Denn am Tag zuvor wurde das Lager an der Schönhauser Allee quasi bestreikt. Mitarbeiter demonstrierten für bessere Arbeitsbedingungen und forderten Kollegen auf, die Fahrräder stehen zu lassen und sich am Protest zu beteiligen. Das Unternehmen teilte später mit, die Bedenken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr ernst zu nehmen. Diese hatten bereits vor zwei Wochen verschiedene Depots mit der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen bestreikt. Laut Geschäftsführung sind inzwischen Verbesserungsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert
Den Beschäftigten gehen diese aber offenbar nicht weit genug. Jedenfalls veröffentlichte das Gorillas Workers Collective, das die Proteste auch am Montag organisiert hatte, am Abend eine nach eigenem Bekunden demokratisch entstandene Liste von Forderungen. Darin verlangen sie unter anderem gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, bezahlte Überstunden und fortan nur noch unbefristete Arbeitsverträge.
Außerdem sollten Vollzeitbeschäftigte mindestens zwei zusammenhängende Tage freihaben. Auch sollte niemand in kurzen Schichten arbeiten müssen, die über die ganze Woche verteilt werden. Schichten müssten mindestens vier Tage im Voraus zugewiesen werden.
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Darüber hinaus fordert das Gorillas Workers Collective bessere Arbeitsmittel. Da immer wieder kritisiert wurde, dass die Gewichtsgrenze von zehn Kilogramm pro Lieferung nicht kontrolliert werde, verlangt man nun Fahrräder mit Ladevorrichtungen. „Die Taschen müssen vom Rücken der Fahrer entfernt werden“, heißt es in dem Forderungskatalog. Jeder Fahrer müsse zudem eine persönliche Ausrüstung erhalten. Aufgezählt werden Helm, Schuhe, wettergerechte Kleidung sowie Arbeitstelefon samt Internet-Datenvertrag. Hat ein Fahrer kein funktionierendes Handy, dürfe ihm das Unternehmen die Arbeit nicht verweigern.
Demnach gibt es offenbar einige Defizite im Unternehmen. Bereits im Mai hatte das Gorillas Workers Collective die Gründung eines Betriebsrats initiiert. Quasi übergangsweise fordert man nun die Einführung wöchentlicher Gesprächsrunden in allen Depots, aber „ohne Anwesenheit oder Einfluss von Führungskräften“. Zudem solle Gorillas offenlegen, wo und wie Investorengelder genutzt werden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
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Tatsächlich ist das vor einem Jahr in Berlin gegründete Start-up eines der bestfinanzierten in Deutschland. Erst vor zwei Monaten sammelte Gorillas bei Investoren knapp eine Viertelmillion Euro ein und wird seitdem auf einen Unternehmenswert von einer Milliarde Dollar taxiert.
Allerdings steht Gorillas unter Druck. Denn es geht darum, wer die Nummer eins sein wird auf dem gerade erst entstehenden Markt für minutenschnelle Lieferung von Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs, und die Konkurrenz ist nicht weniger aggressiv. Wichtigster Gegenspieler ist das in diesem Frühjahr ebenfalls in Berlin gegründete Unternehmen Flink, das von Kapitalgebern ebenfalls mit dreistelligen Millionenbeträgen versorgt wurde und auch die Supermarktkette Rewe als Teilhaber hat. Darüber hinaus hatten kürzlich auch Delivery Hero und Lieferando den Einstieg ins Berliner Quick-Commerce-Geschäft angekündigt.
Gorillas hat nun aber auch intern einiges zu klären. Das Gorillas Workers Collective nennt seine Forderungen demokratisch entstanden. Am Montag wurden sie der Geschäftsführung übergeben. Die habe nun zwei Wochen Zeit, um darauf zu reagieren, heißt es beim Gorillas Workers Collective.
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