BERLIN. Nachdem Berlin vor knapp zwei Wochen vor dem Bundesverfassungsgericht mit einer Klage auf Sanierungshilfen gescheitert war, kann sich die Stadt zumindest wieder auf die Unternehmen verlassen: "Die Wirtschaft brummt", sagte der Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, gestern. "Wir erwarten in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent." Wie die jüngste, gemeinsam von IHK und Handwerkskammer vorgelegte Herbst-Konjunkturumfrage unter 1 400 Unternehmen belegt, habe die Wirtschaft nach dem Sommerloch nur wenig an Intensität verloren. "Das macht Laune", konstatierte Eder sichtlich erleichtert. Verständlich: Schließlich hatte die Hauptstadt-Wirtschaft zuletzt im Jahr 2000 ein Wachstum verzeichnet, damals war die Messgröße, das so genannte Bruttoinlandsprodukt, um 1,1 Prozent gestiegen.Baugewerbe aus der KriseAuch im nächsten Jahr werde sich der positive Trend wohl fortsetzen. Allerdings sei für 2007 - vor allem wegen der Erhöhung der Mehrwert- und Grunderwerbssteuer sowie der geplanten Reformen im Gesundheits- und Sozialbereich - mit etwas weniger Dynamik zu rechnen. Besonders erfreulich sei, dass sich das Wachstum auch auf die Beschäftigungslage auswirke. So wollten 27 Prozent der befragten Unternehmen mehr Personal einstellen, nur noch 18 Prozent planten einen Stellenabbau. Dennoch gebe es keinen Anlass zu glauben, die hohe Arbeitslosigkeit könne substanziell abgebaut werden.Der Geschäftsklima-Index, der die Einschätzung der Unternehmen über die aktuelle Lage und die Erwartungen abbildet, sei innerhalb eines Jahres um zwölf auf 122 Punkte gestiegen. Dies sei der höchste Herbst-Wert seit Jahren, wenngleich der Rekordwert vom Sommer nicht erreicht wurde: Da hatte der Index mehr als 140 Punkte erreicht. 42 Prozent der Betriebe schätzten der Umfrage zufolge ihre Lage als gut ein, 13 Prozent als schlecht. Auch bei den Geschäftserwartungen überwogen mit 32 zu 16 Prozent die positiven Stimmen.Im Handwerk sei das Konjunkturbarometer sogar auf ein Zehn-Jahres-Hoch geklettert, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Thomas Dohmen. Großen Anteil daran hatte das Baugewerbe. 40 Prozent der Firmen bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, nur 20 Prozent als schlecht. Vor einem Jahr war die Situation noch umgekehrt: Da hatten lediglich zehn Prozent ihre Geschäftslage als gut bezeichnet, während sich 34 Prozent negativ geäußert hatten. Vor allem von der Fußball-WM und dem warmen Wetter profitierte das Gastgewerbe. 62 Prozent der Betriebe nannten ihre Geschäftslage positiv, nur fünf Prozent haben geklagt.Der konjunkturelle Aufschwung sei vor allem auf externe Faktoren wie die weltwirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen, sagte Eder. "Aus eigener Kraft schafft Berlin keinen Aufschwung." Dafür sei die Stadt wirtschaftlich zu schwach: "Bei allem Erfolg wissen wir, von welchem Niveau wir kommen."Nach wie vor hinke die Berliner Wirtschaft der in anderen Bundesländern hinterher, "auch wenn wir den Abstand etwas verkürzen konnten". Um auf diesem Wege voranzukommen, müssten sich die Rahmenbedingungen weiter ändern. Unter anderem sprach sich Eder für die Privatisierung der landeseigenen Betriebe und der Wohnungsbaugesellschaften aus. Vordringlich sei zudem die Straffung der Verwaltung, die von Unternehmern regelmäßig die schlechteste Note unter allen Bundesländern erhalte.Berlin brauche eine Verwaltung, die schneller reagieren kann, forderte Eder. Das Mitspracherecht der Bezirke müsse erheblich eingeschränkt werden.------------------------------Großer Rückstand zu anderen LändernGrafik: (3) Umfrage: Die Mehrzahl der Berliner Firmen sieht ihre derzeitige Geschäftslage so gut wie lange nicht. Die Berliner Wirtschaft wird deshalb in diesem Jahr erstmals seit dem Jahr 2000 wieder wachsen, voraussichtlich um mehr als ein Prozent.Vergleich: Verglichen mit anderen Bundesländern hinkt Berlin mit seiner Wirtschaftsleistung jedoch immer noch hinterher. So rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr für ganz Deutschland mit 2,3 Prozent Wachstum.------------------------------Foto: Berlin ist kein Mekka großer Konzerne. Die Hoffnungen ruhen auf kleinen Spitzenfirmen wie die LTB Lasertechnik.
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