US-Präsident Donald Trump soll bereits im Juli 2006 den damaligen Polizeichef von Palm Beach, Michael Reiter, über sexuelle Übergriffe von Jeffrey Epstein auf Minderjährige informiert haben. Das geht aus einem bislang unveröffentlichten Protokoll einer FBI-Befragung hervor, in der Reiter den Vorgang im Jahr 2019 schilderte, wie der Miami Herald berichtet.
Demnach rief Trump Reiter an, kurz nachdem erste Ermittlungen gegen Epstein öffentlich geworden waren, und sagte: „Zum Glück stoppen Sie ihn. Jeder wusste, dass er das tut.“ Die Aussage ist in einem vierseitigen FBI-Protokoll aus dem Oktober 2019 dokumentiert, das Teil der Akten des Justizministeriums im Epstein-Komplex ist.
Reiter schilderte den FBI-Agenten zudem, Trump habe Epsteins langjährige Vertraute Ghislaine Maxwell als dessen „operative Kraft“ bezeichnet und erklärt: „Sie ist böse. Konzentrieren Sie sich auf sie.“ Trump habe außerdem gesagt, er habe Epstein aus seinem Club Mar-a-Lago ausgeschlossen und sich sofort entfernt, als er ihn einmal in Anwesenheit minderjähriger Mädchen gesehen habe. Reiter zufolge deutete Trump an, dass Epsteins Umgang mit minderjährigen Mädchen in bestimmten Kreisen in New York und Palm Beach bereits vor den Ermittlungen bekannt gewesen sei.
Die Angaben stehen im Widerspruch zu Trumps öffentlichen Aussagen aus dem Jahr 2019. Damals erklärte er auf Nachfrage zu Epsteins Verbrechen: „Nein, ich hatte keine Ahnung. Ich hatte keine Ahnung.“
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Keine unabhängigen Belege für Anruf Trumps
Ein FBI-Vertreter erklärte dem Miami Herald, es gebe keine unabhängigen Belege dafür, dass Trump im Jahr 2006 tatsächlich Kontakt mit der Polizei aufgenommen habe. Die Angaben beruhen auf der Aussage des damaligen Polizeichefs Reiter, der dem Blatt bestätigte, dass er den angeblichen Anruf 2019 in einem FBI-Interview geschildert hatte.
Das FBI-Befragung kam zustande, nachdem Reiter dem Bureau bislang unbekannte Ermittlungsunterlagen aus dem Epstein-Verfahren übergeben hatte, darunter digitale Kopien eines beschlagnahmten Laptops. Die Befragung konzentriert sich überwiegend auf den Verlauf der Ermittlungen der Polizei von Palm Beach, die 2003 begannen und 2005 nach der Aussage einer 14-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs deutlich ausgeweitet wurden.
Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Maxwell erneut im Fokus des US-Kongresses steht. Die zu 20 Jahren Haft wegen sexuellen Menschenhandels verurteilte Britin verweigerte am Montag vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses die Aussage. Ihr Anwalt erklärte, Maxwell sei zu einer Aussage bereit, sollte Präsident Trump ihr Begnadigung gewähren.
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