Das Angebot steht seit Januar auf Facebook: Freibier, den ganzen Tag, an dem Tag, an dem Donald Trump stirbt.
Kirk Bangstad, Besitzer der Minocqua Brewing Company im Norden von Wisconsin, hat es nie zurückgenommen. Am kommenden Dienstag soll seine Brauerei die Alkohol-Lizenz verlieren. Das berichtet die US-Zeitung USA Today unter Berufung auf die Steuerbehörde des Bundesstaates.
Der Grund, den die Steuerbehörde des Bundesstaates nennt, hat mit dem Präsidenten nichts zu tun. Es geht um Dosenbier aus Illinois und eine offene Verbrauchsteuer von rund 500 Dollar.
„Freibier am Todestag“: der Post vom 22. Januar
Einen Namen nannte die Brauerei in ihrem Januar-Post nicht. In den Kommentaren war trotzdem allen klar, wer gemeint war.
Später schob das Unternehmen die Logistik nach: Ausgeschenkt werde in Madison, weil der Standort ganzjährig geöffnet ist. Falle der Todesfall in den Sommer, gelte das Angebot in Minocqua.
Der Hashtag dazu lautete #freebeerday.
Die Innenstadt von Minocqua mit gemalter historischer Ladenzeile: Der Ort im Norden von Wisconsin lebt vom Sommertourismus. Auf den ist auch die Brauerei von Kirk Bangstad angewiesen.
© Imago
Nach dem Attentatsversuch auf Trump kam das FBI
Am 25. April fielen Schüsse vor dem Ballsaal des Washington Hilton, wo Trump mit Kabinettsmitgliedern beim Dinner der White House Correspondents´ Association saß. Der Präsident wurde evakuiert. Ein Beamter des Secret Service wurde getroffen, seine Schutzweste bewahrte ihn vor Schlimmerem.
Der Tatverdächtige Cole Tomas Allen, 31, ist unter anderem wegen versuchten Attentats auf den Präsidenten angeklagt. Ein Urteil steht aus.
Bangstads Brauerei kommentierte den Abend auf Facebook mit dem Satz, man habe den #freebeerday fast bekommen. Wer da geschossen habe, müsse an seiner Treffsicherheit arbeiten, oder Trump habe das Attentat für einen guten Nachrichtenzyklus vorgetäuscht. Für diese Behauptung gibt es keinerlei Beleg.
Zwei Tage später saßen Agenten von FBI und Secret Service bei ihm im Ausschank. Bangstad filmte das Gespräch und stellte es ins Netz. Er und sein Anwalt versicherten den Beamten, sie planten und wünschten weder Trump noch Vizepräsident JD Vance etwas Böses.
Wieder zwei Tage später kündigte Bangstad per Livestream vor seinem Ausschank an, Gouverneur von Wisconsin werden zu wollen. Draußen demonstrierten Gegner. Für die Kandidatur reichte es nicht: Die Wahlkommission zählte im Juni 1504 gültige Unterschriften, nötig gewesen wären 2000.
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1200 Dosen Bier aus Illinois beschlagnahmt
Gestoppt hat Bangstad am Ende nicht das FBI, sondern ein Prüfer der Steuerbehörde.
Am 11. Juni rückte deren Alkoholabteilung in die Standorte Minocqua und Madison ein und beschlagnahmte das gesamte Dosenbier. Nach Bangstads Angaben rund 1200 Dosen im Wert von etwa 25.000 Dollar.
Der Vorwurf: Das Bier wird bei einer Lohnbrauerei in Illinois gebraut und ohne die nötigen Genehmigungen und ohne Verbrauchsteuer nach Wisconsin gebracht. Die Steuerschuld dahinter beziffert Bangstad selbst auf ungefähr 500 Dollar.
Er klagte umgehend vor dem Bezirksgericht in Dane County. Die Behörde habe ihm keine Gelegenheit gegeben, den Betrag zu zahlen, argumentiert die Brauerei, und benachteilige auswärtige Lohnbrauer.
Steuerbehörde entzieht die Lizenz zum 4. August
Sechs Wochen später kam der Brief, datiert auf den 15. Juli. Die Brauerlizenz für zwei Standorte wird widerrufen, dazu die Lagergenehmigung für einen Standort. Stichtag ist der 4. August.
Nach Bangstads eigener Auflistung wirft ihm die Behörde unerlaubten Einzelhandel vor, Verstöße gegen Versandregeln und unversteuertes Bier in einem nicht genehmigten Lager.
Die Steuerbehörde teilte lediglich mit, ihre Alkoholabteilung sei zur fairen und einheitlichen Durchsetzung der Vorschriften verpflichtet und schreite ein, wenn Regeln nicht eingehalten würden.
Endgültig ist der Entzug damit noch nicht. Bis zum 4. August kann Bangstad Widerspruch einlegen, während des Verfahrens darf er weiter ausschenken.
Er selbst nennt den Entzug einen „absurden Akt der Härte“ und sammelt Geld für den Rechtsstreit. Man werde mit Zähnen und Klauen kämpfen, schrieb er seinen Unterstützern, und man werde ihn aus seinen Schankräumen herausbrechen müssen, bevor er aufhöre, durstigen Progressiven Bier zu verkaufen.
Evers Ale und ein Super-PAC: Wer Kirk Bangstad ist
Bangstad hat die Brauerei 2016 gekauft und seither konsequent politisch etikettiert. Im Sortiment standen ein „Evers Ale“, benannt nach dem demokratischen Gouverneur Tony Evers, und ein „Tammy Shandy“ zu Ehren von US-Senatorin Tammy Baldwin. Dazu Sprudelwasser mit dem Aufdruck „Nope, Not My President“.
Er gründete ein Super-PAC, zog 2024 vor Gericht, um Trump von der Wahlliste in Wisconsin streichen zu lassen, und lieferte sich in Oneida County jahrelange Grabenkämpfe mit der Bauaufsicht.
Dass ausgerechnet die Verwaltung eines demokratischen Gouverneurs seine Brauerei stilllegt, hält er für politische Vergeltung. Auch dafür, dass er Evers zu lasch gegenüber Trump findet. Belege dafür hat er bislang nicht vorgelegt.
Das Freibier-Versprechen gilt laut Brauerei weiter. Ob am fraglichen Tag noch etwas im Hahn ist, entscheidet inzwischen die Steuerbehörde von Wisconsin.
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