Nahverkehr

Freie Fahrt für 1700 Busse: BVG geht gegen Falschparker vor – auch mit Abschleppen

Das Verkehrsunternehmen startet eine Kampagne: „Wir stehen auf Busspuren. Du bitte nicht.“ Wenn das nicht hilft, greift sie zu anderen Mitteln.

Annamarie Heller
Annamarie Heller
3 Min
Die Abschleppautos der BVG stehen bereit.

Die Abschleppautos der BVG stehen bereit.

© BVG/Tenbusch

Wer in Berlin regelmäßig mit dem Bus unterwegs ist, kennt das Szenario: Der Bus stockt und muss mühsam die Spur wechseln, weil – wie so oft – ein Lieferwagen in zweiter Reihe hält oder ein Pkw die Busspur als Parkplatz missbraucht. Für die Fahrgäste bedeutet das Verspätungen, für die Fahrerinnen und Fahrer Stress im ohnehin dichten Hauptstadtverkehr.

Damit soll jetzt aber Schluss sein: In dieser Woche haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine neue Kampagne gestartet, die das Problem direkt dort anspricht, wo es entsteht – mitten auf der Straße. Unter dem Motto „Wir stehen auf Busspuren. Du bitte nicht“, fahren ab sofort alle rund 1700 Busse der BVG mit auffälligen Botschaften auf dem Heck durch die Stadt.

Die Botschaft richtet sich frontal an die dahinterfahrenden Verkehrsteilnehmer: Freie Fahrwege sind keine Besonderheit, sondern die Grundvoraussetzung für einen pünktlichen und verlässlichen Nahverkehr.

Kleine Blockade mit großer Wirkung

Wie extrem sich auch schon kurze Störungen auswirken, macht die BVG an einer Beispielrechnung fest: Wenn auf einer stark betroffenen Strecke wie dem Mariendorfer Damm jeder Bus um nur eine einzige Minute durch Falschparker aufgehalten wird, verlieren die Passagiere allein in den vier Morgenstunden zwischen 6 und 10 Uhr zusammengerechnet fast 50 Stunden. Und das an einem einzigen Tag.

Neben der verlorenen Zeit leidet auch die Barrierefreiheit. Wenn Busse nicht direkt an einem Gehweg nahe der Bordsteinkante heranfahren können, wird der Ein- und Ausstieg besonders für ältere Menschen, Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen zu einer gefährlichen Hürde. Auch für das Personal am Steuer bedeutet jedes Ausweichmanöver mit einem bis zu 18 Meter langen Bus eine enorme Zusatzbelastung.

Ein Polizist vor einem Lieferwagen, der in der zweiten Reihe hält.

Ein Polizist vor einem Lieferwagen, der in der zweiten Reihe hält.

© Arne Immanuel Bänsch/dpa

„Bei freien Wegen brauchen wir die Unterstützung der Berlinerinnen und Berliner. Denn jeder Bus, der ungehindert durchkommt, bringt viele Menschen zuverlässiger ans Ziel“, erklärte die Vorständin für Betrieb und Personal der BVG, Jenny Zeller-Grothe. Die Ansage der Verkehrsbetriebe macht deutlich, dass technische Aufrüstung und dichtere Fahrpläne allein nicht ausreichen, wenn die Fahrspuren verstopft bleiben.

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Der Erfolg der Großoffensive hängt somit maßgeblich von und der Rücksichtnahme aller Teilnehmer im Berliner Verkehr ab. Erst wenn Busspuren konsequent freigehalten werden, kann der Nahverkehr sein volles Potenzial für die Hauptstadt entfalten.

Die BVG schleppt Autos ab

Dass Appelle allein oft nicht reichen, weiß die BVG nur zu gut aus eigener Erfahrung. Deshalb setzt das Unternehmen, neben der neuen Kampagne, weiterhin auf seine eigene Busspurberäumung: Rund 40 Sicherheitsmitarbeiter sind in der Stadt unterwegs, um blockierte Abschnitte schnellstmöglich freizuräumen.

Die von der BVG selbst angegebenen Zahlen sprechen Bände: Rund 1600 Abschleppvorgänge erfasst das Team der BVG durchschnittlich jeden Monat. Im Jahr 2025 wurden um die 11.000 Fahrzeuge kostenpflichtig umgesetzt. Und auch schon in diesem Halbjahr gab es rund 600 Umsetzungen.

Einnahmen generiert die BVG durch das Umsetzen nicht. Es gehe dabei ausschließlich darum, das insgesamt 121 Kilometer lange Netz an Berliner Busspuren freizuhalten und Störungen zu vermeiden.

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