Er sei "jeden Tag präsent" in Berlin, hat Klaus Wowereit kürzlich betont, er kümmere sich um die Probleme der Stadt und wolle nach der Wahl 2011 Regierender Bürgermeister Berlins bleiben und nicht in die Bundespolitik wechseln. Nur in letzterem Punkt hat er die Unterstützung der Berliner. Die aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ergab, dass nur 11 Prozent der Befragten sich eine wichtigere Rolle Wowereits in der Bundespolitik wünschen. 83 Prozent hingegen wollen, dass sich Wowereit vor allem auf seine Arbeit als Regierender Bürgermeister konzentriert. Diese Meinung zieht sich fast einhellig durch die Anhängerschaften der Parteien: Meist nur eine Minderheit (11 Prozent der SPD-und 8 Prozent der CDU-Anhänger) will, dass der Regierende im Bund Politik macht. Bei der Linken sind es mit 26 Prozent deutlich mehr - Wowereit gilt als derjenige in der SPD, der ein rot-rotes Bündnis auf Bundesebene möglich machen könnte.Dass die Berliner ihn behalten wollen, heißt nicht, dass sie mit ihm zufrieden sind. Im Gegenteil: Drei Viertel aller Befragten sind der Meinung, dass der Regierende sich mehr als bisher um Sorgen, Ängste und Probleme der Menschen in der Stadt kümmern müsse. Dieser Meinung sind nicht nur die Anhänger der Opposition, sondern auch die der rot-roten Koalition. Fast zwei Drittel der SPD-Anhänger und genau drei Viertel der Linken-Wähler sind unzufrieden mit der Leistung ihres Regierungschefs. Dieses deutliche Murren unter den Berlinern findet sich wie berichtet auch in Teilen der SPD-Fraktion. Öffentlich und nichtöffentlich fordern Abgeordnete Wowereit auf, die Senatspolitik "offensiver" und "wahrnehmbarer" zu gestalten.Auch mit seinen Plänen für den Bau einer neuen Kunsthalle liegt Wowereit voll neben den Erwartungen der Berliner. 80 Prozent der Befragten bescheinigen dem Regierenden Kultursenator per Umfrage, dass sie den Bau einer Kunsthalle nicht für sinnvoll halten. Die Unterschiede zwischen Wählern der CDU (81 Prozent), SPD (79) und Linken (78) sind auch hier marginal. Die FDP-Wähler sind mit 92 Prozent noch drastischer im Contra, lediglich das kulturell interessierte Grünen-Bürgertum äußert sich mit 76 Prozent Ablehnung weniger krass.Hoffnungsträgerin GrüttersDie offenkundige Unzufriedenheit der Berliner mit Klaus Wowereit und die Meinungsunterschiede zwischen SPD und Linken dürften Wasser auf die Mühlen der Opposition sein. Namentlich die CDU wird nicht müde, Rot-Rot als zerstritten und den Spitzenmann Wowereit als gescheitert zu kritisieren. Die Meinung der Berliner über die CDU sieht allerdings ähnlich aus. Nur 25 Prozent der von Forsa Befragten geben an, dass die Partei einen geschlossenen Eindruck macht. 54 Prozent sehen die CDU derzeit eher als zerstrittene Partei an, selbst 38 Prozent der CDU-Anhänger meinen dies. Ein recht großer Teil (21 Prozent) der Befragten hat keine Meinung dazu.Unerfreulich für CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel fallen die Antworten auf die Frage aus, wer der geeignetste Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl 2011 sein könnte. Aus einer Vierer-Liste namhafter CDU-Politiker (Frank Henkel, Frank Steffel, Monika Grütters, Thomas Heilmann) setzten 12 Prozent der Befragten nicht Frank Henkel an die Spitze, sondern die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters. Den Unternehmer und Kreischef von Reinickendorf Frank Steffel sehen 10 Prozent als Spitzenkandidaten, Frank Henkel kommt mit 8 Prozent Zustimmung erst auf Platz 3. Der Kommunikationsexperte und Unternehmer Thomas Heilmann folgt auf Platz 4. Fast ein Drittel der Befragten hält keinen der vier Genannten für geeignet, ein weiteres Drittel hat keine Meinung. Wenigstens innerhalb der CDU-Anhängerschaft ist die Welt für Henkel in Ordnung: Mit 19 Prozent liegt er dort auf Platz 1 der Hoffnungsträger, der Newcomer Heilmann folgt dichtauf mit 17 Prozent.------------------------------Grafik: Knapp: Rot-Rot hat 37 Prozent, Schwarz-Gelb kommt auf 35.------------------------------Grafik: Wäre Bundestagswahl, reichte es knapp für Rot-Grün.------------------------------Grafik: Der Chef liegt weiter auf Platz 2 der Beliebtheitsskala hinter Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Nach den 1.Mai-Krawallen kurz im Tief, stabilisiert sich Körting vorn.
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