Die ersten Songs sind gespielt, der Himmel, nicht mehr von der Sonne beleuchtet, hat sich dunkelblau gefärbt. Der Qualm von Zigaretten und Joints ist längst in alle Nasen der jungen Gesichter gekrochen, die der Berliner Band BHZ auf der Bühne zujubeln, als eines der Mitglieder, Longus Mongus, das Wort ergreift. Er erzählt, es seien Auftritte wie diese, bei denen er besonders trauert. „Der Song ist für Pablo“, sagt er, und in seinen Worten, die das Publikum mit Tränen in den Augen mitsingt, färbt sich der Himmel rosa und Dead Dawg, für den er den Song „rosa“ singt, guckt von seinem Mond aus zu.
Dead Dawg, bürgerlich Pablo Grant, ist am 6. Februar 2024 gestorben. Und seine Freunde trauern an diesem Donnerstagabend in der Zitadelle Spandau um ihn, der die Band mitgegründet hatte. Aber sie vergessen nicht, sich die Freude am Leben zu wahren.
„Verwandelt die Trauer in Energie“
Als Longus Mongus nach einem Moment der Stille fordert: „Verwandelt die Trauer in Energie“, gelingt das. BHZ, zu der außerdem die Rapper Ion Miles, Monk und Big Pat sowie die Produzenten MotB, Sami und Themba zählen, feiert nach der Stille von „rosa“ eine Party mit dem Publikum.
LongusMongus singt in der Zitadelle Spandau für Pablo Grant
© IMAGO/Finn Weidmann
Dabei hilft der Song „Crash Dummy“, dessen Melodie zum Mitsingen einlädt. Und als anschließend Soho Bahni als Gast auf die Bühne springt, um die „Inzidance“ steigen zu lassen, schreien die Fans seinen Text so laut mit, dass seine Stimme kaum vermag, überhaupt in ihren Ohren anzukommen.
Obwohl der Verlust von Pablo Grant präsent bleibt, Fahnen mit seinem Namen durch die Luft wehen, Songs von ihm laufen und neben Mongus Longus auch Monk ihm einen Song widmet, vergisst BHZ nicht, zu genießen, was ist.
Ein besonderer Gast
Dabei helfen ihnen einige ihrer Kollegen. Die jungen Männer von RapK bringen nicht nur ihre Lieder mit, sondern spielen auf der Bühne sogar Fußball. Die 102Boys heizen das Moshpit an, das sich die Bandmitglieder am Abend immer wieder wünschen. Wer rechtzeitig da war, sah vor BHZ sogar noch Paula Hartmann, Ski Aggu und K.I.Z. als Support. Das Highlight hierbei aber sollte noch folgen.
Kotti, Kalkbrenner, Pashanim: So feierte Berlin sein neues Festival
Gerade hat Monk seine Version des Songs „Schwarz zu blau“ in leisen Tönen gesungen, da kommt zur Überraschung der Besucher und Besucherinnen der Verfasser des Originals auf die Bühne: Peter Fox performt höchstpersönlich seinen eigenen Song über die Stadt Berlin, während Tausende jedes Wort des Textes mitschreien. Und mit der gleichen Euphorie zelebriert BHZ dann auch die eigenen Hits: „Drink ist kalt“, „Powerade“ und „Runnin“.
Abschied
Der letzte Song endet mit Dead Dawgs Part. Er wird aus den Lautsprechern gespielt, während Videos des grinsenden und performenden Grants zu Lebzeiten auf den Leinwänden erscheinen und die Bandmitglieder sich Arm in Arm vor ihr Publikum stellen und ihre Hände zu Herzen formen. Eine Geste, die sich im Publikum spiegelt, bevor die Lichter ausgehen.
Die Mitgleider der Band BHZ stehen zusammen, während „der kleine Prinz“ spielt
© IMAGO/Finn Weidmann
Die folgende Zugabe mündet im Abschied von Dead Dawg, dessen Stimme über die Lautsprecher das Lied „Kleiner Prinz“ singt, während die Band auf der Bühne erneut zusammenfindet. Die Jugendlichen des Chors der Deutschen Oper, in Weiß gekleidet, singen mit, genau wie Tausende junge Leute im Publikum. Sie singen für Pablo Grant. Und der, so hoffen sie, hört von seinem Mond aus zu.
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