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EZB-Zinsentscheid: Vier Banken zahlen schon vier Prozent Zinsen aufs Tagesgeld

Finanztip und Verivox erwarten keinen breiten Zinssprung nach der EZB-Entscheidung. Bei Tages- und Festgeld sollten Sparer jetzt unterschiedlich reagieren.

Katharina Erschov
Katharina Erschov
4 Min
EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird am 10. September die Zinsentscheidung der Notenbank erläutern. Symbolbild.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird am 10. September die Zinsentscheidung der Notenbank erläutern. Symbolbild.

© IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegan

An den Märkten gilt es als so gut wie sicher, dass die EZB ihren Einlagensatz am 10. September um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent erhöht. Der Einlagensatz bildet einen wichtigen Referenzpunkt für die Zinsen am Geldmarkt.

Erhöht die EZB ihren Satz, können Banken überschüssige Liquidität bei der Notenbank zu einem höheren Zinssatz anlegen. Gleichzeitig kann sich die Refinanzierung für Banken verteuern. Das könnte grundsätzlich Spielraum für höhere Zinsen auf Tages- und Festgeld schaffen.

Für Sparer wäre das grundsätzlich eine gute Nachricht. „Eine weitere EZB-Zinserhöhung erhöht den Druck auf Banken, Sparern mehr zu bieten. Eine schnelle und vollständige Weitergabe sollten Kunden aber nicht erwarten“, sagt Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen auf Anfrage der Berliner Zeitung.

Gerade bei den regulären Zinsen für Bestandskunden zeige sich bislang nur wenig Bewegung. Nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox wurden seit der letzten Leitzinserhöhung im Juni gerade einmal bei rund 20 Prozent der Tagesgeldangebote die regulären Bestandskundenzinsen angehoben.

Nach EZB-Zinsentscheid: Verivox erwartet keine großen Sprünge bei Tagesgeldzinsen

„Wenn die EZB die Leitzinsen nun wie erwartet um einen Viertelprozentpunkt anhebt, dürfte das den bestehenden leichten Aufwärtstrend zwar festigen, mit großen Ausschlägen nach oben ist bei den Durchschnittszinsen aber nicht zu rechnen“, sagt Ralph Wefer, Verivox-Sprecher für Kredite und Bankprodukte.

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Auf dem Markt zeige sich schon jetzt ein bemerkenswerter Wettbewerb um Neukunden. Während die durchschnittlichen Zinsen für viele Bestandskunden niedrig bleiben, werben einzelne Banken mit außergewöhnlich hohen Angeboten um neue Kunden.

Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen laut Verivox derzeit durchschnittlich rund 1,4 Prozent. Wer sein Geld bei einer örtlichen Sparkasse oder Volksbank liegen hat, bekommt im Durchschnitt sogar noch deutlich weniger: 0,42 Prozent beziehungsweise 0,48 Prozent. Für Bestandskunden wäre das ein guter Zeitpunkt, kritisch auf ihren Tagesgeldzins zu blicken, anstatt darauf zu warten, dass ihre Bank die Zinsen automatisch anhebt. Derzeit gebe es viele attraktive Angebote, die Sparer aktiv prüfen sollten.

Vier Prozent Tagesgeld gelten meist nur wenige Monate

Aktuell bieten vier Banken Tagesgeldzinsen von mindestens vier Prozent für Neukunden. Bei mindestens elf Geldhäusern liegen die Zinsen über 3,5 Prozent – noch Mitte Mai habe es kein Tagesgeldangebot in dieser Größenordnung gegeben, heißt es bei Verivox.

Was nach einem Zinsboom klingt, relativiert sich bei genauem Hinsehen. Denn die Spitzenzinsen sind in der Regel zeitlich begrenzt. Meist gelten sie drei oder vier Monate, teilweise auch sechs Monate. Danach fällt der Zinssatz häufig deutlich ab.

Wer dauerhaft vom höchsten Zinssatz profitieren möchte, muss sein Geld regelmäßig zu einer anderen Bank verschieben. Stattdessen rät der Finanzexperte von Verivox Sparern, Angebote zu vergleichen und nicht ausschließlich auf den Neukundenzins zu schauen. Entscheidend sei laut Wefer vielmehr, was eine Bank ihren Kunden dauerhaft zahlt. Sparer sollten daher genau prüfen, wann der Aktionszins endet und welcher Zins danach gilt.

„Die Aktionszinsen für Neukunden sind bereits vor dem EZB-Entscheid deutlich gestiegen. Ein Teil des erwarteten Zinsschritts dürfte damit schon vorweggenommen sein. Mehr Spielraum gibt es bei den Zinsen für Festgelder, die steigen könnten. Wer gerade Festgeld für zwei Jahre anlegen will, sollte noch etwas abwarten“, sagt auch der Finanztip-Chefredakteur.

Baukredite folgen dem EZB-Zins nicht automatisch

Während Sparer auf höhere Zinsen hoffen können, müssen Kreditnehmer mit einem grundsätzlich gegenteiligen Effekt rechnen. Höhere Leitzinsen verteuern tendenziell die Finanzierung. Allerdings zeigt der Blick auf den deutschen Kreditmarkt, dass der EZB-Leitzins längst nicht die einzige Variable ist.

Entscheidend sind vielmehr die langfristigen Kapitalmarktzinsen und die Erwartungen der Investoren. Baukredite mit langen Laufzeiten orientieren sich stärker an den Entwicklungen an den Kapitalmärkten, insbesondere an den Renditen langfristiger Staatsanleihen.

Deshalb können sich Bauzinsen bereits bewegen, bevor die EZB ihren Leitzins verändert hat. Ein erwarteter Zinsschritt der Notenbank muss sich entsprechend nicht unmittelbar und im gleichen Umfang in den Konditionen für Immobilienkredite niederschlagen.

Ratenkredite sind inzwischen wieder so günstig wie zuletzt im März 2023. Doch mehr als jeder Fünfte, der damals noch problemlos einen Kredit bekommen hätte, würde unter den heutigen Bedingungen keinen mehr erhalten, sagt Wefer.

Hinzu kommen die schwache Konjunktur und die gestiegene Unsicherheit am Arbeitsmarkt. „Banken prüfen Kreditanträge derzeit besonders streng“, sagt Wefer. Sie wollen verhindern, dass Kredite vergeben werden, die Kunden später möglicherweise nicht zurückzahlen können.

Für Verbraucher mit guter Bonität kann diese Situation sogar attraktiv sein, weil Banken jetzt um Kunden mit guter Bonität und einem geringen Ausfallrisiko konkurrieren. Für finanziell schwächere Haushalte wird es dagegen schwieriger, überhaupt einen Kredit zu bekommen. „Solange sich die Konjunktur und die Arbeitsmarktdaten nicht deutlich verbessern, werden die Banken ihre strenge Linie bei der Kreditvergabe fortsetzen“, sagt Wefer.

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