Was ist das Schönste am Internationalen Literaturfestival Berlin (ILB)? Die Antworten darauf werden sich nicht nur nach Lesevorlieben unterscheiden. Wer Autogramme sammelt und Stars begegnen möchte, wird sie hier treffen. Wer auf die Neuerscheinungen des Herbstes neugierig ist, wird hier tolle Eindrücke erhalten. Wer Kinder hat oder in einer Schule tätig ist, wird das „Junge Programm“ bevorzugen. Wer nicht mit dem Deutschen aufgewachsen ist, wird die Mehrsprachigkeit preisen.
Wir sind in Berlin verwöhnt mit Literaturveranstaltungen, es gibt fünf Literaturhäuser über die Stadt verteilt, zahlreiche Buchhandlungen laden auch zu Lesungen ein. Was am Festival aber womöglich alle am schönsten finden, ist die literaturgesättigte Atmosphäre auf engem Raum, konzentriert auf zehn Tage.
Der Tisch biegt sich unter Büchern
Ab Donnerstag treten auf mehreren Bühnen des Hauses der Berliner Festspiele, außerdem im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, in der Gelben Villa und im Theater an der Parkaue Autorinnen und Autoren auf und kommen mit dem Publikum ins Gespräch. Eine Lesung findet in der Philharmonie statt: Am Montag stellt dort die Literaturnobelpreisträgerin Han Kang ihren Essayband „Der goldene Faden“ vor. In der Festival-Kitchen, die eigentlich die Kassenhalle des Festspielhauses ist, sind Begegnungen möglich. Im Foyer biegt sich eine mehrere Meter lange Reihe von Tischen unter der Last der Bücher, die es zu kaufen gibt.
Lavinia Frey: „Letztes Jahr wurden wir regelrecht vom Publikum überflutet“
Das Literaturfestival ist immer auch ein Ort politischer Themen und Debatten. Zwei Veranstaltungen werden von deutschen PEN-Zentren ausgerichtet. In Kooperation mit dem PEN Deutschland diskutieren Hasnain Kazim, Anna Schneider und Wolfgang Thierse anhand der Frage „Was (mir) wirklich wichtig ist“ über die deutsche Gegenwart (10.9.). Einen Abend für den Iran hat der PEN Berlin organisiert, besetzt unter anderem mit dem Poetry-Slammer Aidin Halimi und den Autorinnen Shida Bazyar, Ronya Othmann und Daniela Sepehri (11.9.). Shida Bazyars Roman „Die Lücken“ steht ebenfalls auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.
Booker-Preisträger, Deutscher-Buchpreis-Nominierte
Politische Brisanz steckt auch in den Auftritten einzelner Autorinnen und Autoren, etwa wenn die palästinensische Schriftstellerin Adania Shilbli liest, wenn die nach Deutschland emigrierten Autorinnen Aslı Erdoğan (Türkei), Stella Gaitano (Südsudan) und Mariam Meetra (Afghanistan) miteinander sprechen, wenn Don Pablo Mulemba und Tupoka Ogette erzählen, wie es ist, Schwarz und ostdeutsch zu sein.
Ein paar Namen mehr von den rund 100 Gästen müssen genannt werden: Die Norwegerin Vigdis Hjorth bringt in ihrem neuen Roman „Der gute Mensch von Sandvika“ mit. Der Amerikaner Dave Eggers, berühmt durch „Der Circle“, liest nun aus „Contrapposto“. Cornelia Funke stellt ein Wimmelbuch vor, in dem sie einige ihre Figuren neu arrangiert, und ist wie auch Dave Eggers am Sonntag bei der Lesesause für Familien dabei. Der Booker-Preisträger Douglas Stuart bringt seinen „John of John“ mit, der für 2026 wieder auf der Longlist für den Booker steht. Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht der Roman „Anton und Alma“ von Dana Vowinckel; die Autorin liest gemeinsam mit ihrer Kollegin Ruth Maria Thomas („Die zweitgrößte Liebe“) am letzten Festivaltag, dem 12. September.
Internationales Literaturfestival Berlin. 3.–12. September 2026, Programm und Tickets über www.literaturfestival.com
Sommerhaus, wieder und wieder: Der Autor Alex Schulman ruft in seiner Kindheit an
Herrlicher Ehe- und Urlaubsroman: „Memories of Heidelberg“ von Heinz Strunk
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]