Prozent liegen, meinte er.

Aus dem einen Prozent ist inzwischen eine handfeste Flaute geworden.

Bundestrainer Klopp ließ Undav zu Hause

Wie tief der Fall ist, zeigte sich im September. Jürgen Klopp nominierte für seinen ersten Lehrgang als Bundestrainer 44 Spieler. Undav war nicht dabei.

Der Stuttgarter sei noch nicht richtig in die Saison gekommen, begründete Klopp. Ein harter Satz für einen Stürmer mit neun Toren in 13 Länderspielen.

Undav nahm es damals mit Humor. „Ich heul jetzt nicht rum“, sagte er der Stuttgarter Zeitung zufolge. Genau diesen Undav vermisst Matthäus jetzt.

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Hoeneß nach Gladbach-Pleite: „großer Warnschuss“

Nach dem Abpfiff am Freitag schwieg der Kapitän, wie fast die gesamte Mannschaft. Statt vor die Mikrofone ging es vor die enttäuschten Fans in der Cannstatter Kurve.

Umso deutlicher wurde der Trainer. Hoeneß sprach laut Zeitungsverlag Waiblingen von einem großen Warnschuss und vermisste die „letzte Gier“. Sein bitterster Satz: „Wir haben Gladbach aufgebaut.“

In der Champions League trifft Undav

Kurios ist, wie gespalten diese Stuttgarter Saison verläuft. In der Königsklasse holte der VfB sieben von neun Punkten, zuletzt ein starkes 1:1 gegen Atlético Madrid. Undav traf dort bereits einmal.

Nach dem Atlético-Spiel hatte er sich selbst Mut zugesprochen. „Irgendwann kommt der Dosenöffner“, zitiert ihn ein dpa-Bericht in der Rhein-Zeitung. Drei Tage später blieb die Dose zu.

Undavs Hoffnung: der 8. Spieltag

Ausgerechnet die Statistik macht Hoffnung. Schon in der vergangenen Saison stand Undav nach sieben Spieltagen ohne Scorerpunkt da, damals nach einer Verletzung. Am 8. Spieltag traf er zum ersten Mal, am Saisonende standen 19 Tore.

Jetzt steht der 8. Spieltag an. Die Binde sollte Undav behalten. Was er braucht, ist ein Tor, gerne ein hässliches, abgefälscht vom Schienbein. Dann kommt das Lächeln vermutlich von allein zurück.

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