Wie groß der Abstand zwischen AfD und SPD in Mecklenburg-Vorpommern ist, hängt derzeit offenbar auch davon ab, wen man fragt. Am Mittwoch sah etwa Forsa die AfD bei 37 Prozent und die SPD bei 28 Prozent. Das sind neun Punkte Unterschied, die sicherlich keine Euphorie im Schweriner Staatsministerium auslösten.
Doch schon einen Tag später klopft das Institut infratest dimap an die Tür, überreicht ihr neues Datenmaterial und attestiert ein deutlich engeres Rennen. Plötzlich sind es nur noch drei Punkte Abstand zwischen AfD und SPD (AfD 35, SPD 32). Knapp 24 Stunden nach der Forsa-Umfrage erlebt der Nordosten auf einmal eine gut gelaunte, optimistische Manuela Schwesig und einen nahezu offenen Zweikampf.
Wir haben zwei Institute, zwei Befragungszeiträume, die sich nur an zwei Tagen überschneiden – und ein Ergebnis, das die politische Lage im Land völlig unterschiedlich aussehen lässt. Wer hat nun recht? Wahrscheinlich keiner von beiden exakt. So funktioniert Demoskopie kurz vor einer Wahl und so verwirrt sie.
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Was gesichert ist und was nicht
Die AfD führt, daran lassen alle fünf Erhebungen der vergangenen drei Monate keinen Zweifel. Ihre Werte bewegen sich zwischen 35 und 37 Prozent – eine Stabilität, die selbst methodische Schwankungen kaum erschüttern. Wer auf einen Einbruch der Partei hofft, sucht ihn in den Daten vergeblich.
Die SPD legt zu, auch das ist eindeutig. Bei infratest dimap kletterte sie von 27 Prozent im Mai über 29 im Juli auf nun 32 Prozent Ende August. Forsa misst gegenüber seiner Februar-Erhebung ebenfalls ein Plus von fünf Punkten. Der Aufwärtstrend ist real, nur sein genaues Ausmaß bleibt strittig. Ob Schwesigs Partei bereits bei 32 Prozent angekommen ist oder noch bei 28 steht, lässt sich derzeit schlicht nicht sagen. Dafür fehlt eine weitere unabhängige Bestätigung.
Und dann ist da noch die CDU. Forsa misst zehn Prozent, infratest dimap acht. Beide Werte wären historisch. Das bisherige Rekordtief der Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern lag bei 13,3 Prozent, datiert auf das Jahr 2021. Acht Prozent würden sogar das schwächste CDU-Ergebnis bei einer Landtagswahl in der gesamten Bundesrepublik bedeuten. Schlechter war die Partei zuletzt 1951 in Bremen.
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Unterschied ist kein Skandal, aber auch keine Kleinigkeit
Beide Institute kombinieren Telefon- und Online-Interviews, gewichten aber unterschiedlich – nach Alter, Bildung, Wahlabsicht. Wer als „wahrscheinlicher Wähler" gilt, entscheidet jedes Haus für sich. Und dann ist da noch die Rundung. Ein ausgewiesener Wert von 28 Prozent kann intern 28,4 bedeuten, ein Wert von 32 Prozent dagegen 31,5. Der optische Abstand könnte in den ungerundeten Daten also erheblich kleiner sein oder auch größer.
Der aus drei jüngeren Erhebungen berechnete DAWUM-Wahltrend - dieser bildet den Durchschnitt der aktuellen Sonntagsfragen verschiedener Umfrageinstitute ab - legt nahe, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Heißt, die AfD bewegt sich bei 35,9, die SPD bei 30,0 Prozent. Unter dem Strich ist das ein AfD-Vorsprung von rund sechs Punkten. Dies ist kein Triumph für die AfD, auch keine historische Aufholjagd, aber immer noch ein klarer Rückstand für Schwesig und ihre SPD.
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Das Rennen ist eng, aber nicht offen
Für die amtierende rot-rote Koalition reicht es nach beiden Umfragen nicht. Das ist die schlechte Nachricht für Schwesig. Die gute für sie ist, dass eine von ihr geführte Regierung dennoch denkbar wäre– als Rot-Rot-Grün. Nach infratest dimap hätte dieses Dreierbündnis eine knappe rechnerische Mehrheit, nach Forsa dagegen nicht. Im DAWUM-Trend käme es auf 36 der regulär 71 Sitze. Das wäre hauchdünn und ein Wackelkonstrukt, das schon bei einer Partei unter der Fünf-Prozent-Hürde in sich zusammenfällt.
Eine AfD-Alleinregierung und damit ein AfD-Ministerpräsident Leif-Erik Holm, vor der Schwesig am Donnerstag erneut gewarnt hat, ist dagegen aktuell weit entfernt. Bei 35 bis 37 Prozent käme die Partei auf etwa 28 oder 29 Mandate. Für eine absolute Mehrheit wären mindestens 36 Sitze nötig. Das ist immerhin eine der wenigen klaren Aussagen, die diese Umfragelage zulässt.
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Ein Vorbehalt zum Schluss
2021 lagen die letzten Umfragen ungewöhnlich nah am tatsächlichen Ergebnis. Die durchschnittliche absolute Abweichung je Partei betrug laut DAWUM lediglich 0,73 Prozentpunkte – ein starkes Ergebnis für die Demoskopie. Nur 2021 war eine andere Wahl. Die AfD stand bei 16 Prozent, nicht bei 37. Das BSW existierte nicht und die CDU war noch eine relevante Kraft.
Ob die Institute bei einer derart veränderten Parteienlandschaft erneut ähnlich präzise treffen, steht in den Sternen. Eine einzelne Wahl ist kein Beweis für dauerhafte Messgenauigkeit. Wer das Gegenteil behauptet, verwechselt Demoskopie mit Hellseherei.
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Zumindest sind sich die Umfragen über die politische Grundstruktur Mecklenburg-Vorpommerns weitgehend einig: eine AfD, die sich relativ stabil um die 35 Prozent bewegt, eine stärker werdende SPD und eine CDU auf historischem Tiefstand. Strittig ist allein, wie weit Schwesigs Aufholjagd bereits fortgeschritten ist. Erst eine weitere unabhängige Erhebung kann zeigen, ob die 32 Prozent eine echte Beschleunigung markieren oder noch der obere Rand der normalen Schwankungsbreite sind.
Bis dahin gilt, das es eng wird. Wie eng genau, weiß derzeit niemand, auch die Demoskopen nicht. Egal, was ihre Zahlen suggerieren.
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