Erst schrieben sie einen Brandbrief, nun waren die Schulleiter zu Besuch im Kanzleramt

Jetzt sollen auch noch Botschafter helfen

Martin Klesmann
3 Min

Berlin setzt bei der Schulmisere nun offenbar auch auf internationale Hilfe. Die Bundesregierung will nämlich die Botschafter verschiedener Staaten darum bitten, ausländische Eltern im Regierungsbezirk Mitte zu mehr Engagement für die Schullaufbahn ihrer Kinder aufzufordern. "Auf diese Weise sollen die Eltern je nach Herkunftsland besser erreicht werden", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), nach einem Treffen mit Schulleitern aus Mitte.Es war also ein Gespräch mit überraschenden Inhalten, selbst von verbindlichen Integrationskursen für Eltern war die Rede. Sieben von 68 Schulleitern, die den Brandbrief über die miserable Situation der Schulen von Mitte unterzeichnet hatten, kamen gestern mit Staatsministerin Böhmer zusammen und sprachen dabei über die Integrationsprobleme von Schülern nichtdeutscher Herkunft.Ein bisschen stolz waren die Schulleiter schon, dass sie es mit dem Brief bis ins Kanzleramt geschafft hatten. Zwei Schulleiterinnen trugen schwarze Kostüme, die Schulleiter Krawatten. "Wir nehmen von jeder Seite Hilfe an", sagte Hartmut Blees, Leiter der Moses-Mendelssohn-Gesamtschule, im ersten Stock des Kanzleramtes. Böhmer lobte den "Mut, solch einen Brief zu schreiben".Doch die Schulleiter sprachen auch im Kanzleramt unangenehme Wahrheiten aus: "Viele von uns älteren Lehrer sind in ihrer Ausbildung nicht auf die heutige schulische Situation vorbereitet worden, deshalb brauchen wir mehr Fortbildung", sagte Blees. "Wir wollen nicht, dass es früher oder später knallt." Böhmer sagte, Berlins Schulen bräuchten "mehr Geld, mehr Ganztagsangebote, mehr Sozialarbeiter, mehr Schulpsychologen und mehr Elternarbeit". Sie erinnerte auch an einen Beschluss der Kultusministerkonferenz, wonach bis 2012 die Leistungen von Schülern nichtdeutscher Herkunft an die der deutschen Schüler angepasst werden sollen. Da mussten anwesenden Schulleiter ein wenig schmunzeln. Hatten doch sämtliche Schulstudien der jüngsten Zeit gezeigt, dass viele Berliner Migrantenkinder besonders schlechte Schulleistungen erbringen, oft Probleme mit dem Lesen haben. Doch Böhmer beharrte darauf, dass der damalige Präsident der Kultusministerkonferenz, Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), jenen Beschluss seinerzeit unterschrieben habe. Sie prüfe nun, ob Berlin bei der Migrantenförderung ein "Sonderfall" sei, ob das aufgewandte Geld etwa nicht richtig ankomme.Das Treffen mit den Schulleitern zu Beginn des Wahlkampfjahres 2009 diente gleichwohl der parteipolitischen Profilierung; Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte zeitgleich den Rücktritt des Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening. Der hatte nämlich die Einladung zum Treffen im Kanzleramt abgesagt, weil er die Veranstaltung für ein vordergründiges Medienereignis hält. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit müsse Piening "endlich an dessen Aufgaben erinnern oder abberufen", so die CDU. Auch Böhmer kritisierte ihn.Allein die Schulleiter warnten gestern vor unnötigem Parteiengezänk. Manuela Gregor, Leiterin der Sonderschule am Zille-Park, mahnte gestern vielmehr eine verstärkte Kooperation der zuständigen Stellen und Behörden an. Die Schulleiter hatten eine mehrseitige Dokumentation vorbereitet, die zeigt, wieso die Zusammenarbeit der Behörden auf Bezirks-, Senats- und Bundesebene nicht gut klappt und Geld gar nicht an Schulen ankommt. Häufig wechselten die Zuständigkeiten, manche Beamte dächten nur an ihren eigenen Bereich, so die Kritik der Schulleiter.Böhmer nutzte die Gelegenheit und wies darauf hin, dass Berlin nun 308 Millionen Euro vom Bund für den Bildungsbereich bekomme - neben Schulsanierung auch für Integrationsmaßnahmen.------------------------------"Die Hoffnungslosigkeit darf nicht noch größer werden." Maria Böhmer, CDU------------------------------Foto: Staatsministerin Böhmer (in Lindgrün) mit Schulleitern aus Mitte

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