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„Erstaunlich vernünftige Analyse“: Oliver Pochers Abrechnung mit ARD und ZDF schlägt hohe Wellen

Ist er nur ein Zeitgeist-Surfer oder spricht er aus, was sich sonst kaum einer in der Branche traut? An Oliver Pochers Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheiden sich die Geister.

4 Min
Oliver Pocher hat mit dem klassischen Fernsehgeschäft abgeschlossen.

Oliver Pocher hat mit dem klassischen Fernsehgeschäft abgeschlossen.

© Sven Severing/imago

Comedian Oliver Pocher legt sich gern öffentlich an – er kritisiert andere Stars, Influencer und das deutsche Fernsehen. Zuletzt hatte er dabei oft eher in Richtung Privatfernsehen ausgeteilt, besonders das Comeback von Stefan Raab bei RTL kritisch begleitet.

Doch dass sich der 48-Jährige nun auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorgenommen hat und im Podcast „TOMorrow“ von Tom Junkersdorf eine grundlegende Reform forderte, schlägt besonders hohe Wellen.

Zwar attestierte er dem deutschen Fernsehen insgesamt eine schwere Krise, stellte die Existenz von Privatsendern wie RTL und ProSieben infrage. Doch besonders Pochers O-Töne zum ÖRR hallen nach, auch weil entsprechende Ausschnitte sich in den sozialen Medien verbreiten.

Pocher: „ARD und ZDF brauchst du alles nicht mehr“

„ARD und ZDF und die ganzen Dritten Sender kannst du schon längst einstampfen. Brauchst du alles nicht mehr“, heißt es von Pocher im Hinblick auf die aktuelle Rundfunkbeitragsdebatte.

Er bezeichnete unter anderem die Beziehung von „Hart aber fair“-Moderator Louis Klamroth (ARD) zur Klimaaktivistin Luisa Neubauer als schwierig: „Eine gewisse Neutralität musst du schon haben.“ Dennoch sei es in diesem Fall okay. Wenn Klamroth indes mit Alice Weidel zusammen wäre, sei eine solche Sendung undenkbar. Klarer Fall von Bigotterie, findet Pocher. Das hätten die Leute satt, „dass sie nur das sagen dürfen, was en vogue ist“. Immer wieder werde in Talkshows mit einem bestimmten Framing gearbeitet.

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Unabhängigen Journalismus gebe es nicht, findet Pocher. Er sehe nur eine Richtung: „Es ist ja ganz klar, wer da gefördert und gefeatured wird. Und das führt ja auch zur Situation, dass wir momentan genau diesen Rechtsruck haben“, so der Comedian.

Auf der Plattform X wird Pocher für seine deutlichen Worte gefeiert. „Man kann von Pocher halten, was man will. Hier spricht er Klartext“, heißt es da. Viele bescheinigen ihm eine „erstaunlich vernünftige Analyse“, auch wenn sie eigentlich kein Fan von ihm seien. Kritiker indes monieren im Gegenteil, Pocher sei „die Definition des Zeitgeist-Surfers“. Auf X merken mehrere Beobachter unter Ausschnitten des Podcasts an, der Comedian habe während Corona für die Impfung plädiert und nun, wo die AfD erstarke, springe er auf diesen Zug auf.

Auf dem offiziellen Instagram-Account von Podcast-Host Tom Junkersdorf gehen die Meinungen ebenfalls weit auseinander. Man müsse Pocher einfach mal ignorieren oder ihn noch vor dem ÖRR einstampfen, meinen die einen.

Andere schreiben: „Bin selten Pochers Meinung, hier schon. Danke fürs Aussprechen.“ Seine Kritik an Klamroth sei „on point“, heißt es da. Und: „Er hat so was von recht. Keine Neutralität der öffentlich-rechtlichen Medien.“

Debatte über Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien

Oliver Pocher berührt mit seinem öffentlichen Rundumschlag eine Diskussion, die zuletzt durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer neu entfacht worden ist. Weimer hatte sich für eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien ausgesprochen und dabei auch einen möglichen Verkauf des ZDF ins Gespräch gebracht.

Pocher selbst hat viele Jahre lang als Moderator und Comedian bei Sendern wie Viva, ProSieben, Sat.1, RTL und der ARD gearbeitet, wo er ab 2007 mit Harald Schmidt die gemeinsame Late-Night-Show „Schmidt & Pocher“ im Ersten präsentierte.

Inzwischen hat er sich vom klassischen Fernsehen verabschiedet und mit seiner App, dem Pocher Club, ein eigenes Medien-Business aufgebaut. Pochers Strategie bricht mit dem traditionellen Fernsehmodell, das er als veraltet kritisiert. Statt sich von Sendern oder Quoten abhängig zu machen, setzt er auf direkte Monetarisierung der eigenen Inhalte. Auch über eigene Podcast-Formate und die sozialen Medien gelingt es ihm, im Gespräch zu bleiben.

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