Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen erstmals seit September 2023 wieder angehoben. Hintergrund sind die durch den Krieg im Nahen Osten gestiegenen Energiepreise, die den Inflationsdruck im Euroraum verstärken.
Wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, steigen alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins klettert von 2,0 auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz wird auf 2,40 Prozent erhöht, der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent. Die neuen Sätze gelten ab dem 17. Juni 2026.
Der EZB-Rat begründete den Schritt mit seinem Ziel, die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren. Der Krieg im Nahen Osten erzeuge derzeit jedoch Inflationsdruck, hieß es in der Mitteilung. Die Entscheidung sei in unterschiedlichen Szenarien zur weiteren Entwicklung des Konflikts angemessen.
Höhere Inflation, geringeres Wachstum erwartet
Nach den neuen Projektionen der Notenbank-Fachleute dürfte die Inflation im Euroraum im Jahr 2026 im Schnitt bei 3,0 Prozent liegen, 2027 bei 2,3 Prozent und 2028 bei 2,0 Prozent. Gegenüber den Prognosen vom März wurden die Werte für 2026 und 2027 nach oben revidiert. Grund seien höhere Energiepreise, die sich teilweise auch auf Nahrungsmittel, Waren und Dienstleistungen auswirken dürften.
Beim Wirtschaftswachstum erwartet die EZB 0,8 Prozent für 2026, 1,2 Prozent für 2027 und 1,5 Prozent für 2028. Die Werte für die kommenden beiden Jahre wurden nach unten korrigiert. Der EZB-Rat verwies auf stärkere Auswirkungen des Krieges auf Rohstoffmärkte, Realeinkommen und Vertrauen.
Die Risiken für die Inflation seien aufwärtsgerichtet, jene für das Wachstum abwärtsgerichtet, teilte die Notenbank mit. Auf einen festen Zinspfad legte sich der Rat nicht fest. Künftige Entscheidungen würden datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung getroffen.
Folgen für Sparer und Bauherren
Höhere Leitzinsen können laut dem Vergleichsportal Verivox auch zu höheren Zinsen auf Tagesgeldkonten führen. Teils würden bereits Angebote mit bis zu vier Prozent Zinsen offeriert, allerdings befristet und für Neukunden. Bestandskunden könnten der Finanzberatung FMH zufolge derzeit nicht mit deutlich höheren Zinsen rechnen.
Für Kreditnehmer bedeuten höhere Leitzinsen in der Regel steigende Kosten. Besonders betroffen sind angehende Immobilienkäufer: Nach Angaben des Darlehensvermittlers Dr. Klein sind die Bauzinsen seit Beginn des Iran-Krieges bereits um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Da bei langen Kreditlaufzeiten schon kleine Zinsabweichungen erhebliche Mehrkosten verursachen können, dürften sich Baudarlehen weiter verteuern. Mittelfristig sei ein weiterer leichter Aufwärtstrend wahrscheinlich, hieß es vom Vermittler. (mit AFP)
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