Fußball-Machtkampf

Boykottdrohung wirkt: Infantino knickt ein und stoppt Investorenplan

Vier Tage nach der Vorstellung zieht der Fifa-Präsident sein Projekt zurück. Europas Verbände hatten mit einem Boykott gedroht, aus der Führungsetage kam offener Widerstand.

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Fifa-Präsident Gianni Infantino

Fifa-Präsident Gianni Infantino

© DeFodi.de/imago

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat seine Pläne für den Einstieg privater Investoren bei den wichtigsten Wettbewerben des Weltverbandes aufgegeben. Das teilte die Fifa in der Nacht zu Samstag mit. Die Kehrtwende folgt auf eine Boykottdrohung sämtlicher europäischer Verbände und offene Kritik aus Infantinos eigener Führungsetage.

Nachdem die Fifa „alle Standpunkte aufmerksam angehört“ habe, sei deutlich geworden, dass das Projekt „zu Spaltungen geführt“ habe, erklärte Infantino. Diese seien unabhängig von der möglichen Unterstützung nicht mehr im Interesse des ursprünglich verfolgten Ziels.

„Unser Ziel war es stets, und wird es auch immer bleiben, zu vereinen und zu verbessern“, sagte der Fifa-Präsident. Der Vorschlag werde deshalb nicht weiterverfolgt.

Alle 55 Uefa-Verbände drohten mit Fifa-Boykott

Der Druck auf Infantino war innerhalb weniger Tage massiv gestiegen. Am Donnerstag beschlossen die 55 Mitgliedsverbände der Uefa bei einer Krisensitzung einstimmig, keine Mannschaften mehr zu Wettbewerben der Fifa zu schicken, solange die Investorenpläne bestehen bleiben.

Der Boykott hätte bereits die U20-Weltmeisterschaft der Frauen treffen können, die am 5. September in Polen beginnt. Sechs europäische Mannschaften sind für das Turnier qualifiziert. Später wären auch die Frauen-WM 2027 und weitere Nachwuchsturniere betroffen gewesen.

Die Verbände aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik lehnten Infantinos Vorhaben ebenfalls ab. Auch die Asiatische Fußball-Konföderation stellte sich gegen den Plan. Anders als die Uefa kündigten Concacaf und AFC jedoch keinen Boykott an.

Fifa wollte 4,2 Milliarden US-Dollar von Investoren

Die Fifa hatte erst am Dienstag die Gründung der Tochtergesellschaft Fifa Forward Enterprise angekündigt. In dem Unternehmen sollten die kommerziellen Rechte des Weltverbandes und die Organisation seiner Turniere gebündelt werden. Dazu zählen nach Fifa-Angaben unter anderem Übertragungsrechte, Sponsoring, Tickets und Lizenzen.

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Die neue Gesellschaft sollte zunächst mit 20 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Private Investoren sollten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen und dafür bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar zahlen. Die Fifa versicherte, sie werde die Kontrolle über das Unternehmen und sämtliche sportlichen Entscheidungen behalten.

Mit dem Geld wollte Infantino die Zahlungen an die nationalen Verbände deutlich erhöhen. Für den Förderzeitraum von 2027 bis 2030 sollte die reguläre Unterstützung nach Fifa-Angaben von acht Millionen auf 20 Millionen US-Dollar je Verband steigen. Teilnehmende Verbände sollten Medienberichten zufolge zudem Zugriff auf weitere Millionensummen erhalten.

Infantino hatte den 211 Mitgliedsverbänden eine Entscheidungsfrist bis zum 19. September gesetzt. Eine einfache Mehrheit hätte für die Umsetzung des Vorhabens ausgereicht.

Chefberater nennt Investorenplan „schlecht für den Fußball“

Am Freitag erreichte der Widerstand auch Infantinos engstes Umfeld. Sein leitender Berater Carlos Cordeiro trat mit sofortiger Wirkung zurück. Er könne nicht tatenlos zusehen, während die Fifa erwäge, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen, erklärte der frühere Investmentbanker laut Reuters.

Cordeiro bezeichnete das Vorhaben als „schlecht für den Fußball“. Die Fifa verfüge bereits über Milliardenreserven und habe keine Schulden. Es ergebe daher wenig Sinn, dauerhaft Anteile am wertvollsten Vermögenswert des Weltverbandes abzugeben, um 4,2 Milliarden US-Dollar einzunehmen.

Auch Fifa-Geschäftsführer Kevin Lamour griff das Vorhaben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP öffentlich an. Er bezeichnete es als Projekt einer einzelnen Person und warf Infantino vor, Mitarbeiter bei den monatelangen Vorbereitungen nicht ausreichend informiert zu haben.

Infantino kündigte nach dem Rückzug an, die beteiligten Verbände und Funktionäre in den kommenden Wochen wieder zusammenbringen zu wollen. Ziel bleibe es, den Fußball besonders in Ländern zu fördern, die Unterstützung am dringendsten benötigten. Der Investorenplan Fifa Forward Enterprise ist jedoch vom Tisch.

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