Kunden der Thüringer Energie AG (Teag) müssen sich auf spürbar höhere Gaspreise einstellen. Vorstandssprecher Stefan Reindl erklärte am Mittwoch bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Erfurt: „Wir sind im Krisenmodus unterwegs.“ Kunden mit bestehenden, längerfristigen Verträgen zahlen vorerst weiter den vereinbarten Preis. Neu abgeschlossene Lieferverträge für Gas könnten allerdings bis zu doppelt so teuer werden wie bisher.
Hintergrund der Preisentwicklung ist der anhaltende Iran-Krieg, der die Gaspreise auf dem Weltmarkt bereits verdoppelt hat. In der ersten Zeit nach Kriegsbeginn konnte die Teag noch auf Vorräte zurückgreifen, doch nun muss das Unternehmen schrittweise Gas zu den aktuellen Marktpreisen zukaufen. Reindl warnte, dass sich die Lage weiter verschärfen werde, sollte der Konflikt im Nahen Osten andauern. Anders als während der Gaskrise 2022 bestehe zwar keine Gasmangellage, doch das Auffüllen der Gasspeicher – üblicherweise im Frühjahr mit günstigem Gas – müsse nun zu deutlich schlechteren Konditionen erfolgen. Die Folgen könnten Verbraucher im kommenden Winter zu spüren bekommen.
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Die abgerufenen Reserven, die den Preisanstieg bislang noch abfedern, seien demnächst aufgebraucht, so Reindl. Das für 2027 benötigte Gas sei weitgehend vertraglich gebunden, doch die Verhandlungen für 2028 stünden bevor. Ohne ein schnelles Kriegsende rechnet der Energiemanager mit inflationären Auswirkungen für die kommenden drei Jahre.
Strompreis hat sich vom Gaspreis entkoppelt
Beim Strom sieht die Lage vorerst anders aus. Der Strompreis habe sich vom Gaspreis abgekoppelt und sei bisher nur moderat gestiegen. „Der Strommarkt hat sich gut vom Gasmarkt entkoppelt – den erneuerbaren Energien sei Dank“, sagte Reindl. Sollten der Iran-Krieg und die Sperrung der Meerenge von Hormus jedoch länger andauern, könnte auch der Strompreis nachziehen.
Trotz der angespannten Lage legte die Teag eine solide Jahresbilanz vor. Der größte Thüringer Energieversorger mit rund einer halben Million Kunden und knapp 2.400 Beschäftigten erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro – ein leichter Rückgang um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bedingt durch gesunkene Marktpreise. Der Gewinn nach Steuern stieg auf 79,6 Millionen Euro nach 76,1 Millionen Euro im Vorjahr. Die rund 600 Kommunen, die knapp 85 Prozent der Teag-Anteile halten, können mit einer Dividende von mindestens 23 Euro pro Aktie rechnen. Der Kredit für den Kauf der Unternehmensanteile – mehr als eine halbe Milliarde Euro – werde im Herbst dieses Jahres vollständig getilgt sein, kündigte Reindl an.
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Mit rund 300 Millionen Euro erreichten die Investitionen ein Rekordniveau. Das Geld floss vor allem in den Ausbau und die Modernisierung der Energie- und Kommunikationsnetze: 110 Millionen Euro ins Stromnetz, 11,5 Millionen Euro ins Gasnetz und 65,1 Millionen Euro in die Telekommunikationsinfrastruktur, etwa in den Breitbandausbau. Auch für das laufende Jahr seien ähnlich hohe Investitionen geplant. Insgesamt habe die Teag im Vorjahr mehr als 400 Millionen Euro an Wertschöpfung in Thüringen erbracht und sei damit der größte Steuerzahler im Freistaat.
Bedrohungslage hat sich verschärft
Vorstand Andreas Roß erklärte zudem, dass das Unternehmen verstärkt in die Sicherheit seiner Systeme investiere – auch als Reaktion auf den Anschlag in Berlin mit tagelangem Stromausfall zu Jahresbeginn. „Die Bedrohungslage hat sich verschärft – auch bei uns. Berlin hat das Krisenbewusstsein nachhaltig verändert“, sagte Roß. Die Zahl der Drohnenüberflüge, Einbrüche, Cyberangriffe und Kabeldiebstähle habe zugenommen. Am Konzernsitz in Erfurt werde die Sicherheitsstufe erhöht. Geplant seien unter anderem die Anschaffung weiterer Notstromaggregate, das Verlegen zusätzlicher Leitungen an neuralgischen Punkten sowie eine Reduzierung öffentlich zugänglicher Daten zur kritischen Infrastruktur. Auch die Gespräche mit der Landesregierung über den möglichen Bau von Reservekraftwerken würden fortgesetzt, da Thüringen trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien stark auf Energieimporte angewiesen sei.
Noch Anfang März hatten Gasversorger in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kurzfristige Preissprünge für Verbraucher ausgeschlossen. André Ludwig, Geschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen in Thüringen, hatte damals erklärt: „Dass jetzt morgen für alle Kunden die Gaspreise hochgehen, nur weil am Golf eine Gaskrise eintritt, das wird nicht eintreten.“ Stadtwerke kauften Gas langfristig ein, Auswirkungen träten verzögert ein. Auch der Versorger SachsenEnergie hatte betont, dass alles Gas für 2026 bereits bezahlt sei. Ob die Preise 2027 steigen, hänge von der Dauer des Konflikts ab. Einen Monat später zeichnet sich nun ab, dass genau dieses Szenario Realität wird.
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