BERLIN. Die drastisch steigenden Energie-Preise und der Kampf gegen den Klimawandel haben am Wochenende die Debatte in der SPD um den Einsatz von Atomenergie neu entfacht. Der SPD-Politiker Erhard Eppler schlug der Regierungskoalition am Wochenende einen Kompromiss im Streit um die Kernenergie vor. Eppler regte an, den Betreibern von Atommeilern längere Laufzeiten zuzugestehen, wenn sich die Union im Gegenzug dazu bereit erkläre, den Bau neuer Atomkraftwerke auszuschließen.Das Bundesumweltministerium erklärte dagegen, es gebe keine neuen Argumente für die Atomenergie. "Es gibt nur eine Endlosschleife, in der dieselben falschen Argumente ständig wiederholt werden", sagte der Sprecher von Umweltminister Sigmar Gabriel, Michael Schroeren, der Berliner Zeitung. Atomkraft mache den Strom nicht billiger. Den Preis bestimmten nicht die Herstellungskosten, sondern die Strombörse.SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte, es werde mit den Sozialdemokraten "keine Rolle rückwärts" in dieser Frage geben. Was in Deutschland gebraucht werde, seien Investitionen in "moderne Kraftwerkstechnik, erneuerbare Energien und Effizienz". Ließe man die alten, steuerlich abgeschriebenen Meiler länger am Netz, "würde genau das nicht stattfinden".Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte der Welt am Sonntag, Bundesregierung und Energiewirtschaft seien sich einig, dass die Investition in die Windparks sinnvoll sei. Dies gelte umso mehr, je stärker der Ölpreis steigt.Auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, wies den Vorschlag Epplers am Sonntag zurück. "Epplers Vorschlag ist naiv und und verfestigt nur die wettbewerbs- und klimafeindlichen Energiestrukturen in Deutschland", sagte Künast der Berliner Zeitung. Wenn die vier großen Energiekonzerne ihre AKW-Gewinne in erneuerbare Energien investieren wollten, dann könnten sie das jetzt gleich mit ihren satten Profiten tun. "Die Steuerzahler haben ihre Anlagen finanziert, jetzt muss mal was zurückgegeben werden", forderte Künast.Deutschland muss sich auf dem G8-Gipfel auf harte Vorwürfe zu seiner Atompolitik gefasst machen. US-Präsident George W. Bush will sich nachdrücklich für einen Ausbau der Atomkraft einsetzen. Er nannte sie "eine erneuerbare Energie ohne jegliche Treibhausgase". Immer mehr Länder entdeckten die Qualitäten der Kernenergie, sagte Bush kurz vor seiner Abreise in Washington japanischen Journalisten. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erinnerte Deutschland an die Bedeutung der Atomenergie. Auch die sieben anderen G8-Länder befürworten die Kernkraft.Die deutsche Atomindustrie sieht sich zum G8-Treffen in günstiger Position. Dieter Marx, Generalbevollmächtigter des Deutschen Atomforums, sagte dieser Zeitung: "Wir stellen fest, dass die Kernenergie weltweit an Akzeptanz gewinnt." Deutschland stehe mit seinem Festhalten am Atomausstieg bis 2021 inzwischen alleine da.Der Energieexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Thomas Breuer, sagte: "Wir brauchen die Atomkraft nicht, sie blockiert lediglich sinnvolle und nachhaltige Lösungen." Deutschland sei mit seinem kräftigen Ausbau erneuerbarer Energien ein positives Beispiel dafür, wie es auch ohne die technisch riskanten Atommeiler gehen könne.Wirtschaft Seite 10 Kommentar Seite 4------------------------------"Es gibt keine Mehrheit mehr für den Atomausstieg." Dieter Marx, Deutsches Atomforum
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