Der italienische Sportwagenhersteller Ferrari hat sein erstes vollelektrisches Auto präsentiert. Das Modell mit dem Namen Luce soll laut dem Unternehmen rund 640.000 US-Dollar kosten und wurde gemeinsam mit der Designagentur LoveFrom des früheren Apple-Designchefs Jony Ive entwickelt.
Der Schritt gilt als Zäsur für eine Marke, die jahrzehntelang fast ausschließlich für laute Zwölfzylinder-Motoren, Benzingeruch und klassische Supersportwagen stand. Der Luce unterscheidet sich deutlich von bisherigen Ferrari-Modellen: Er ist der erste vollelektrische Ferrari – und zugleich der erste echte Fünfsitzer der Firmengeschichte.
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Ferrari setzt auf Elektro – trotz Krise vieler Hersteller
Ferrari-Chef Benedetto Vigna erklärte bei der Präsentation in Rom laut BBC, das Fahrzeug sei über fünf Jahre entwickelt worden. Luce bedeutet auf Italienisch „Licht“. Der Wagen verfügt demnach über vier Elektromotoren – jeweils einen pro Rad – und beschleunigt in etwa 2,5 Sekunden auf knapp 100 Kilometer pro Stunde. Die Energie liefert eine 122-Kilowatt-Batterie – sie macht das Auto zum schwersten Modell von Ferrari jemals, es wiegt 2,26 Tonnen.
Besonders bemerkenswert: Während andere Luxusmarken ihre Elektropläne zuletzt zurückfuhren, geht Ferrari nun offensiv in die entgegengesetzte Richtung. Rivalen wie Lamborghini und Porsche hatten ihre Strategien zuletzt wegen schwacher Nachfrage und wachsender Konkurrenz aus China teilweise korrigiert. Porsche kappte seine Elektroziele, Lamborghini setzte wieder stärker auf Hybridmodelle.
Auch politische Veränderungen spielen eine Rolle. In den USA reduzierte Präsident Donald Trump staatliche Anreize für Elektroautos deutlich. Mehrere große Hersteller wie Ford oder Volkswagen investieren deshalb wieder stärker in klassische Verbrenner.
Fans reagieren gespalten
Im Internet löste der neue Ferrari heftige Reaktionen aus. Auf X und in Auto-Foren warfen Kritiker dem Unternehmen vor, mit dem Luce seine eigene Markenidentität zu beschädigen. Mehrere Beiträge bezeichneten den Schritt als „Marken-Selbstmord“ oder zogen Parallelen zur umstrittenen Elektro- und Design-Neuausrichtung von Jaguar, die bereits 2024 massive Debatten ausgelöst hatte.
Die Diskussion knüpft an frühere Debatten um den Kurs des italienischen Autobauers an. Ferrari hatte sich zuletzt stärker zu Diversitäts- und Inklusionsthemen bekannt und damit bereits konservative Kritiker in sozialen Netzwerken provoziert.
Einige Nutzer verglichen das Design des Luce mit deutlich günstigeren Elektroautos wie dem Nissan Leaf oder Modellen von Kia. Andere spotteten, der Wagen sehe eher wie ein „Apple-Car-Projekt“ aus als wie ein Ferrari. Business Insider sprach von einem regelrechten „Roasting“ des neuen Modells im Netz.
Auch an der Börse blieb die Präsentation nicht folgenlos. Nach der Vorstellung des Luce geriet die Ferrari-Aktie unter Druck. MarketWatch und Barron’s berichteten über Skepsis von Investoren gegenüber Ferraris radikalem Kurswechsel.
Ferraris Designchef Flavio Manzoni sagte in einem Interview mit der YouTuberin Cleo Abram, Polarisierung sei Teil jeder Innovation. Viele Kritiker würden ihre Meinung in einigen Monaten ändern. Ferrari betont zugleich, auch künftig weiter Benzin- und Hybridmodelle anzubieten. Damit versucht die Marke offenbar, traditionelle Kundschaft nicht zu verlieren.
Luxusbranche unter Druck
Ferrari gilt trotz der Turbulenzen weiter als wertvollster Autobauer Europas. Das Unternehmen verkauft bewusst nur kleine Stückzahlen und schützt so die Exklusivität seiner Fahrzeuge. Dennoch verlor die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten mehr als ein Viertel ihres Wertes. Hintergrund ist unter anderem die weltweit schwächere Nachfrage nach Luxusgütern infolge hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit.
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