POTSDAM. Eines der zentralen Reformvorhaben der Koalition gerät massiv in die Kritik. Mit der schon für 2005 geplanten Verschmelzung von Gesamt- und Realschulen zu dem neuen Schultyp Oberschule drohe ein Run auf die Gymnasien des Landes. Diese Befürchtung äußerten am Donnerstag Interessenvertreter von Lehrern und Eltern. "Die Oberschule verkommt zu einer Restschule", kritisierte der Vorsitzende des Bundeselternrates, Wilfried Steinert, selbst Schulleiter in Templin. Sogar Bildungsminister Holger Rupprecht (parteilos) schloss am Rande einer Anhörung des Bildungsausschusses nicht aus, dass zunächst eine Absetzbewegung in Richtung Gymnasien stattfindet. Die PDS forderte die Koalition auf, ihren Gesetzentwurf zurückzuziehen.Dabei wird die zunächst unter dem Stichwort Sekundarschule debattierte Reform als Antwort auf den massiven Schülerrückgang von Kommunen, Lehrern, Eltern, PDS und auch der SPD seit Jahren gefordert. In der letzten Regierung konnten sich SPD und CDU aber nicht einigen. Fast alle Experten nannten die Zusammenführung beider Schulformen längst überfällig. Gegen den nach den Wahlen im September eilig gezimmerten Kompromiss formiert sich dennoch breiter Widerstand im Detail.Vor allem Lehrer und Eltern halten dem Gesetzentwurf entgegen, dass nach ihrem Modell auch wegen der parallel geplanten Verkürzung der Abiturausbildung auf zwölf Jahre der Wechsel auf ein Gymnasium nicht mehr problemlos möglich sei. Dabei soll die zehnjährige Oberschule, die nur den Real- und Hauptschulabschluss anbietet, die Regelschule für den dünn besiedelten Raum werden."Für die Eltern ist die Durchlässigkeit auf das Gymnasium von fundamentaler Bedeutung", sagte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Günter Fuchs. Seit der Pisa-Studie werde bundesweit debattiert, wie die Zergliederung des Schulsystems zu überwinden sei: "Hier wird sie zementiert." Nur wenn die Oberschule alle drei Bildungsgänge anbiete, sei sie eine wirkliche Alternative. "Jetzt droht die Abkoppelung des ländlichen Raumes." Es handele sich lediglich um eine Strukturreform, klagte auch Petra Brückner, Vorsitzende des Landeselternrates. Zwingend müsse aber eine inhaltliche Qualitätsdebatte vorausgehen. "Wir empfinden das als Schnellschuss."Pisa-Lehren nicht berücksichtigtDarüber hinaus kritisierte Michael Hohmann von der Buergel-Gesamtschule in Rathenow, dass an den Oberschulen die Bildung von Real- und Hauptschulklassen möglich sein soll. Bisher gibt es in Brandenburg keine Hauptschulen. "Das wird zu sozialen Spannungen führen, die auf dem Schulhof ausgetragen werden", warnte Hohmann. Die Lehren aus Pisa würden bei dem präsentierten Modell nicht berücksichtigt. Vielmehr sei es "der Versuch, den verschiedenen Befindlichkeiten in der Koalition gerecht zu werden." Auch die Vertreter der kommunalen Spitzenverbände äußerten sich skeptisch, ob der Koalitionsentwurf die Probleme an den Schulen löse.Der Bildungsminister betonte, dass der Weg zum Abitur auch an den neuen Oberschulen offen bleiben solle. Er räumte aber ein, dass es an dem Gesetz, das bereits im Frühjahr verabschiedet werden soll, noch vielfältigen Klärungsbedarf im Detail gebe. Die Kritik vor dem Bildungsausschuss komme nicht unerwartet, sagte der neue Minister, der an den Koalitionsverhandlungen noch nicht beteiligt war: "Jeder weiß: Das ist ein Kompromiss."------------------------------"Jeder weiß: Das ist ein Kompromiss." Holger Rupprecht (parteilos), Bildungsminister
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