Werftstandort

F126-Aus trifft Peene-Werft: Wolgast droht 2027 eine Auftragslücke

Ohne das Fregattenprojekt hat die Peene-Werft in MV eine Auftragslücke. Rheinmetall hofft auf andere Aufträge der Deutschen Marine, Schwesig zeigt sich solidarisch.

Katja Frick
Katja Frick
5 Min
Die Peene-Werft in Wolgast gehört seit März 2026 zu Rheinmetall.

Die Peene-Werft in Wolgast gehört seit März 2026 zu Rheinmetall.

© Stefan Sauer/dpa

Das Ende des Marineprojekts F126 könnte die Peene-Werft in Wolgast in absehbarer Zeit belasten. Nach Angaben von Rheinmetall – Eigentümer seit März 2026 – droht dem Standort deshalb 2027 eine Unterauslastung. Zugleich zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich, die frei werdenden Kapazitäten mit anderen Aufträgen für die Deutsche Marine füllen zu können. Eine verbindliche Entscheidung darüber gibt es bislang allerdings nicht.

„Das Aus des F126-Projektes hat unterschiedliche Auswirkungen an unseren Neubaustandorten“, teilte Oliver Grün, Sprecher der Rheinmetall-Division Naval Systems, auf Anfrage der OAZ mit. Der Wolgaster Standort werde infolge dieser Entscheidung 2027 in die Unterauslastung gehen.

„Wir gehen aber davon aus, dass wir die nun frei werdenden Kapazitäten auf der Peene-Werft kurzfristig für andere Neubauprogramme der Deutschen Marine nutzen und damit Auslastung über das Jahr 2027 hinaus sicherstellen werden“, erklärte Grün. Derzeit würden unterschiedliche Optionen geprüft.

Keine Angaben zu möglichen Folgen für Beschäftigte

Welche Programme konkret infrage kommen und wie weit die Gespräche darüber fortgeschritten sind, ließ Rheinmetall offen. Auch zu möglichen Auswirkungen der Unterauslastung auf die Beschäftigten machte das Unternehmen keine Angaben. Damit bleibt zunächst ungeklärt, ob Kurzarbeit, der Abbau von Leiharbeit, das Auslaufen befristeter Verträge oder andere personelle Maßnahmen drohen könnten.

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Offen ist ebenfalls, wann ein Anschlussauftrag vorliegen müsste, um eine Lücke in der Fertigung zu verhindern. Rheinmetall teilte lediglich mit, derzeit keine weiteren Auskünfte geben zu können.

Was ist F126?

Die F126 war als neues großes Mehrzweckkampfschiff der Deutschen Marine geplant. Das Vorhaben lief ursprünglich unter der Bezeichnung Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180). Im Juni 2020 beauftragte der Bund die niederländische Damen Schelde Naval Shipbuilding als Generalunternehmerin zunächst mit vier Schiffen; später kamen zwei weitere Einheiten hinzu. Die Baukosten für sechs Fregatten wurden zuletzt mit rund zehn Milliarden Euro angesetzt. Obwohl Damen den Auftrag als Generalunternehmerin erhalten hatte, sollten die Schiffe vollständig in Deutschland gebaut werden. Mehr als 70 Prozent der Wertschöpfung waren hierzulande vorgesehen. Beteiligt waren vor allem Standorte in Wolgast, Kiel und Hamburg. Auf der Peene-Werft sollten die Stahlarbeiten und die Vorausrüstung der Hinterschiffe erfolgen. Das Verteidigungsministerium brach das Projekt F126 am 24. Juni 2026 ab wegen erheblicher Verzögerungen, steigender Kosten und hoher Risiken einer Fortführung. Statt ursprünglich rund zehn Milliarden Euro hätte das Projekt nach Angaben des Bundes einen Finanzbedarf von mehr als 18 Milliarden Euro erreichen können. Der Bund setzt nun auf zunächst vier, möglicherweise bis zu acht kleinere Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU.

Unklar ist zudem, was mit den bereits für F126 gefertigten Schiffsteilen geschieht. „Über den Verbleib der bereits gefertigten F126-Sektionen befinden wir uns in enger Abstimmung mit dem Kunden“, erklärte der Unternehmenssprecher. Ob die Sektionen weiterverwendet, umgebaut, eingelagert oder anderweitig verwertet werden können, sagte er nicht.

Schwesig fordert Bundesaufträge für Wolgast

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte am 25. August an einer Betriebsversammlung auf der Peene-Werft mit etwa 300 Beschäftigten teilgenommen. Anschließend erklärte sie, die Landesregierung stehe an der Seite der Beschäftigten der Werften und der maritimen Zulieferindustrie.

Während sich andere Werftstandorte im Land positiv entwickelten, gebe es in Wolgast Sorgen. Durch den Stopp des Projekts F126 sei eine Auftragslücke entstanden, die dringend geschlossen werden müsse.

Schwesig verwies auf die Bedeutung der Werft für Wolgast und ganz Vorpommern. Der Standort habe sich zu einer modernen Schiffbauwerft entwickelt und unter anderem beim Bau von Zollbooten seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die Landesregierung werde sich deshalb weiter für die Peene-Werft einsetzen.

Als mögliche Anschlussaufträge nannte die Ministerpräsidentin eine Beteiligung am Bau von MEKO-Fregatten sowie die Fertigung eines vierten Flottendienstbootes für die Deutsche Marine. Die Landesregierung befinde sich hierzu nach ihren Angaben in „guten Gesprächen“ mit der Bundesregierung.

Politischer Beschluss ist noch kein Werftauftrag

Schwesig verwies zudem auf einen Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages. Danach sollen bei der Beschaffung der MEKO-Fregatten die deutschen Industrie- und Werftkapazitäten berücksichtigt werden, die ursprünglich für F126 vorgehalten worden waren und nun frei werden.

Die Ministerpräsidentin bezog diese Maßgabe ausdrücklich auch auf Wolgast. Daraus folgt bisher jedoch noch kein konkreter Auftrag für die Peene-Werft.

Auch ist nicht klar, welche Bedeutung die Forderung des Haushaltsausschusses für die industrielle Arbeitsteilung besitzt.

Verteidigungsministerium will Ende der Woche antworten

Auf weitergehende Fragen der OAZ zu den Gesprächen mit dem Bund und möglichen Ersatzaufträgen verwies Regierungssprecher Andreas Timm auf die Pressemitteilung der Landesregierung vom 25. August. Zusätzliche Angaben zu bereits erzielten Vereinbarungen, einem möglichen Zeitplan oder der Zahl betroffener Arbeitsplätze machte die Staatskanzlei zunächst nicht.

Eine Stellungnahme des Bundesverteidigungsministeriums steht noch aus. Eine Sprecherin des Ministeriums kündigte gegenüber der OAZ eine Antwort bis zum Wochenende an. Von ihr werden insbesondere Aussagen dazu erwartet, ob die Peene-Werft für das MEKO-Programm vorgesehen ist, ob ein viertes Flottendienstboot tatsächlich geprüft wird und wann Entscheidungen über die Nutzung der frei werdenden Werftkapazitäten fallen könnten.

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