Der Protest gegen die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) weitet sich aus. Nach dem Schweizer Sänger Nemo hat nun auch der irische ESC-Gewinner von 1994, Charlie McGettigan, angekündigt, seine Siegertrophäe an die Europäische Rundfunkunion (EBU) zurückzugeben.
„Zur Unterstützung von Nemo möchte ich meine Trophäe an die EBU zurückgeben“, sagte McGettigan im Onlinedienst X. Er fügte hinzu, er werde den Preis zurückgeben, „falls ich ihn wiederfinde“. Die Ankündigung erfolgte demnach aus Protest gegen die Teilnahme Israels am Wettbewerb.
Zuvor hatte bereits Nemo erklärt, er habe nicht mehr das Gefühl, dass seine Trophäe „in sein Regal gehört“. Zwischen den Werten des ESC und der Entscheidung, Israel weiterhin teilnehmen zu lassen, bestehe ein deutlicher Widerspruch, so der Sänger. Er fügte an: „Es geht um die Tatsache, dass der Wettbewerb wiederholt dazu benutzt wurde, um das Image eines Staates aufzubessern, dem schweres Fehlverhalten vorgeworfen wird“.
Der ESC stehe nach eigenen Angaben für Einheit, Inklusion und Würde für alle Menschen, erklärte der Musiker, der sich im November 2023 als non-binär outete. Zwischen diesen Werten und der Entscheidung des Veranstalters, Israel weiterhin am Wettbewerb teilnehmen zu lassen, bestehe jedoch ein deutlicher Widerspruch. Israel begehe nach Erkenntnissen einer von den Vereinten Nationen eingesetzten Untersuchungskommission Völkermord an den Palästinensern, könne aber dennoch beim ESC antreten, kritisierte Nemo.
Nemo: „Wenn sich ganze Länder zurückziehen, ist das ein Zeichen“
Dies zeige einen „klaren Konflikt“ zwischen den Idealen des Wettbewerbs und den Entscheidungen der Europäischen Rundfunkunion (EBU), so Nemo. „Wenn sich ganze Länder zurückziehen, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas grundlegend schiefläuft“, erklärte Nemo in Anspielung auf den angekündigten Boykott mehrerer Rundfunkanstalten. Nemo kündigte an, die Siegertrophäe an die EBU nach Genf zurückzuschicken. „Wenn man die Werte, die man auf der Bühne feiert, nicht auch außerhalb der Bühne lebt, dann werden selbst die schönsten Lieder bedeutungslos“, sagte er weiter. Bis den Worten Taten folgten, gehöre die Trophäe nicht ihm.
Hintergrund der Kontroverse ist das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen nach dem Großangriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Mehrere Rundfunkanstalten, darunter aus Spanien, Irland, den Niederlanden, Slowenien und Island, hatten deshalb angekündigt, den ESC 2026 in Wien zu boykottieren.
Die Teilnahme Israels war Anfang des Monats bei einer Sitzung der EBU nicht zur Abstimmung gestellt worden. Damit wurde der Weg für Israels Teilnahme freigemacht. ESC-Direktor Martin Green hatte in einem Schreiben an Fans erklärt, man verstehe die starken Emotionen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt, halte aber am Anspruch fest, den Wettbewerb unpolitisch zu führen. Die Bundesregierung hatte sich zuletzt gegen eine Ausgrenzung Israels vom ESC ausgesprochen.
„Wahnsinnig peinlich und unangenehm“ – Streit über Boykott wegen Israels ESC-Teilnahme
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]