Erstes Hellersdorfer Frauenbezirksamt beschließt einstimmig überparteiliche Vorhaben / Große Politik ausgespart

Kinderstuben und Bürgerinnen-Büro gefordert

Miriam Hollstein
3 Min

HELLERSDORF Ein Bezirksamt der besonderen Art tagte gestern im Dienstgebäude an der Jenaer Straße: das erste Hellersdorfer Frauenbezirksamt.Rund 20 Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts hatten sich zusammengefunden, um wenige Tage vor dem Internationalen Frauentag über die Probleme der Frauen in Hellersdorf zu beraten. Trotz morgendlichem Sekt und Kuchen ging es im Sitzungssaal 503 formal korrekt zu: Wie im realen Bezirksamt setzte sich das Gremium aus fünf Mitgliedern zusammen, deren politische Zugehörigkeit dem Hellersdorfer Parteienproporz entsprach. Eine Geschäftsordnung legte die Modalitäten wie Redezeit und Beschlußfähigkeit fest. "Echt" war zwar nur die Hauptorganisatorin - die Jugendstadträtin Salome Kirsten (parteilos, für PDS). Mit den Bezirksvertreterinnen Marlitt Köhnke (SPD), Elke Zielisch (CDU), Gabriele Hiller und Christa Sallmann (beide PDS) hatte sie sich allerdings politerfahrene Verhandlungspartnerinnen ausgesucht. Angesichts dieser Frauenpower hielten sich Kirstens männliche Kollegen trotz Einladung zur Veranstaltung diskret fern. Einzig und allein der Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses, Peter Bolle, war erschienen. Die Mehrzahl der (nicht stimmberechtigten) Besucherinnen kam von den verschiedenen Frauenzentren."In der Bezirksverordnetenversammlung spielen Frauenprobleme nur selten eine Rolle", erläuterte Salome Kirsten die Motivation, ein Frauenbezirksamt zu organisieren. Bei der Wahl der Themen hatten die Organisatorinnen die große Politik bewußt ausgespart. "Das hätte uns keinen Zentimeter weitergebracht", so Kirsten. Statt dessen standen konkrete Hellersdorfer Anliegen auf der Tagesordnung. So wurde über die Einrichtung eines Bürgerinnen-Büros für Frauen und Familien in Not sowie über die Eröffnung von "Kinderstuben" in Verwaltungsgebäuden oder benachbarten Kitas beraten, um Mütter bei ihren Behördengängen zu entlasten. Am weitreichendsten war die Forderung einer Offensive für Teilzeitarbeit in der Bezirksverwaltung. Einig waren sich die Teilnehmerinnen darin, daß der Abschied von einer ganzen Stelle nur dann eine Alternative darstelle, wenn die Teilzeit-Regelung nicht zur Einsparung von Arbeitsplätzen benutzt werde. Außerdem dürften die tariflichen Rechte des Arbeitnehmers nicht eingeschränkt werden.Alle Vorlagen wurden einstimmig beschlossen. Paragraph 5 der Geschäftsordnung kam dabei nicht zur Anwendung: Dieser sah bei "polemischen und verbalen Ausfällen" eine Geldbuße in Höhe von 50 Mark zu Gunsten der Jugendstiftung "Zukunft für Berlin" vor. Pech für Stiftungspräsidentin Marlitt Köhnke, aber bezeichnend für den Diskussionsstil des Frauenbezirksamtes - keine der Anwesenden mußte zum Portemonnaie greifen. Optimistisch zeigten sich die Frauen im Hinblick auf die Umsetzung der Beschlüsse, die nun in den offiziellen Ausschüssen zur Sprache kommen sollen. "Das sind alles realistische Dinge, die mit dem vorhandenen Potential und gutem Willen machbar sind", so Christa Sallmann. Das Experiment "Frauenbezirksamt" soll in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt werden. +++

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