Funkmast der Feuerwehr im denkmalgeschützten Ortsteil sorgt für Ärger

Eine "städtebauliche Sünde erster Ordnung"

Mathias Raabe
3 Min

Jahrelang haben die Karower auf eine neue Feuerwache gewartet. Jetzt steht der Neubau aus roten Klinkersteinen am denkmalgeschützten Dorfanger und trotzdem sind viele Einwohner nicht zufrieden. Grund dafür ist der riesige Funksendemast neben dem Gebäude, der mit seinen 31,5 Metern Höhe den benachbarten Kirchturm deutlich überragt. "Der Funkmast ist eine Zumutung und zerstört die Silhouette des ganzen Dorfes", sagt Klaus Frommknecht, Bezirksverordneter der SPD, der selbst in Karow wohnt. Wie Frommknecht geht es vielen Anwohnern. Sie fordern, der Turm soll wieder weg.Senat gab GenehmigungFür Baustradtrat Andreas Bossmann (für PDS) ist es sogar "eine städtebauliche Sünde erster Ordnung", in einem unter Denkmalschutz stehenden Ortsteil einen solch großen Mast aufzustellen. Dass zu dem neun Millionen Mark teuren Feuerwehrgebäude auch ein Funkmast mit diesen Ausmaßen gehört, sei dem Bezirk nicht mitgeteilt worden. "Das hätten wir auch nicht genehmigt." Denn für die Häuser rund um Berlins älteste Dorfkirche gelten strenge Auflagen. Über jedes Fenster, jede Tür, die erneuert werden sollen, muss zuerst mit der unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden, sagt der Stadtrat. Die Genehmigung für ihr Gebäude hat sich die Feuerwehr deshalb auch direkt beim Senat geholt. "Die Feuerwehr hat Sonderrechte", sagt Petra Reetz, Sprecherin der Umweltverwaltung. "Sicherheit und Schutz für die Bewohner gehen in einem solchen Fall vor."Auch bei der Feuerwehr wird der Mast verteidigt. "Wir hatten bisher in Karow ein ziemliches Funkloch", sagt Feuerwehr-Architektin Marion Mewes. Das sei Dank des Mastes nun geschlossen. Der wurde übrigens vom Mobilfunkunternehmen D 2 gebaut und wird von ihm auch mit genutzt. Sicher, räumt Mewes ein, sehe der Funkmast nicht gerade schön aus, aber Satellitenschüsseln auf den Hausdächern seien auch nicht schön.Dabei hätte es durchaus eine andere Lösung gegeben. In dem 20 Meter hohen Kirchturm befinden sich zwei Mobilfunkanlagen der Firmen Interkom und TeDe 2, sagt Pfarrer Dietrich Hermisson. Diese funktionieren tadellos, sind von außen nicht zu sehen und erfüllen damit alle Auflagen des Denkmalschutzes. Seit zwei Jahren vermietet die Kirchgemeinde bereits ihren Turm. "Wir hätten uns sicher nicht geweigert, wenn die Feuerwehr bei uns angefragt hätte ihre Anlage unterzubringen", sagt Hermisson. Zumal mit den Planungen für die neue Wache schon vor Jahren begonnen worden war. Verordnete fordern RückbauDas wäre eine Möglichkeit gewesen, sagt Gabriele Mertens von der Grundstücksverwaltung der Feuerwehr. Für die Sicherheit sei es aber besser, einen eigenen Mast zu haben. "Für ihn müssen wir keine Miete zahlen, und er steht auf unserem Grundstück." Außerdem gebe es keine Risiken bei einer möglichen Kündigung eines solchen Vertrages. Stadtrat Bossmann will jedenfalls weiter gegen das Feuerwehr-Ungetüm kämpfen - zumal es inzwischen einen Beschluss der Bezirksverordneten gibt, die den Rückbau des Funkmastes fordern. "Das", sagt Bossmann, "ist ein Beschluss, den ich gerne versuche umzusetzen."BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Neues Wahrzeichen von Karow: Der Funkmast überragt den Kirchturm um zehn Meter.

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