Verteidigung

Estland verlegt Truppen näher an Russland und setzt auf „aktive Verteidigung“

Estland richtet seine Streitkräfte stärker auf die Abwehr eines möglichen Angriffs aus. Die Regierung sieht derzeit keine veränderte militärische Bedrohung.

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Angehörige der estnischen Militärakademie bei einer Parade zum Beginn des Studienjahres am 1. September in Tartu.

Angehörige der estnischen Militärakademie bei einer Parade zum Beginn des Studienjahres am 1. September in Tartu.

© Sille Annuk/Tartu Postimees/imago

Estland hat nach einem Bericht der Financial Times begonnen, Truppen näher an die russische Grenze zu verlegen. Zugleich beschafft das Nato-Mitglied Waffen, die Ziele weit im russischen Hinterland erreichen können. Damit setzt das baltische Land seine Strategie der „aktiven Verteidigung“ um. Die Zeitung beruft sich auf estnische Regierungsvertreter.

Die Maßnahmen dienen der Vorbereitung auf mögliche künftige Angriffe. Eine unmittelbar bevorstehende russische Invasion hat die estnische Regierung zuletzt nicht festgestellt. Das Verteidigungsministerium erklärte Ende September, die militärische Bedrohungsbewertung sei unverändert.

Abschreckung und schnelle Reaktion

Das Prinzip der „aktiven Verteidigung“ ist Bestandteil des erneuerten nationalen Sicherheitskonzepts. Nach Angaben der estnischen Regierung soll das Land schnell und entschlossen handeln können. Eigene militärische Fähigkeiten und die gemeinsame Verteidigung mit Verbündeten bilden dafür die Grundlage. Russland wird in dem Konzept als größte Sicherheitsbedrohung für Estland und den euroatlantischen Raum bezeichnet.

Ministerpräsident Kristen Michal erläuterte das Ziel im Mai vor dem Parlament: Vorrangig solle Abschreckung einen Krieg verhindern und einen Angriff auf Estland aussichtslos machen. Falls sie scheitere, werde sich das Land auch gegen einen überlegenen Gegner verteidigen. „Estland wird niemals kapitulieren“, sagte Michal laut der veröffentlichten Regierungsmitteilung.

Der Ansatz verbindet damit die Vorbereitung auf einen möglichen Angriff mit dem Ziel, ihn zu verhindern. Entscheidend sind die Fähigkeit zur schnellen Reaktion und die Zusammenarbeit mit den Nato-Partnern.

Mehr Geld für Waffen und Ausrüstung

Finanziell wird die Neuausrichtung durch deutlich höhere Militärausgaben gestützt. Laut dem estnischen Verteidigungsministerium steigen die Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 auf mehr als fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für Beschaffungen sind 1,27 Milliarden Euro vorgesehen. Auch in den Jahren 2027 bis 2029 sollen die Ausgaben mindestens fünf Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

Gleichzeitig betonen estnische Regierungsvertreter, dass Russland derzeit vor allem durch seinen Krieg gegen die Ukraine gebunden sei. Außenminister Margus Tsahkna sagte während seines UN-Besuchs im September, die Vorstellung, Moskau sei bereits zu einer militärischen Konfrontation mit der Nato bereit, entspreche nicht der Realität.

Der öffentlich-rechtliche Sender ERR berichtete über Tsahknas Einschätzung. Der Minister warnte zugleich vor weiteren russischen Provokationen und Sabotageakten gegen Unterstützer der Ukraine. Estlands Aufrüstung ist damit vor allem eine Vorsorge gegen längerfristige Risiken.

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