STOLZENHAGEN. Es sind nicht Fotos von ausgelassenen Grillabenden, die Jörg Elsner (46) an seine Zeit auf dem Campingplatz am Stolzenhagener See (Barnim) erinnern. Vielmehr ist es ein Ordner mit Zeitungsartikeln. Auf einem Foto sind Camper zu sehen, die fassungslos vor einem Berg brennender Holzzäune stehen - angezündet im Auftrag der Amtsverwaltung Wandlitz. Das war im April 1999. Wochenlang lieferten sich 140 Wochenendurlauber einen erbitterten Streit mit der Gemeinde Stolzenhagen und der Amtsverwaltung. Die Camper zwischen Stolzenhagener und Wandlitzer See wollten bleiben, obwohl ihr Pachtvertrag abgelaufen war. Die Gemeinde wollte stattdessen das Gelände räumen, um eine Freizeitanlage zu errichten - mit modernem Campingplatz. Als die Camper Ende 1999 schließlich das vier Hektar große Gelände verließen, gingen sie in dem Glauben, einmal zurückkehren zu können auf ihr "Mallorca". Den neuen Platz gibt es bis heute nicht, und es wird ihn auch nicht mehr geben.Neuer Campingplatz war geplant Jörg Elsner fühlt sich auf ganzer Linie betrogen. Vor allem von Reinhold Dellmann (SPD), dem damaligen Amtsdirektor in Wandlitz. Als der Streit zwischen der Gemeinde und den Campern immer lauter wurde, griff er ein. Er wollte zunächst keine Kompromisse: Nachdem die Camper mehrere Aufforderungen zur Räumung ignorierten, ließ Dellmann die Holzzäune auf dem Gelände abreißen und verbrennen. Das war der Höhepunkt im Streit um das Gelände. Zuvor war erst die Strom-, dann die Wasserversorgung unterbrochen worden. Erst nach dieser Eskalation fanden beide Parteien zueinander und handelten einen Kompromiss aus. Die Wochenendurlauber durften bis Jahresende auf dem Gelände bleiben. Danach sollte ein Bebauungsplan erstellt und ein neuer Campingplatz auf den Weg gebracht werden. Dies sicherte Dellmann den Campern zu."Daraus ist nie etwas geworden", sagt Elsner. "Dellmann hat uns skrupellos vertrieben und belogen. Er hat uns einen Platz versprochen, den es bis heute nicht gibt. " Elsner wollte sich das Verbrennen der Zäune seinerzeit nicht gefallen lassen. Er zeigte Dellmann 1999 wegen Nötigung an.Elsner musste sich jetzt eines Besseren belehren lassen. Er erhielt ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Das Verfahren gegen Reinhold Dellmann sei eingestellt worden, heißt es in dem Brief. "Es besteht kein hinreichender Tatverdacht der Nötigung", erklärt Petra Marx, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. "Ich fühle mich machtlos", sagt Elsner."Nötigung war das nicht" Reinhold Dellmann sitzt inzwischen als Abgeordneter für die SPD im Landtag. Die Vorwürfe der Camper will er sich auch heute nicht gefallen lassen. "Die Staatsanwaltschaft hat meine Ansicht bestätigt, Nötigung war das damals nicht. " Er begründet das Verbrennen der Zäune noch immer mit dem behördlichen Begriff der "Verkehrssicherheit". "Als Eigentümer waren wir in der Pflicht, uns um die Sicherheit auf dem Areal zu kümmern. Wir haben geschaut, wo wackelt hier ein Zaun, und haben die Maßnahme durchgeführt. Wir mussten die Entscheidung treffen, auch wenn das so aussah, als wollten wir damit die Camper vertreiben. " Doch warum es bis heute nicht, wie abgemacht, einen neuen Campingplatz gibt, kann er nicht sagen. "Ich bin seit anderthalb Jahren nicht mehr Amtsdirektor. " "Ein Campingplatz mit weniger als 300 Plätzen ist nicht wirtschaftlich", sagt Amtsnachfolger Udo Tiepelmann. Auf dem Gelände sei nur Platz für 140, so das Ergebnis einer Prüfung. Amt und Gemeinde schwebt nun eine "geordnete, touristische Nutzung" vor. "Wir könnten uns eine Gaststätte und Ferienhäuser dort vorstellen. Das Gelände ist doch attraktiv", sagt Tiepelmann.Jörg Elsner will gegen die abgewiesene Anzeige keine Beschwerde einlegen. "Das wächst mir sonst noch über den Kopf. " Sein Campingwagen steht jetzt in Finowfurt.Campingplatzstreit // Anfang: Das Amt Wandlitz forderte die Camper am 15. März 1999 auf, den Platz am Stolzenhagener See zu räumen. Der Pachtvertrag mit dem Betreiber war 1998 nicht verlängert worden. Die Camper hatten bereits für 1999 gezahlt.Eskalation: Der Aufforderung, den Platz zu räumen, kamen die Camper nicht nach. Der Streit eskalierte am 22. April 99. Strom und Wasser waren abgestellt, dann ließ das Amt Wandlitz die Holzzäune verbrennen.Kompromiss: Ende Mai einigten sich die Parteien. Die Camper durften in der Saison 1999 noch bleiben, danach sollte der Campingplatz modernisiert werden. Daraus wurde nichts.BERLINER ZEITUNG/KAY HERSCHELMANN Höhepunkt des "Campingplatzstreits": Am 22. April 1999 ließ das Amt Wandlitz die Holzzäune verbrennen.
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