Im Prozess gegen die US-Amerikanerin Lindsay Clancy wegen der Tötung ihrer drei Kinder hat Richter William Sullivan am Freitag am Gericht in Plymouth im Bundesstaat Massachusetts das Verfahren für gescheitert erklärt. Die zwölf Geschworenen konnten sich auch nach sieben Beratungstagen nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Ein Eilantrag der Verteidigung beim höchsten Gericht des Bundesstaates, das Ende des Verfahrens noch abzuwenden, blieb ohne Erfolg. Der live übertragene Prozess sorgte laut AFP in den USA für viele Schlagzeilen.
Zwölf Geschworene, ein Abweichler
Nach Darstellung der Verteidigung deutete eine Mitteilung der Jury darauf hin, dass elf der zwölf Geschworenen Clancy freisprechen wollten. Nur ein einziger Geschworener habe die einstimmige Entscheidung blockiert.
Er habe zwar eingeräumt, Zweifel zu haben, sich aber geweigert, diese in seinem Votum zu berücksichtigen. Die Verteidigung warf ihm laut CBS Boston vor, „unter Eid gelogen“ zu haben, und beantragte, ihn aus der Jury auszuschließen. Richter Sullivan lehnte das ab.
Um den drohenden Abbruch des Verfahrens abzuwenden, rief die Verteidigung anschließend das oberste Gericht von Massachusetts an. Ein gescheiterter Prozess macht den möglichen Freispruch zunichte und öffnet den Weg für ein neues Verfahren. Das Gericht griff jedoch nicht ein.
Angeklagte will Stimme gehört haben
Die 36-jährige frühere Krankenschwester am Massachusetts General Hospital hatte nicht bestritten, ihre Kinder Cora, Dawson und Callan im Januar 2023 im Keller ihres Hauses im Bostoner Vorort Duxbury mit Sport-Gummibändern erdrosselt zu haben. Anschließend versuchte sie, sich das Leben zu nehmen, und ist seither querschnittsgelähmt.
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Die Verteidigung argumentierte, Clancy habe an einer Wochenbettpsychose gelitten und sei schuldunfähig. Die Angeklagte hatte in dem fast sechswöchigen Verfahren angegeben, eine Stimme habe ihr befohlen, ihre Kinder zu töten. Die Staatsanwaltschaft hielt ihr dagegen eine geplante Tat vor.
Bei einer Verurteilung wegen Mordes ersten Grades hätte Clancy eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung gedroht. Bei einem Freispruch aus Gründen der Schuldunfähigkeit könnte sie in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.
Polarisierte Öffentlichkeit
Der Fall hat in den USA eine Debatte über die medizinische Versorgung von Frauen nach der Geburt ausgelöst. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Unterstützerinnen unter dem Motto „She Needed Help“ („Sie brauchte Hilfe“).
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC leidet etwa jede achte Frau in den Vereinigten Staaten an einer Wochenbett-Depression. Eine Wochenbett-Psychose tritt laut Reuters nur bei einer bis zwei von 1000 Geburten auf und kann mit Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Paranoia einhergehen.
Clancy bleibt nach Angaben von CBS Boston im Tewksbury State Hospital in psychiatrischer Behandlung. Bezirksstaatsanwalt Tim Cruz erklärte vor dem Gericht, über eine mögliche Neuauflage des Verfahrens werde an diesem Tag noch nicht entschieden. Für den 29. September setzte Sullivan eine weitere Anhörung an.
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