Die Bundesregierung will das milliardenschwere Projekt zum Bau von sechs F126-Fregatten aufgeben. Der Bau von insgesamt sechs geplanten Schiffen werde „nicht weiterverfolgt“, teilte das Verteidigungsministerium laut der Nachrichtenagentur AFP mit. Als Grund nannte das Ministerium demnach Kostenüberschreitungen und massive Verzögerungen.
Zuvor hatte die Financial Times unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen über die Entscheidung berichtet. Demnach informierten Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und weitere ranghohe Beamte Vertreter der Industrie sowie führende Abgeordnete über die Absicht, das Vorhaben aufzugeben.
Anstelle der sechs F126-Fregatten sollen den Berichten zufolge voraussichtlich acht kleinere Fregatten vom Typ MEKO A-200 des deutschen Marineschiffbauers TKMS beschafft werden.
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Kostensteigerungen und Verzögerungen
Nach Angaben der Financial Times handelt es sich um eines der größten Kriegsschiffsprojekte der deutschen Marine seit dem Zweiten Weltkrieg. Es werde erwartet, dass rund zwei Milliarden Euro an Kosten des Programms abgeschrieben werden müssten. Die 166 Meter langen und rund 10.000 Tonnen schweren F126-Fregatten waren als Mehrzweckschiffe konzipiert, mit einer wichtigen Rolle in der U-Boot-Abwehr.
Die niederländische Werft Damen Naval hatte 2020 den Zuschlag für zunächst vier Fregatten erhalten, später wurde der Auftrag auf sechs Schiffe erweitert. Das Projekt litt laut Financial Times unter Kostensteigerungen und Verzögerungen, unter anderem wegen Softwareproblemen und Kommunikationsproblemen zwischen der deutschen Beschaffungsbehörde und Damen.
Das Verteidigungsministerium teilte nun mit, dass ein Generalunternehmerwechsel zu Naval Vessels Lürssen B.V. & Co. KG (NVL) „intensiv geprüft“ worden sei. Die Untersuchung habe jedoch ergeben, dass „aufgrund der Projektsituation“ erhebliche Mehrkosten entstehen würden: Statt der ursprünglich veranschlagten rund zehn Milliarden Euro hätte der Gesamtfinanzbedarf des Projekts auf mehr als 18 Milliarden Euro steigen können. Zudem hätte der Bund auf mögliche Schadenersatzansprüche verzichten müssen, deren Höhe laut Ministerium derzeit juristisch geprüft wird.
Rheinmetall sollte Programm übernehmen
Der Rüstungskonzern Rheinmetall stand vor der Unterzeichnung eines Vertrags zur Übernahme des Programms im zweiten Quartal, erklärte Vorstandschef Armin Papperger laut Reuters im vergangenen Monat. Die Übernahme wäre Teil der Expansion von Rheinmetall in den Schiffbau gewesen, nachdem das Unternehmen Anfang des Jahres das auf Marineschiffbau spezialisierte Unternehmen Naval Yards Lürssen für 1,5 Milliarden Euro übernommen hatte. Rheinmetall lehnte eine Stellungnahme laut Financial Times ab.
Die Zeitung schreibt weiter, Abgeordnete hätten sich zuletzt zunehmend besorgt über Kosten und Lieferzeiten der F126 gezeigt. Der Vertrag zur Übernahme des F126-Programms durch Rheinmetall hätte noch vor der Sommerpause dem Haushaltsausschuss zur Billigung vorgelegt werden sollen. Offen ist laut dem Bericht, was mit dem ersten bereits im Bau befindlichen Rumpf auf der Werft im vorpommerschen Wolgast geschieht. (mit AFP)
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