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Russland

Wagner-Gruppe bestätigt: Prigoschin bei Flugzeugabsturz getötet (Video)

Ein Privatflugzeug ist am Mittwoch zwischen Moskau und St. Petersburg abgestürzt. Alle Insassen kamen ums Leben. Prigoschins Leiche wurde wohl identifiziert. Die Wagner-Gruppe erhebt schwere Vorwürfe.

Team News Alexander Schmalz Katerina Alexandridi Mike Wilms
4 Min
Der Chef der Wagner-Gruppe Jewgeni Prigoschin

Der Chef der Wagner-Gruppe Jewgeni Prigoschin

© imago images

Ein Geschäftsflugzeug des Typs Embraer Legacy (Hecknummer RA-02785) ist am Mittwochabend in der russischen Region Twer abgestürzt – alle Menschen an Bord kamen laut russischem Katastrophenschutzministerium ums Leben. Im Flugzeug saß auch Jewgeni Prigoschin, der Chef der Söldnergruppe Wagner. Die Privatmaschine stürzte in der Nähe des Dorfes Kujenkino nordwestlich von Moskau ab.

Wie die Luftfahrtbehörde Rosawiazija zunächst mitteilte, standen die Namen von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin sowie von dessen Vize Dimitri Utkin auf der Passagierliste. Auch auf Prigoschins offiziellem Telegram-Kanal hieß es, dass er unter den Todesopfern sei. Der Wagner-Chef sei am heutigen Mittwoch mit dem Führungsstab seiner Privatarmee nach Russland gereist. 

Die endgültige Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten. Das für gewöhnlich sehr gut informierte Portal Fontanka aus St. Petersburg meldete kurz nach 20 Uhr, dass Prigoschin definitiv an Bord des abgestürzten Flugzeugs gewesen sei. Danach bestätigten auch Mitglieder der Kommandoebene der Wagner-Gruppe im Internet, dass Jewgeni Prigoschin und sein Vize Utkin getötet worden seien. Schließlich verbreitete auch der staatliche Nachrichtensender Rossija 24 die Todesmeldung. Wie Tsargrad TV kurze Zeit später berichtete, seien die Leichen von Prigoschin und Utkin mittlerweile identifiziert worden. 

Wagner-Gruppe: Flugzeug wurde von Russen abgeschossen 

Im Telegram-Kanal „Grey Zone“ der Wagner-Gruppe war der Vorwurf zu lesen, dass die Maschine gezielt abgeschossen worden sei – und zwar von der russischen Flugabwehr. Es hieß, es seien zwei Flugzeuge der Privatarmee Wagner in der Luft gewesen. Das zweite habe auf dem Flug nach St. Petersburg kehrt gemacht und sei im Flughafen Ostafjewo südlich von Moskau gelandet. Überprüfbar war die Behauptung eines Abschusses nicht.

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Ein ranghoher Kommandeur der Wagner-Gruppe erklärte: „Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, Leiter der Wagner-Gruppe, Held Russlands, ein wahrer Patriot seines Vaterlandes, starb durch die Taten von Verrätern an Russland. Aber selbst in der Hölle wird er der Beste sein! Ruhm für Russland!“

„Die Embraer-Maschine war auf dem Weg von Scheremetjewo nach St. Petersburg. Es befanden sich drei Piloten und sieben Passagiere an Bord. Sie sind alle ums Leben gekommen“, sagte ein Sprecher des russischen Katastrophenschutzes der Agentur TASS. Ihm zufolge ereignete sich der Absturz in der Nähe des Dorfes Kushenkino. Die Rettungsdienste teilten TASS mit, dass zunächst die Leichen von vier Menschen gefunden wurden. Ein Sprecher fügte hinzu, dass das Flugzeug beim Aufprall auf den Boden verbrannte, insgesamt war es weniger als eine halbe Stunde in der Luft. Rosaviatsia hat eine Untersuchung des Flugzeugabsturzes eingeleitet.

Auf mehreren angeblich mit der Wagner-Gruppe in Verbindung stehenden Telegram-Kanälen wurden Videos verbreitet. Sie zeigten brennende Trümmer auf einem Feld oder ein vom Himmel fallendes Flugzeug. Rettungskräfte hätten bereits mit der Bergung begonnen, während Ermittler die Absturzstelle untersuchten, hieß es. 

Die Wagner-Gruppe hatte im Juni kurzzeitig gegen Staatschef Wladimir Putin rebelliert. Prigoschin hatte bis dahin lange als enger Vertrauter Putins gegolten. Später stellte er sich offen gegen die russische Militärführung. Als nun die Nachricht vom Absturz des Flugzeugs kam, meinten Kommentatoren in Moskau, es könne sich um Rache der beiden Militärs gehandelt haben. Auch mehrere Generäle, die auf Linie waren mit Prigoschin, wurden zuletzt abgesetzt oder sind von der Bildfläche verschwunden – ohne Erklärung.

Niemand sonst in Russland traute sich solche Kritik wie Prigoschin, für die einfache Bürger zu hohen Haftstrafen verurteilt werden. Es gehe ihm darum, dass die Armee mit Würde und Stolz ihre Aufgaben erfüllen könne – und nicht in einem System von „Speichelleckerei, Kriecherei und Verantwortungslosigkeit“, sagte er einmal. Der Söldnerchef kritisierte zudem, dass die Staatsmedien die Erfolge Wagners schmälerten oder sogar verschwiegen. Das Wort Wagner werde in den Medien „sorgfältig ausradiert“ – wie Genitalien in einem Film übers Saunieren, sagte er.

Bekannt war Prigoschin aber auch als skrupelloser Unternehmer mit krimineller Vergangenheit. Er und Putin kannten sich lange. Als der heutige Präsident noch in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb ist der Russe, der mehrere Jahre wegen Raubs in Haft saß, auch als „Putins Koch“ bekannt.


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