Die Freie Universität Berlin (FU) hat offiziell Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen die Bild-Zeitung eingereicht. Vergangene Woche berichtete die Zeitung über einen Protestbrief von etwa 100 Lehrenden gegen die polizeiliche Räumung einer pro-palästinensischen Demonstration an der Freien Universität.
„Die Universitäter“ titelte die Bild und druckte die Gesichter einiger Professoren im Blatt, die ihre Unterstützung für Palästina öffentlich bekundet hatten. Die Boulevardzeitung nannte den unterzeichneten Protestbrief eine Unterstützung für „Juden-Hass-Demos“.
„Wir verurteilen entschieden die Diffamierung einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unserer Universität durch die Bild-Zeitung“, heißt es in einer Erklärung der Hochschulleitung, die am Sonntag veröffentlicht wurde. Die Institution werde medienrechtliche Schritte prüfen, lautete es.
FU geht medienrechtliche Schritte gegen Bild-Zeitung
So kam es auch einige Tage später. „Die Freie Universität Berlin hat offiziell Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen einen Beitrag der Bild-Zeitung vom 10. Mai 2024 eingereicht“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung. Der Beitrag würde nach Ansicht der Universität eine „schwerwiegende Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten und des Wahrhaftigkeitsgebots“ darstellen.
Am 7. Mai fand eine Kundgebung mit etwa 150 Demonstranten der „Student Coalition Berlin“ statt. Die Protestanten versuchten, einen Hof der FU zu besetzen und Zelte aufzubauen. Die Universität rief die Polizei, die das Gelände räumte. Dabei wurden 79 Personen vorübergehend festgenommen, 80 Strafermittlungsverfahren und 79 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.
Etwa 100 Lehrkräfte von Berliner Hochschulen kritisierten die Räumung in einem Unterstützerbrief: „Unabhängig davon, ob wir mit den konkreten Forderungen des Protestcamps einverstanden sind, stellen wir uns hinter unsere Studierenden und verteidigen ihr Recht auf friedlichen Protest, das auch die Besetzung von Uni-Gelände einschließt.“
Sie forderten die Universitätsleitungen auf, „von Polizeieinsätzen gegen ihre eigenen Studierenden ebenso wie von weiterer strafrechtlicher Verfolgung abzusehen.“ Daraufhin erschien der umstrittene Artikel in der Bildzeitung, in dem mehrere Professoren mit Namen, Bild und Titel dargestellt wurden.
Bereits am Montag hatte Uni-Präsident Günter M. Ziegler angekündigt, dass die FU eine Beschwerde beim Presserat eingereicht hatte. Auch HU-Historiker Michael Wildt hatte sich der Initiative angeschlossen – der Professor hatte den offenen Brief unterzeichnet und wurde danach in der Zeitung abgebildet. Am Samstag legte der Historiker Beschwerde beim Presserat ein.
In einer Erklärung kritisierte Wildt die Berichterstattung, die durch die Abbildung der Porträts und Namen die Unterzeichner „persönlich markiert und bewusst möglichen Gewaltaktionen aussetzt“. Dabei betonte der Historiker, dass er ein „international renommierter NS- und Holocaust-Historiker“ sei. Er bezeichnete es als böswillige Verleumdung, ihm zu unterstellen, er würde „Juden-Hass-Demos“ unterstützen, und sieht dies als Versuch, ihn als Antisemiten darzustellen.
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