Das Mikrofon liegt schon auf dem Tisch, da streckt Niclas Füllkrug noch die Hand aus. Er lächelt sogar. „Nee, danke, ciao“, sagt er, dann ist er aus dem Bild.
Zurück bleibt ZDF-Reporter Florian Zschiedrich, der nur noch ein verdutztes „Ach, doch nicht?“ hinterherschicken kann.
Es ist Samstagabend in Stuttgart, Werder Bremen hat in der Bundesliga beim VfB 0:1 (0:1) verloren. Ex-Herthaner Maximilian Mittelstädt traf früh (7.), Füllkrug blieb nach sieben Spielen in Serie erstmals ohne Tor.
Niclas Füllkrug im ZDF-Sportstudio: dreimal die DFB-Frage
Bis zum Ciao vergehen drei Fragen. Die erste ist eine Einladung zur Grußbotschaft. Bundestrainer Jürgen Klopp habe sich nach Füllkrugs letztem Besuch im Sportstudio gemeldet, sagt Zschiedrich, jetzt könne er ihm, „falls der Bundestrainer wieder zuguckt“, sagen, welchen Stellenwert die Rückkehr nach über einem Jahr habe.
So spricht man mit einem Nachwuchsspieler, der zum ersten Mal vor einer Kamera steht. Füllkrug ist 33 Jahre alt, WM-Teilnehmer, und er hat vor wenigen Minuten ein Spiel verloren.
Seine Antwort fällt entsprechend aus: „Das werde ich nach einem verlorenen Spiel nicht tun. Bitte, ein bisschen Respekt. Wir haben gerade ein Spiel verloren, das ist gerade gar nicht in meinem Kopf.“
ZDF-Reporter Florian Zschiedrich: „Ich muss es nochmal probieren“
Zschiedrich hat den Mann, der das sagt, direkt vor sich. Er sieht den Blick, er hört den Ton. Dann sagt er: „Ich muss es nochmal probieren.“
Es sei doch ein besonderes Ereignis, da sei doch auch ein bisschen Vorfreude, oder? Das „oder?“ am Ende lässt nur eine Antwort zu, und Füllkrug gibt eine andere: „Da denke ich jetzt nicht dran. Und es interessiert mich gerade auch nicht.“
Er wolle nicht unhöflich sein, schiebt er nach, aber man habe gerade 0:1 verloren, obwohl man ein gutes Spiel gemacht habe. Der dritte Versuch kommt mit einem Klopp-Zitat, danach ist das Gespräch vorbei. „Ich hab’s probiert. Tschüss, danke Niclas“, sagt Zschiedrich, da steht er schon allein im Bild.
Füllkrug-Interview im ZDF: Fragen ohne Gespür
Böse Absicht muss man dem Reporter nicht unterstellen. Die Frage nach der Nationalelf ist legitim, Füllkrug ist schließlich nominiert. Doch sie gehört ans Ende eines Interviews, nach ein paar Sätzen über ein unglücklich verlorenes Spiel.
Zschiedrich stellt sie an den Anfang, Minuten nach dem Abpfiff. Und er wirkt, als hätte er die Vorgeschichte nicht mitbekommen.
Zweimal sagt Füllkrug klar, worüber er jetzt nicht reden will, zweimal überhört Zschiedrich es. Sein „nochmal probieren“ vorher und sein „probiert“ hinterher klingen nach einem abgehakten Fragenzettel.
Niclas Füllkrug und die Nationalmannschaft: die 45. Frage
Dabei verfolgt das Thema Füllkrug seit Wochen. Nach dem 2:2 gegen den SC Paderborn Mitte Oktober erklärte er bei Dazn, er habe schon 44-mal gesagt, dass er über die Nationalelf nicht mehr reden wolle. Es wäre „sehr cool“, wenn die Medien anfingen, ihn zu respektieren.
Sein früherer Kollege Nils Petersen, inzwischen TV-Experte, lachte und versprach, ihn auch ein 45. Mal zu fragen. Im Rückblick klingt der Scherz wie eine Ankündigung.
Jürgen Klopp über Füllkrug: „Das ist nicht meine Schuld“
Wenige Tage später äußerte sich Klopp selbst: „Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen, aber ist 33. Das ist nicht meine Schuld.“
Füllkrug nahm es nach dem 3:2 in Mainz gelassen: „Er hat Fakten aufgezählt, mehr nicht.“ Er spiele für Werder, nicht für eine Nominierung.
Am Donnerstag lenkte Klopp ein und nominierte Füllkrug für die Nations League. Wäre morgen Europameisterschaft, „würden wir ihn natürlich mitnehmen“, sagte er.
Bundestrainer Jürgen Klopp: vom TV-Studio an die Seitenlinie
Die Rollen sind seltsam verteilt. Der Bundestrainer saß bei der WM im Sommer noch als Experte im Fernsehstudio. Klopp kann vor laufender Kamera stundenlang erzählen.
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Füllkrug spricht am liebsten mit Toren. Warum der Bundestrainer seine Meinung änderte, weiß nur er. Gefragt wird trotzdem der Stürmer, am liebsten in dem Moment, in dem er gerade verloren hat.
Werder Bremen nach dem 0:1 in Stuttgart: Frust statt Vorfreude
Zwölf Tore in zehn Pflichtspielen hat Füllkrug in dieser Saison erzielt, als erster Bremer seit Miroslav Klose traf er in den ersten sechs Ligaspielen sechsmal. Nach einer Niederlage an den DFB zu denken, verbietet ihm sein Ehrgeiz.
Über das Thema spricht er durchaus. Bei Sky erzählt er am selben Abend, Klopp habe mit ihm „alles sehr offen und sehr fair besprochen“, Vorfreude spüre er aber noch keine.
Wer ihm etwas Zeit lässt und ihn wie einen erwachsenen Profi fragt, bekommt also eine Antwort. Am Freitag in Belgrad kann Füllkrug sein erstes Länderspiel seit Juni 2025 bestreiten. Danach wäre der richtige Moment für die Frage, was ihm die Rückkehr bedeutet.
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