Energiekrise

2026: Das letzte Jahr mit stabilen Gaspreisen in Thüringen?

Die Gaspreise in Thüringen bleiben einer Umfrage zufolge 2026 stabil. Doch bereits ab 2027 könnte es für Verbraucher deutlich teurer werden.

OAZ
5 Min
Viele Menschen Sorgen sich angesichts der steigenden Energiepreise.

Viele Menschen Sorgen sich angesichts der steigenden Energiepreise.

© Wolfgang Maria Weber/IMAGO

Verbraucher in Thüringen können vorerst aufatmen: Die Gaspreise werden bis Ende 2026 voraussichtlich stabil bleiben. Das geht aus einer Umfrage von MDR Thüringen unter regionalen und überregionalen Energieversorgern hervor. Ab 2027 hingegen ist die Preisentwicklung ungewiss – und mehrere Faktoren deuten auf steigende Kosten hin.

Der Grund für die derzeit stabile Lage: Die Energieversorger haben die benötigten Gasmengen für das laufende Jahr bereits frühzeitig am Markt eingekauft. Die Stadtwerke Gotha, Mühlhausen und Sondershausen bestätigten, dass die Preise deshalb bis Jahresende gehalten werden können. Auch die Thüringer Energie AG erklärte, kurzfristige Schwankungen an den Börsen schlügen sich dank dieser Strategie nicht auf die Endkundenpreise nieder. Zu den Gaspreisen für 2027 wollen sich die meisten Energieversorger allerdings noch nicht festlegen. So hieß es von den Licht- und Kraftwerken Sonneberg, darüber werde erst zum Jahresende entschieden.

Ähnlich äußerten sich auch überregionale Anbieter. Ein Sprecher von EnBW erklärte, das Unternehmen kaufe die für Bestandskunden benötigte Energie lange im Voraus ein – ein Vorgehen, das Kunden bereits während der Energiekrise 2021/2022 vor massiven Preissprüngen geschützt habe. Lediglich für Neukunden, deren Bedarf nicht vorab planbar sei, orientierten sich die Preise an den aktuellen Börsennotierungen. Für diese haben sich die Preise tatsächlich verteuert. Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox haben sich die günstigsten Neuverträge innerhalb weniger Tage im bundesweiten Schnitt um 1,2 Cent pro Kilowattstunde verteuert. „Das entspricht einem Anstieg von rund 15 Prozent“, sagte ein Sprecher.

Nahost-Krieg nur bei langer Dauer relevant

„Bestandskunden müssen vorerst keine Gaspreiserhöhungen befürchten“, sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Grund für den Preisanstieg bei Neukunden sind geopolitische Spannungen, insbesondere der Krieg im Iran, der für Nervosität an den Energiemärkten sorgt. Die befragten Versorger geben sich jedoch gelassen – zumindest solange die Lage nicht über einen längeren Zeitraum eskaliert. Der Energieversorger EWE erklärte laut t-online, weder für Bestands- noch für Grundversorgungskunden seien kurzfristig Preiserhöhungen nötig. Allerdings warnte das Unternehmen: „Wenn wir dauerhaft höhere Gaspreise auf dem Weltmarkt haben, dann müssten wir diese Kosten in der Beschaffung etwas zeitversetzt an die Kunden weitergeben – das gilt dann für alle Energieversorger.“ Entscheidend sei dabei der Fortlauf und das Ausmaß des Konflikts. „Dabei geht es eher um Monate als um Wochen“, so EWE.

Eon bestätigte diese Einschätzung und erklärte, kurzfristige Schwankungen würden durch die eigene Beschaffungsstrategie abgefedert. Langfristig sei jedoch abzuwarten, wie sich die geopolitische Lage in den kommenden Monaten entwickelt. Bei den Preisen für 2027 sei zwar ebenfalls ein Anstieg erkennbar, dieser falle bislang aber „deutlich geringer aus“. Vattenfall verwies auf bestehende Preisgarantien innerhalb der jeweiligen Mindestvertragslaufzeiten und erklärte, langfristige Auswirkungen seien „schwer vorherzusagen“. Mainova teilte mit, eine Prognose sei aktuell nicht möglich, da sich Preisschwankungen am Großhandelsmarkt „in der Regel erst mit Verzögerung“ auf die Endkundenpreise auswirkten.

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Während die geopolitischen Risiken für die Gaspreise derzeit als beherrschbar gelten, zeichnet sich ab 2027 allerdings eine strukturelle Verteuerung ab. Der Grund: der Start des neuen europäischen Emissionshandelssystems ETS 2, das erstmals auch den Bereich Heizen und Verkehr erfasst. Bisher wurde der CO₂‑Preis in Deutschland staatlich festgelegt – er stieg von 30 Euro pro Tonne im Jahr 2023 auf 45 Euro Anfang 2024, mit geplanten Erhöhungen auf 55 Euro ab 2025 und 65 Euro ab 2026.

CO₂‑Preis als potenzieller Kostentreiber

Ab 2027 entfällt diese staatliche Preisfestlegung. Stattdessen bildet sich der CO₂‑Preis dann über Angebot und Nachfrage am Markt. Da die Menge der verfügbaren Emissionszertifikate begrenzt ist, rechnen Experten mit einem deutlichen Preisanstieg. Laut Analysen des Energieportals e3 new energy und anderer Studien könnte der CO₂‑Preis auf 70 bis über 100 Euro pro Tonne steigen. Der Heizungshersteller Viessmann hält im Extremfall sogar noch höhere Werte für möglich. Zum Vergleich: Im europäischen Emissionshandel lag der Preis pro Tonne CO₂ bereits 2023 die meiste Zeit über 80 Euro. Für Haushalte mit Gasheizung bedeutet dies spürbare Mehrkosten auf der Heizkostenrechnung.

Eine mögliche Entlastung der Bürger wäre über die Auszahlung des Klimagelds möglich. Die ursprüngliche Idee eines Klimageldes sah vor, Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung an die Bürger zurückzugeben. Die Auszahlung wurde zwar bereits lange angekündigt, bisher aber noch nicht umgesetzt.

Thüringens Energieminister Tilo Kummer hatte angesichts enorm gestiegener Spritpreise infolge des Iran-Kriegs jedoch für eine Sonderkonferenz der Energieminister von Bund und Ländern plädiert. Der BSW-Politiker will in Gesprächen mit anderen Bundesländern eine finanzielle Entlastung der Bürger erreichen, indem mit der Auszahlung des Klimageldes durch den Bund begonnen wird. Thüringen und acht weitere Bundesländer hätten diese Forderung bereits im vergangenen Jahr an den Bund gerichtet. „Das war ein deutliches Votum“, sagte Kummer. Damit könnten vor allem einkommensschwache Haushalte entlastet werden, die überproportional unter der CO₂-Bepreisung litten.

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