POTSDAM. Für 12 193 Brandenburger Schüler beginnen heute die Abiturprüfungen. Und zum ersten Mal seit Neugründung des Landes bekommen alle die selben Aufgaben zur gleichen Zeit. Zwei Jahre vor Berlin hat Brandenburg das Zentralabitur eingeführt. Wieder. Denn in der DDR gab es das schon einmal.Für Bildungsminister Holger Rupprecht (parteilos) sind die zentralen Prüfungen deswegen auch kein Novum. Als Abiturient und als Lehrer hat er damit schon Erfahrung. Und als ehemaliger Gymnasialleiter steht er voll und ganz hinter der von der SPD-CDU-Koalition schon 1999 eingeleiteten Kurskorrektur - lange bevor er vor einem halben Jahr selbst das Ministeramt übernahm. Ein positives Ergebnis, sagte Rupprecht am Donnerstag, steht bereits vor Abschluss der Prüfungen fest: "Jetzt kann niemand mehr den brandenburgischen Abiturienten einreden, ihr Abitur sei weniger Wert, als das von Schülern in anderen Bundesländern."Die zentral vorgegebenen Prüfungsthemen orientierten sich an den Standards der Kultusministerkonferenz, so Rupprecht. Im Austausch mit anderen Bildungsministerien sei gesichert, dass die Anforderungen in den Ländern vergleichbar sind. Begrüßen würde er sogar ein bundesweites Zentralabitur - "aber da ist die Länderhoheit vor ".Zum Auftakt an diesem Freitag wird an 166 Gymnasien und Gesamtschulen das Fach Deutsch (Leistungs- und Grundkurse) schriftlich geprüft. Am Montag folgt Englisch, am Mittwoch Mathematik, am nächsten Freitag Biologie, Chemie, Physik, Geographie, Politische Bildung und Geschichte. Am letzten Prüfungstag am 2. Mai finden die Französisch-Arbeiten statt.Relativ gelassen gab sich der Minister, was die inhaltliche Vorbereitung angeht. Seit Januar 2003 sind verbindliche Lehrvorgaben für alle zehn Prüfungsfächer veröffentlicht worden. Die den Lehrern ehedem viel Spielraum lassenden Rahmenpläne sind durch konkretere Rahmenlehrpläne ersetzt. Mit einem Testlauf für das Zentralabitur im November 2004, an dem 12 000 Schüler teilnahmen, sei er sehr zufrieden, sagte Rupprecht. Der erreichte Durchschnittsnotenwert entspreche einem befriedigend. Das zeige auch, dass die entwickelten Aufgaben keine zu laschen, aber auch keine zu hohen Anforderungen gestellt hätten.Abzuwarten ist, ob die vorbereitete Logistik klappt. "Jetzt herrscht Hochspannung", sagte Rupprecht. Am Donnerstag vergangener Woche wurden 12 500 verschlossenen Umschläge mit den Prüfungsaufgaben an die Schulen verteilt. Sollte es bei Prüfungsbeginn zu Pannen kommen, sind Notfallpläne erarbeitet und spezielle Infotelefone geschaltet. Nach Abschluss der Prüfungen werden die Aufgaben im Internet veröffentlich.Ob das Gleiche auch mit den Ergebnissen des ersten Zentralabiturs für jede einzelne Schule geschehen wird, ließ Rupprecht offen. Er habe "erhebliche Bauchschmerzen" damit. Die Veröffentlichung des Notendurchschnitts einer Schule gebe keine Auskunft über die Rahmenbedingungen, unter denen er erreicht worden sei: "Qualität lässt sich nicht auf Zahlen reduzieren."Schon jetzt bahnt sich um diesen Punkt neuer Krach in der Koalition an. Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Ingo Senftleben, verkündete am Donnerstag, bald könne jeder sehen, "welche die beste Brandenburger Schule ist". Schließlich sei die Veröffentlichung der Prüfergebnisse im Koalitionsvertrag vereinbart. Rupprecht reagierte verschnupft: "Herr Senftleben prescht gerne vor und nimmt Ergebnisse vorweg, über die wir noch gar nicht geredet haben."------------------------------"Qualität lässt sich nicht auf Zahlen reduzieren." H. Rupprecht, Minister
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