Flug FZ1073

Neue Details zum Flydubai-Drama: Copilot soll sich gezielt beworben haben – um Jet abstürzen zu lassen

Neue Ermittlungsdetails erhärten den Terrorverdacht bei Flug FZ1073. Der Copilot soll den Angriff lange vorbereitet und schon früher einen ähnlichen Plan verfolgt haben.

5 Min
Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv am 30. September: Ein Ersatzflugzeug bringt die Passagiere von FZ1073 nach der Umleitung nach Israel.

Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv am 30. September: Ein Ersatzflugzeug bringt die Passagiere von FZ1073 nach der Umleitung nach Israel.

© Nir Keidar/imago

Der Copilot von Flydubai-Flug FZ1073 wollte die Boeing 737 Max offenbar gezielt in den Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv stürzen. Das berichten Reuters und BBC am Montag unter Berufung auf Quellen mit Kenntnis der Ermittlungen. Damit verdichten sich erstmals konkrete Hinweise auf das mutmaßliche Anschlagsziel des Mannes.

Nach Informationen von Reuters sagte der Copilot bei Vernehmungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus, den Angriff bereits geplant zu haben, bevor Flydubai ihn einstellte. Zwei israelische Regierungsvertreter mit Kenntnis der Untersuchung erklärten der Nachrichtenagentur, der Mann habe gezielt nach Fluggesellschaften gesucht, die Tel Aviv anfliegen, und sich danach bei Flydubai beworben.

Eine dritte Quelle, die über die Ermittlungen in den Emiraten informiert wurde, sagte Reuters, Ziel des Angriffs vom 30. September sei der Ben-Gurion-Flughafen gewesen. Der Copilot habe zudem bereits bei einem früheren Flug nach Tel Aviv in diesem Jahr vorgehabt, die Maschine zu entführen und zum Absturz zu bringen. Diesen Plan habe er damals nicht umgesetzt. Als möglicher Grund gilt laut der Quelle, dass sich eine ihm bekannte Person an Bord befand.

Copilot wollte offenbar bis nach Israel weiterfliegen

Die BBC berichtet unter Berufung auf israelische Medien und mit der Untersuchung vertraute Quellen über weitere Details des mutmaßlichen Plans. Demnach wollte der Copilot nach dem Angriff auf Kapitän Smit Machchhar zunächst unauffällig weiter in Richtung Israel fliegen und eine reguläre Landeerlaubnis für Ben Gurion erhalten. Erst anschließend sollte die Maschine gezielt zum Absturz gebracht werden. Als mögliches Ziel nennen die Berichte neben dem Flughafen auch ein Hochhaus im Zentrum von Tel Aviv.

Für diese weitergehenden Einzelheiten gibt es bislang keine öffentliche Bestätigung der emiratischen Ermittlungsbehörden. Auch Reuters nennt beim konkreten Ziel Ben Gurion eine anonyme Quelle. Die Behörden der Emirate und Israels sowie Flydubai reagierten zunächst nicht auf entsprechende Anfragen der Nachrichtenagentur.

Indiens Premierminister Narendra Modi spricht per Videoschalte mit Kapitän Smit Machchhar. Der Pilot wurde bei dem Angriff an Bord von FZ1073 verletzt und in Saudi-Arabien behandelt.

Indiens Premierminister Narendra Modi spricht per Videoschalte mit Kapitän Smit Machchhar. Der Pilot wurde bei dem Angriff an Bord von FZ1073 verletzt und in Saudi-Arabien behandelt.

© Ani/imago

Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate hat inzwischen jedoch offiziell bestätigt, dass die bisherigen Ermittlungen von einem geplanten Terrorakt ausgehen. Generalstaatsanwalt Hamad Saif Al Shamsi erklärte am 3. Oktober über die staatliche Nachrichtenagentur WAM, der Copilot habe begonnen, seinen Plan umzusetzen, den Kapitän mit einer Notfallaxt angegriffen und versucht, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. Motiv, Hintergründe und mögliche Verbindungen des Mannes würden weiter untersucht.

