Mit einem kleinen Feuerwerk wurde das riesige Rührwerk in der neuen Produktionshalle von Ekato am 3. September in Stralsund in Bewegung gesetzt. Es ist für das Plastik-Recycling in Malaysia gedacht und wird demnächst von der nur wenige Meter entfernt liegenden Kaikante des Stralsunder Hafens in sein Bestimmungsland verschifft.
Genauso hatten es sich Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow und seine Bürgerschaft 2022 gedacht, als sie das 34 Hektar große Gelände der ehemaligen Volkswerft (zuvor MV Werften) für 16,5 Millionen Euro kauften, um es eigenständig zu einem maritimen Industrie- und Gewerbepark zu entwickeln. Damit ging die Stadt einen in Deutschland fast beispiellosen Weg der kommunalen Gestaltung der Wirtschaftsstruktur.
Inzwischen sind dort rund 20 Unternehmen ansässig, für die die Nähe zum Hafen und viel Platz wichtig sind. Neben Ekato gehören dazu unter anderem Ostseestaal und die Fassmer-Gruppe.
Auf der Suche nach Hafen, Wissen um Stahl und Platz
2022 hatte am ganz anderen Ende von Deutschland das Familienunternehmen Ekato mit einem gewichtigen Problem zu tun: Weil es immer größere und schwerere Rührwerke auf Anforderung seiner Kunden in der ganzen Welt baute, wurde der Transport über die Straßen und vor allem über die Brücken, für die häufig Lastbeschränkungen gelten, zum Hafen immer schwieriger. 80 Prozent der Rührgeräte für alle Lebensbereiche gehen in den Export. Zudem fehlte im Schwarzwald zunehmend Platz für die Produktion.
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„Wir haben uns zudem gefragt: Wo gibt es Menschen, die Stahl verarbeiten, biegen und schweißen können“, erzählt Ekato-Geschäftsführer Dominik Beyland bei der Einweihung der Produktionsstätte am Donnerstag. „Als wir 2022 hörten, dass die Stadt Stralsund das Werftgelände gekauft hat, haben wir beschlossen, da mal hinzufahren.“
Sie bekamen ein offenes Ohr von Alexander Badrow, der gesagt haben soll: „Ich finde gut, was Sie vorhaben, auch wenn ich es noch nicht ganz verstehe.“ Im April 2023 wurde Ekato Nord gegründet, 2024 wurde mit dem Bau der neuen Produktionshalle begonnen.
Produktionshalle von Stieblich Hallenbau aus Güstrow
Die von Stieblich Hallenbau aus Güstrow errichtete Halle ist auf besonders große und schwere Bauteile zugeschnitten. Das Gebäude ist 30 Meter breit, 50 Meter lang und 21,5 Meter hoch. Zwei Krananlagen können Lasten von 51 beziehungsweise 21 Tonnen bewegen. Hinzu kommen sechs Säulendrehkräne und ein angeschlossenes Bürogebäude.
Der Baugrund stellte die beteiligten Firmen vor Herausforderungen. Rund 150 Stahlbetonpfähle mussten etwa 30 Meter tief in den Boden eingebracht werden. Außerdem wurde eine ungefähr 10.000 Quadratmeter große Außenfläche für den Schwerlastverkehr hergerichtet. Nach Angaben des Bauunternehmens waren an der Umsetzung ausschließlich Firmen aus der Region beteiligt.
Die neue Produktionshalle für Riesenrührwerke von Ekato auf dem Werftgelände in Stralsund.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
Ekato investierte knapp zehn Millionen Euro in den neuen Standort, das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützte das Projekt mit rund 1,3 Millionen Euro. In der Halle sollen zukünftig die Großrührwerke montiert werden.
Lob für Tempo und Kooperation von Ekato
„Der erste Grund, warum wir hier sind, sind die Menschen. Hier gibt es ein besonderes Wissen um die Verarbeitung von Stahl. Der zweite ist die Lage und der dritte die Partnerschaft hier“, erklärte Philipp Todtenhaupt. Er ist der Enkel des Firmengründers und leitet als geschäftsführender Gesellschafter die Ekato Holding.
„Vom ersten Gespräch an haben uns das Land MV, Invest MV und die Hansestadt Stralsund unterstützt - in einem Tempo und mit einer Partnerschaftlichkeit, über die wir uns sehr gefreut haben und die wir uns auch in anderen Bundesländern wünschen“, lobte der Unternehmer. Er dankte auch Stieblich-Hallenbau und seinen Mitarbeitern. „Wir sind am Hafen und das ist hier wie ein Stapellauf: Daher wünschen wir dem Schiff Ekato Nord allzeit gute Fahrt.“
Manuela Schwesig und Alexander Badrow im Gespräch mit Philipp Todtenhaupt und der Unternehmerfamilie von Ekato in der neuen Produktionshalle in Stralsund.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
„Ich bin froh, dass ich hier dabei bin, um den Startschuss zu geben“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. „Wir sind das Land der kurzen Wege. Bei 1,6 Millionen Einwohnern kennt jeder jeden, wenn er aktiv ist. Das ist unsere Chance.“
Für MV sei die wirtschaftliche Entwicklung und die Schaffung von Arbeitsplätzen das wichtigste Thema, daran hingen Wohlstand und Lebensqualität. „Wir haben gerade auch hier viel Auf und Ab erlebt. Nach der Insolvenz von Genting brauchten alle drei Werftstandorte in Wismar, Rostock und Stralsund neue Perspektiven. In Wismar produziert nun TKMS, in Rostock ist das Marinearsenal. Die Stadt Stralsund ist mit ihrem maritimen Gewerbepark einen eigenen Weg gegangen. Dank an alle Unternehmen die sich hier angesiedelt haben, auch bei Ihnen und Ihrer Familie bedanke ich mich“, sagte Manuela Schwesig in Richtung Philipp Todtenhaupt.
Wissen der Werftarbeiter von früher ist gefragt
Ekato arbeitet auf dem Werftgelände bereits jetzt eng mit dem Metallverarbeitungsunternehmen Ostseestaal zusammen. „Wir fertigen zum Beispiel diese großen Wendel im Auftrag von Ekato“, sagte Ostseestaal-Meister Ronny Lahn im Gespräch mit der OAZ bei der Besichtigung der Produktionshalle seiner Firma. „Ich habe seit 1990 auf der Werft Stralsund gearbeitet und die ganzen Aufs und Abs miterlebt.“ Nun scheinen die verbliebenen Werftarbeiter und das Werftgelände einen sicheren Hafen gefunden zu haben, auch durch Unternehmen wie Ekato und Ostseestaal. Im nächsten Jahr erwartet die Stadt Stralsund erstmals schwarze Zahlen für den maritimen Gewerbepark.
Meister Ronny Lahn (r.) von Ostseestaal arbeitet schon seit 1990 auf der Werft Stralsund. Er und sein Kollege Felix Ullmann produzieren gerade einen Riesenwendel für Ekato.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
„Wir werden Ihnen auch weiter verlässliche Partner sein“, versprach Alexander Badrow. „Ich sehe Zukunft für unsere Hansestadt. Hier rührt sich was!“
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