Freunde?

Mely Kiyak
2 Min

Heute treffen die Bürgermeister aus Berlin und Istanbul aufeinander. Man stellt sich Abende am Kamin vor, die Onkel erzählen und die kleinen Kinderlein, in diesem Fall die Mitglieder der Delegation, scharen sich um die beiden und hören zu, wie das damals war, als man beschloss näher zusammen zu rücken. Man hätte auch Eberhard Diepgen mitnehmen sollen, so viel ich weiß, lebt er noch. Ach quatsch, das geht ja nicht, weil der in der CDU ist und die Berliner Delegation hat statt einem Mitglied aus jeder Partei, zwei SPD Politiker und dafür keinen aus der CDU. Wollten die nicht mit oder durften sie nicht?Kadir Topbas, Bürgermeister und Mitglied der AKP, wird sich in den nächsten drei Tagen hier und da ein wenig blicken lassen. Er wird mit Klaus Wowereit eine Wirtschaftskonferenz zum Thema erneuerbare Energien eröffnen und einen kleinen Empfang mit Unternehmern geben. In einem Programmentwurf drei Wochen zuvor war noch die Rede von Ausstellungen, Musik und Theater. Doch nun scheint es, dass Wowereit so ziemlich jeden Programmpunkt alleine absolvieren muss. Bootsfahrt, Moscheebesichtigung, Kultur. Partnerschaft sieht irgendwie anders aus.Man muss sich die Situation so vorstellen: die zwanzigjährigen Freunde beschließen ihr Jubiläum in Istanbul zu feiern und die Berliner sagen, kein Problem, "bringen wir eben unser Kulturprogramm mit und schauen uns dann gemeinsam Ihre und unsere Sachen an".Doch der Istanbuler Bürgermeister schert sich keine Bohne um den Berlin-Istanbul-Kulturdialog, den das Theater- und Filmfestival "Almanci" anbietet. So kennt man es im Türkischen eigentlich nicht, man lässt die Gäste nicht allein, nachdem man ihnen den Besteckkasten gezeigt hat und sagt "Schneidet euch eure Melonen alleine auf, ich hasse Obst". Topbas hat kein Interesse, das Gastspiel "Klassentreffen" anzuschauen, in dem es um die zweite Generation der Arbeitsmigranten geht. Er nimmt auch an der Mauersteinaktion nicht teil, in der aus allen Ländern beschriftete Steine mit einem Gruß an die Berliner geschickt werden. Der Kulturdialog zwischen beiden Städten ist für Istanbuls Regierungselite uninteressant. Einzige Ausnahme ist das Young Euro Classic Konzert unter der Regie von Cem Mansur. Cem Mansur war acht Jahre lang Dirigent an der Istanbuler Staatsoper. So unhöflich wollte man dem Landsmann gegenüber wohl doch nicht sein.Mely Kiyak berichtet an dieser Stelle bis Sonnabend aus Istanbul aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Istanbul-Berlin.

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