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Israels Terrorvorwurf war zunächst nicht bestätigt

Die neuen Erkenntnisse sind auch deshalb bemerkenswert, weil israelische Regierungsvertreter bereits unmittelbar nach dem Vorfall deutlich weiter gegangen waren als die damaligen Ermittlungsbehörden.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und andere israelische Politiker erklärten schon am 30. September, der Copilot habe die Maschine offenbar zum Absturz bringen wollen. Flydubai warnte zu diesem Zeitpunkt dagegen ausdrücklich vor voreiligen Spekulationen, die Vereinigten Arabischen Emirate sprachen zunächst lediglich von einem Sicherheitsvorfall. Auch das Motiv war nach damaligen Angaben noch offen.

Erst zwei Tage später stuften die Emirate den Angriff offiziell als versuchten Terrorakt ein. Die jetzt von Reuters veröffentlichten Angaben aus dem Umfeld der UAE-Ermittlungen stützen erstmals auch Teile der israelischen Darstellung über einen geplanten gezielten Absturz. Nicht offiziell bestätigt ist weiterhin, ob Ben Gurion tatsächlich das endgültige Anschlagsziel war oder ob weitere Ziele erwogen wurden.

Eine Sandskulptur im indischen Puri ehrt Kapitän Smit Machchhar. Der Pilot hatte trotz seiner Verletzungen dazu beigetragen, dass FZ1073 sicher landen konnte.

Eine Sandskulptur im indischen Puri ehrt Kapitän Smit Machchhar. Der Pilot hatte trotz seiner Verletzungen dazu beigetragen, dass FZ1073 sicher landen konnte.

© Ani/imago

Oman Air hatte Copiloten zuvor aus dem Flugbetrieb genommen

Der Fall wirft zugleich immer mehr Fragen zu den Sicherheitskontrollen bei Flydubai auf. Wie bereits berichtet, war der Copilot zuvor bei Oman Air aus dem Flugbetrieb genommen worden. AP zufolge bestanden dort Sorgen, er habe extremistische Ansichten entwickelt. Er wurde demnach auf einen Verwaltungsposten versetzt. Später stellte Flydubai ihn ein. Wie umfassend seine Vergangenheit dabei geprüft wurde, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

AP berichtet zudem, bisher seien bei den Ermittlungen keine Verbindungen zu einer militanten Organisation festgestellt worden. Netanjahu hatte dagegen öffentlich von einer islamistischen Radikalisierung gesprochen, dafür zunächst aber keine Belege vorgelegt.

Der Name des mutmaßlichen Angreifers wurde von den Emiraten und Flydubai bislang nicht offiziell veröffentlicht. Reuters und AP identifizieren ihn unter Berufung auf mehrere mit dem Fall vertraute Quellen als den omanischen Staatsbürger Hamam al-Hammami. Er befindet sich inzwischen in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Gewahrsam. Formelle Anklagepunkte wurden bislang nicht bekanntgegeben.

Ein Passagier mit Blutspuren auf seiner Kleidung an Bord von FZ1073 am 30. September. Nach dem Angriff im Cockpit wurde die Maschine nach Saudi-Arabien umgeleitet.

Ein Passagier mit Blutspuren auf seiner Kleidung an Bord von FZ1073 am 30. September. Nach dem Angriff im Cockpit wurde die Maschine nach Saudi-Arabien umgeleitet.

© Xinhua/imago

Kapitän öffnete schwer verletzt die Cockpittür

Der Angriff ereignete sich am 30. September auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv. Nach Angaben der emiratischen Staatsanwaltschaft attackierte der Copilot Kapitän Smit Machchhar mit der im Cockpit aufbewahrten Notfallaxt und versuchte, die Kontrolle über die Boeing zu übernehmen. Die Maschine verlor daraufhin innerhalb einer halben Minute etwa 4200 Meter Höhe.

Dem schwer verletzten Machchhar gelang es, die verriegelte Cockpittür zu öffnen. Passagiere und Besatzungsmitglieder überwältigten daraufhin den Copiloten. Ein als Passagier mitreisender Flydubai-Pilot übernahm schließlich das Flugzeug und landete es sicher im saudi-arabischen Tabuk. An Bord befanden sich nach AP-Angaben 182 Menschen.

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