Eine fehlerhafte Afrika-Karte des US-Außenministeriums hat auf der internationalen Aids-Konferenz in Rio de Janeiro für Aufsehen gesorgt. Auf der Grafik, die während einer Präsentation über die neuen US-Gesundheitsabkommen gezeigt wurde, war jedes einzelne afrikanische Land falsch beschriftet oder verortet.
Im Publikum saßen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter afrikanischer Regierungen – teils aus Ländern, die auf der Karte falsch dargestellt waren. Das Bild sorgte sofort für Empörung und wurde nach ersten Screenshots und Fotos binnen kurzer Zeit weltweit geteilt. Die Karte wurde laut einem Bericht von Reuters mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
Nigeria in der Wüste, Mosambik am Horn von Afrika
Die geografischen Fehler waren gravierend. Nigeria, wo die USA derzeit mehrere Hundert Soldaten stationiert haben, wurde als Binnenland in der Sahara dargestellt. Mosambik, tatsächlich im Südosten des Kontinents gelegen, wanderte an das Horn von Afrika. Die Elfenbeinküste in Westafrika landete auf der gegenüberliegenden Seite des Kontinents.
Uganda und Malawi lagen laut der ursprünglichen Analyse zwar in der richtigen Region, hatten aber falsche Grenzen. Kamerun war überhaupt nicht korrekt zugeordnet – der Name war mit keinem Land verbunden.
Erste Screenshots und Fotos der Karte tauchten in einem Substack-Beitrag der Aids-Expertin Emily Bass auf und verbreiteten sich anschließend stark über LinkedIn, wo ein Beitrag rund 40.000 Aufrufe erreichte. „Wer auch immer diese Folie erstellt und freigegeben hat, wusste nicht, wo die Länder Afrikas liegen, und machte sich nicht die Mühe, seine Arbeit zu überprüfen“, schrieb Matt Petit vom Atlantic Council in dem Beitrag.
Der Verdacht: erstellt mit KI-Werkzeugen
Eine Analyse von Reuters ergab, dass das Kartenbild in der Präsentation ein KI-Wasserzeichen enthielt, das auf eine Erstellung mit OpenAI-Werkzeugen hindeutet. OpenAI reagierte nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur.
Solche Herkunftssignale wie C2PA-Content-Credentials oder SynthID-Wasserzeichen können die Entstehung eines Bildes anzeigen. Sie belegen laut OpenAI aber ausdrücklich nicht, dass ein Bild inhaltlich korrekt ist oder im richtigen Zusammenhang verwendet wurde.
Auch die Kritikerin machte einen Fehler
Bemerkenswert: Auch Emily Bass, die den Fehler des US-Außenministeriums zuerst öffentlich machte, musste sich kurz darauf korrigieren. In ihrer ersten Analyse hatte sie behauptet, zumindest Kamerun sei richtig platziert gewesen – was nicht stimmte.
„In einem Beitrag über das US-Außenministerium, das einem Raum voller afrikanischer Regierungs- und Gesundheitsvertreter eine Karte zeigte, auf der jedes einzelne Land falsch beschriftet ist, habe ich selbst einen Fehler gemacht“, schrieb Bass auf Substack. „Es tut mir aufrichtig leid. Es ist nicht respektvoll, solche Dinge falsch darzustellen.“
Das Außenministerium übernimmt „volle Verantwortung“
In einer Stellungnahme erklärte das US-Außenministerium laut Reuters, es übernehme „die volle Verantwortung für die Verwirrung und die falsche Darstellung, die dadurch bei den Teilnehmern, einschließlich unserer afrikanischen Partner, verursacht wurde“. Die Karte sei von einem Teammitglied erstellt worden, das die Folien kurz vor der Veranstaltung hastig geändert habe.
Der Redner bei der Konferenz war Jeff Graham, der oberste US-Gesundheitsgesandte, der das Aids-Hilfsprogramm PEPFAR verantwortet. Er reagierte nicht auf Anfragen. Das Ministerium betonte, die Diskussionen seien trotz der Panne „substanziell und konstruktiv“ gewesen und man bleibe dem Kampf gegen Aids verpflichtet.
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Nicht der erste US-Fehler in Bezug auf Afrika
US-Politiker sind bereits in der Vergangenheit wiederholt durch Verwechslungen und Fehler im Zusammenhang mit afrikanischen Ländern aufgefallen. Besonders bekannt ist eine Panne von Donald Trump.
Bei einem Mittagessen mit afrikanischen Staatschefs am Rande der UN-Generalversammlung im September 2017 sprach er Namibia gleich zweimal als „Nambia" aus – einmal, als er das Staatsoberhaupt des Landes begrüßte, und ein weiteres Mal, als er dessen Gesundheitssystem lobte. Ein Land namens Nambia existiert allerdings nicht – es gibt Sambia und Namibia, aber kein Nambia.
Einer der berühmtesten Ausrutscher von Ex-Präsident George W. Bush lautete: „Afrika ist eine Nation, die unter schrecklichen Krankheiten leidet" – womit er, wie viele andere, verkannte, dass Afrika kein Land, sondern ein Kontinent ist.
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