Der Mann hat keinen Schlüssel, keine Miete und kein Geld. Trotzdem ist Anders Fernstedt seit drei Jahren der einzige Mensch, der an der wohl teuersten Adresse Londons wohnt: 2–8A Rutland Gate, direkt am Hyde Park.
Sein Schlafzimmer ist das Vordach. Hinter der Tür liegen 45 Zimmer und ein Innenpool, die seit Jahren niemand nutzt.
Londons teuerstes Haus: 210 Millionen Pfund
Bei seinem letzten Verkauf 2020 kostete das Haus 210 Millionen Pfund, rund 245 Millionen Euro. Kein Wohnhaus in Großbritannien war je teurer verkauft worden.
Die Badezimmer waren einst mit Halbedelsteinen verziert. 2015 kamen vergoldete Papierkörbe und juwelenbesetzte Bidets unter den Hammer. Heute bröckelt der weiße Stuck.
Wer ist Anders Fernstedt?
Der Schwede, Jahrgang 1968, wuchs bei Göteborg auf, studierte Gartenbau in Schottland und arbeitete in der US-Techbranche. Das berichtete der Guardian, der die Geschichte im Juni bekannt machte.
2016 kam Fernstedt nach England und prüfte unter anderem als Freier Fakten für den Economist. In der Corona-Zeit brachen die Aufträge weg. Es folgten ein Zelt und Notunterkünfte, in denen er sich unsicher fühlte.
Das leere Haus mit dem Säulenportal sollte nur ein trockener Platz für eine Nacht sein, erzählte er der Deutschen Welle. Er blieb.
Evergrande-Villa: Warum niemand das Haus verkaufen kann
Hinter dem Kauf stand Hui Ka Yan, Gründer des chinesischen Immobilienriesen Evergrande und einst reichster Mann Asiens. Sein Konzern brach unter Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar zusammen.
Im August verurteilte ihn ein Gericht in Shenzhen zu lebenslanger Haft, wie NPR berichtete. Sein Privatvermögen wird eingezogen.
An die Londoner Villa kommt trotzdem niemand heran. Sie ist auf Huis geschiedene Frau Ding Yumei eingetragen, deren Vermögen Gerichte in Hongkong und Großbritannien eingefroren haben. Die Insolvenzverwalter dürfen nicht zugreifen, Ding darf nicht verkaufen.
So steht ein Palast für eine Viertelmilliarde still, weil sich Juristen auf drei Kontinenten blockieren. Der einzige, der das Haus noch bewohnbar findet, ist der Mann auf der Treppe.
Leben ohne Geld am Hyde Park
Fernstedt hat zwischen den Säulen Bücher, Fahrräder und Blumen gestapelt. Bäckereien überlassen ihm Reste, Duschen geht er bei einer Obdachlosenhilfe im nahen Victoria. Fließendes Wasser fehlt, er spricht im Guardian von Problemen wie im Everest-Basislager.
Schlecht geschlafen habe er trotzdem seit Langem nicht, sagte er der DW. Anfangs stellte er sich vor, er sei ein Junge, der seine Eltern gefragt hat, ob er auf dem Balkon zelten darf.
Seine Taktik für die Nachbarschaft: Er freundete sich mit den Enkeln der Anwohner an. Die würden sich am Küchentisch für ihn einsetzen, so seine Rechnung. Deshalb liegen vor dem Portal Teddybären.
105.000 leere Wohnungen in London
Das Kuriosum hat einen ernsten Kern. 2025 standen in London laut London Assembly 105.138 Wohnungen und Häuser leer. Zwischen April und Juni 2026 zählten Streetworker 3959 Menschen, die draußen schliefen, so die Statistik CHAIN.
Premierminister Andy Burnham hat versprochen, bis Weihnachten jedem Menschen auf Englands Straßen eine Unterkunft anzubieten. Die Regierung stellt dafür 442 Millionen Pfund bereit.
Fernstedt weiß, dass er gehen muss, sobald sich jemand über das Haus einigt. Bei diesem Tempo kann er sich Zeit lassen.
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