Schutzmaßnahmen sächsischer Obstbauern gegen die nächtlichen Spätfröste haben am Mittwochmorgen den Straßenverkehr im Raum Leisnig erheblich beeinträchtigt. Im Grenzgebiet zwischen den Landkreisen Leipzig und Mittelsachsen warnte die Polizei rund um den Leisniger Ortsteil Clennen vor Sichtweiten unter zehn Metern. Betroffen war insbesondere die Staatsstraße 36 zwischen dem Abzweig nach Wiesenthal und dem Grimmaer Ortsteil Zschoppach.
Auslöser waren Feuer, die das Unternehmen Sachsenobst zum Schutz der Baumblüten vor den Minustemperaturen entzündet hatte. Wie aus den Verkehrswarnmeldungen der Polizei hervorging, verqualmte der Rauch die Umgebung bis in Richtung Döbeln. Auch über die Warn-App Nina wurde eine amtliche Warnung herausgegeben.
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Alarmiert wurde die Leisniger Feuerwehr nach eigenen Angaben um 5.30 Uhr wegen „unklarer Rauchentwicklung“. Eine Person aus dem Leisniger Ortsteil Doberquitz hatte gemeldet, im Nebel beziehungsweise Rauch festzustecken und nicht mehr weiterzukommen. Wehrleiter René Gentzsch erklärte auf Nachfrage: „Kurz danach hat sich herausgestellt, dass Sachsenobst Schutzfeuer für die Blüten gezündet hatte. Durch die Thermik ist der Rauch aber nicht nach oben gezogen, sondern blieb unten hängen und zog in Richtung Dörfer und Straßen.“ Stellenweise habe die Sichtweite unter einem Meter gelegen. „Deswegen hatten wir auch die Nina-Warnung herausgegeben“, so Gentzsch.
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Feuerwehreinsatz mit sechs Fahrzeugen
Bei dieser Art von Feuern drücke die kalte Luft nach unten, erläuterte der Wehrleiter. Erst bei steigenden Temperaturen und höherem Sonnenstand könne der Rauch nach oben abziehen. „Man hat immer mal einen Feuerschein in den vergangenen Jahren gesehen, aber so extrem war es noch nicht“, sagte Gentzsch. Im Einsatz waren 24 Kameraden mit sechs Fahrzeugen. Gemeinsam mit der Polizei sperrten sie die S36 sowie mehrere Straßen in den Ortsteilen Doberquitz, Doberschwitz, Clennen und Sitten. Über die Sicherungsmaßnahmen hinaus könne die Feuerwehr in solchen Fällen nicht weiter eingreifen.
Hintergrund der Schutzmaßnahmen sind die anhaltenden Spätfröste, die in Sachsen verbreitet auftraten. Laut Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig wurden in der Nacht Temperaturen bis minus 3 oder 4 Grad Celsius erreicht, dazu kam Frost in Bodennähe.
Im Übrigen setzt auch der Weinbau entsprechende Methoden ein. Till Neumeister, Weinbauleiter von Schloss Wackerbarth, schilderte die Lage auf der Anbaufläche in Weinböhla: „Unsere Reben auf unserer Weinbaufläche in Weinböhla sind vom Entwicklungsstadium her jetzt gerade im Knospenaufbruch. Das heißt, wir sehen die ersten Grünteile an den Knospen.“ Um die empfindlichen Reben zu schützen, aus denen später die Triebe mit den Trauben entstehen, seien rund um die Flächen 250 bis 300 Kerzen aufgestellt worden – etwa alle vier Meter eine. Die Kerzen erzeugen eine Thermik, die das schnellere Abfließen der kalten Luft aus dem flachen Weinberg unterstützt. Auf den rund zehn Hektar stehen nach Angaben Neumeisters etwa 50.000 Reben. Auf anderen Flächen kämen statt Kerzen klassische Rauchfeuer aus Holzscheiten und Holzkohle zum Einsatz.
Für die kommenden Tage gab DWD-Meteorologe Engelmann teilweise Entwarnung: „Es wird in weiten Teilen milder.“ In den Hochlagen des Erzgebirges und Vogtlandes könnten die Temperaturen jedoch in den nächsten Nächten weiterhin unter null Grad fallen.
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